Gabriel Schwabe. Foto: Kaupo Kikkas

Gabriel Schwabe. Foto: Kaupo Kikkas

"Die schönsten Momente eines Musikerlebens"

In Hamburg können sich Stipendiaten gemeinsam mit dem Cellisten Gabriel Schwabe zwei komplexen Werken der Kammermusik widmen. Darunter die immer noch zu wenig bekannte Urfassung der Metamorphosen von Richard Strauss.

Sie sind jung, ausdrucksstark und bemerkenswert ausgereift in ihrer musikalischen Entwicklung: Die Stipendiaten des Kammermusikprojekts 2016 der Deutschen Stiftung Musikleben. Die künstlerische Leitung hat Gabriel Schwabe, den die Stiftung über viele Jahre u.a. mit der Leihgabe eines Meistercellos aus dem Deutschen Musikinstrumentenfonds förderte. Er hat es geschafft, nicht nur mit seiner von Kritikern hochgelobten Einspielung der Cello-Sonaten von Brahms (Naxos), sich in den letzten Jahren als einer der führenden Solisten seiner Generation zu etablieren.

Mit weiteren Stipendiaten (19-28 Jahre) wird er in intensiven Probentagen in Hamburg die Metamorphosen für Streichseptett von Richard Strauss und das Streichsextett Nr. 1 von Johannes Brahms einstudieren und am Donnerstag, den 17. November 2016 um 20 Uhr auf die Bühne des Kleinen Saals der Laeiszhalle bringen: Starke Stücke, die den jungen Musikern ihr ganzes Können abverlangen und sie als Interpreten herausfordern. (Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung erforderlich über die Deutsche Stiftung Musikleben unter Tel. 040-360 91 550 oder dsm@dsm-hamburg.de. Spenden für die Arbeit der Stiftung sind erbeten.)

Bei den Metamorphosen für Streichseptett handelt es sich um die erst in den 1990er Jahren entdeckte und rekonstruierte Urfassung. Strauss hatte das Werk ursprünglich für sieben Solostreicher angelegt, es dann jedoch im Zuge eines Auftrags für Streichorchester umgearbeitet. Bis vor wenigen Jahren war selbst in Expertenkreisen nicht bekannt, dass der klanglich üppigen Endfassung der Metamorphosen eine verschollene Frühfassung für sieben Solostreicher voranging. Erst mit dem Fund eines Particells konnte die virtuose Urfassung durch Rudolf Leopold, Cellist des legendären Wiener Streichsextetts, rekonstruiert und 1994 als eines der Höhepunkte in der Konzerttätigkeit des Streichsextetts uraufgeführt werden.

Dieses Werk und Johannes Brahms Streichsextett Nr. 1, das ihm den lang ersehnten kompositorischen Durchbruch brachte, verbindet die dramatische Dichte des Satzes bei starker Autonomie der Einzelstimmen – Reiz und Herausforderung für die Interpreten zugleich. Sich über mehrere Tage hinweg zwei so bedeutenden Werken der Kammermusikliteratur zu widmen, ist gerade in Zeiten, in denen an den Musikhochschulen das Augenmerk auf die solistische Ausbildung gelegt wird, eine wichtige Erfahrung für junge Virtuosen.

„Kammermusik ist die erfüllendste und anspruchsvollste Form, Musik zu machen“, meint Gabriel Schwabe. „Während man seine eigene Stimme ausformt, muss man sich der anderen stets bewusst sein, die Balance finden zwischen dem Geben und Empfangen von Impulsen um ein gemeinsames Ganzes zu schaffen. So entstehen die schönsten Momente eines Musikerlebens, wenn die Musik zur unmissverständlichen Sprache wird, die die Musizierenden verbindet.“

Die Kammersolisten der Deutschen Stiftung Musikleben spielen alle auf Spitzeninstrumenten, sechs davon aus dem Deutschen Musikinstrumentenfonds, die von Meistern wie Lorenzo Storioni und Francesco Ruggeri gebaut wurden, teilweise über 300 Jahre alt sind und mit der Schönheit ihres Klangs überzeugen. Die Bratschen stammen aus der Werkstatt des zeitgenössischen Geigenbaumeisters Haiko Seifert aus dem vogtländischen Plauen und wurden von der Deutschen Stiftung Musikleben eigens für den Fonds in Auftrag gegeben, da sie mit ihrer besonderen Klangfarbe und der bei Bratschen häufig schwierigen Spielbarkeit historischen Instrumenten in diesem Fall tatsächlich überlegen sind.