Junge Reporter beim Davos Festival. Foto:  Yannick Andrea

Junge Reporter beim Davos Festival. Foto: Yannick Andrea

Die Schweizer Familie

„Musik ist eine Kunst, die in besonderer Weise von Zugehörigkeit, Familie und Verwandtschaft spricht», so Reto Bieri, der Intendant des Davos Festivals, das vom 6. bis 20. August zur "Familienzone" wird.

Inspiriert von u. a. Tonartverwandtschaften, Instrumentenfamilien, Mutterakkorden und von Familienorten wie z. B. dem Kinderzimmer oder der Küche, widmen sich junge Talente und etablierte Künstler  der verbindenden Kraft der Töne. Neben über 50 kammermusikalischen Konzerten, bei denen insgesamt 80 junge, hochtalentierte Musiker aus 20 Nationen in abwechslungsreichen Formaten wie abendlichen Livingroom- oder Brunchkonzerten, Filmabenden oder einer musikalischen Festivalwanderung hinauf auf die Alp auf musikalische Spurensuche gehen, erklingt erstmals beim Davos Festival die Oper "Die Schweizer Familie", für die eigens eine kammermusikalische Fassung geschrieben wurde. Im Zuge der Recherchen rund um das Singspiel von Joseph Weigl, das zu den beliebtesten Repertoirestücken der Mozartzeit gehörte, entdeckte man in diesem Jahr eine Arie wieder, die Richard Wagner für die Oper komponiert hatte. Sie wird nach über 150 Jahren erstmals wieder beim Davos Festival zu hören sein.

Die Begegnung von Musikern und Künstlern verschiedener Generationen prägt von jeher das Profil des Davos Festival. Dabei spielt auch der „Composer in Residence“ eine zentrale Rolle, in dieseM Jahr der 1937 geborene Valentin Silvestrov aus der Ukraine. Er gehörte zu den führenden Komponisten der "Kiewer Avantgarde", bis er sich in den 1970er Jahren von der Gruppe trennte und sich wieder mehr der Tonalität in allen ihren historischen Erscheinungsformen zuwandte. Seine Musik wird nicht nur am großen Eröffnungsabend am 6. August im Hotel Schweizerhof einen Kontrapunkt zu Kompositionen von Schubert, Schumann oder Wagner bilden, sondern auch in den folgenden zwei Wochen immer wieder an markanter Stelle Akzente setzen.

Verwandtschaften finden sich nicht nur innerhalb der musikalischen Beiträge, sondern auch bei den jungen Musikern selbst: So sind die Schwestern Esther (Klavier) und Lea Birringer (Violine) in Davos zu Gast, die neben erfolgreichen Solokarrieren auch regelmäßig gemeinsam auf der Bühne stehen. Beim Davos Festival werden sie beispielsweise im Konzert "Nussdorfer Straße 54", die Adresse von Franz Schuberts Geburtshaus, am 7. August zu hören sein.

Im fünfköpfigen Ensemble ALMA aus Österreich, deren Musik die Süddeutsche Zeitung als „Bestes Musikalisches Kopfkino aus Wien“ beschreibt, spielt ebenfalls ein Geschwisterpaar: Julia (Violine und Gesang) und Marlene (Kontrabass und Gesang) Lacherstorfer. Eine hauseigene Familie ist der Davos Festival Kammerchor. Er besteht aus 13 jungen Sängerinnen und Sängern aus der ganzen Schweiz und soll unter der Leitung von Andreas Felber zum spontanen Umgang mit der eigenen Stimme anstiften. Der Chor wird sowohl die Festivalwanderung begleiten, als Opernchor die Schweizer Familie bereichern als auch Teil eines Offenen Singens sein.

Daneben gibt es in diesem Jahr die eigens für das Davos Festival geschaffene, szenische Opernproduktion, für die man mit Joseph Weigls „Die Schweizer Familie“ einen rauschenden Publikumserfolg von einst neu zur Diskussion stellt. „Die Schweizer Familie“ ist Weigls populärstes Werk, das mit zahlreichen unterhaltsamen Verwechslungsszenen und eingängigen Melodien aufwartet und mit der romantischen Verklärung der Schweizer Landschaft und ihrer Bewohner maßgeblich zu einer nachhaltigen Schweiz-Begeisterung in Europa beitrug. Das Davos Festival hat den jungen Komponisten Philip Bartels beauftragt, eine eigene Davoser Fassung für die Kammeroper zu erstellen. Die Oper entsteht in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Opernstudio (HKB).

www.davosfestival.ch