Sonidos de Paraquaria. Foto: Christian Ender

Sonidos de Paraquaria. Foto: Christian Ender

Die Musik der Missionare

Wie die Jesuiten die Barockmusik nach Paraguay brachten und wie diese Musik nun nach Europa zurück kommt - davon erzählt eine ungewöhnliche neue CD.

Mitten in Paraguay haben die Produzenten Nick und Clemens Prokop die CD Jungle Baroque aufgenommen. Dort ist die Musik, die jesuitische Missionare im 18. Jahrhundert ins Land gebracht haben, bis heute lebendig. Das beweist der kernig-frische Klang von Sonidos de Paraquaria, einem Ensemble junger Musiker unter der Leitung des vielfach ausgezeichneten Dirigenten Luis Szaran (UNESCO „Artist for Peace"). Für historisch-informiert-verwöhnte Ohren klingt das Ensemble freilich ziemlich unbedarft, aber dies unterstreicht vielleicht den einfachen Charakter der Musik, die unterhaltsam und ungekünstelt daher kommt. Trotz abenteuerlicher Bedingungen wurde die CD in der historischen Jesuitensiedlung Santa Maria de Fe aufgenommen. Die Aufnahme präsentiert eine authentische und hierzulande nahezu vergessene Spielart der Klassik als musikalisches Zeitdokument der Vergangenheit und Gegenwart Südamerikas, aber auch des Jesuiten-Ordens. Die Missionare hinterließen mit den als Reduktionen bekannten indigenen Siedlungen ein Sozialwerk in Südamerika, das heute Teil des UNESCO Welterbes ist. Die Kompositionen und Kenntnisse von Jesuitenmeistern wie dem Schweizer Martin Schmid, der in Tirol und Bayern studierte, trafen dort auf indigene Musikalität. So entwickelte sich eine Barockmusik mit eigenständiger Note, die heute von den jungen Talenten Paraguays lebendig gehalten und jetzt in Europa wiederentdeckt wird.