Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin.

Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin.

Die stetige Suche nach neuen Formaten

Daniel Hope talkt, Alfred Brendel wirkt an seiner eigenen Hommage mit und im Internet gibt es die Möglichkeit, ins bevorstehende Konzertprogramm reinzuhören: Das Programm des Konzerthauses am Gendarmenmarkt ist ohne Frage innovativ.

Chefdirigent Iván Fischer folgt 2016/17 mit dem Konzerthausorchester Berlin der Reiseroute durch das sinfonische Werk Beethovens. Weitere Schwerpunkte sind Mahlers zweite Sinfonie, US-amerikanische Klassiker des 20. Jahrhunderts und ein Programm mit Werken von Sibelius und Bartók gemeinsam mit Patricia Kopatchinskaja.

Patricia Kopatchinskaja ist ein absoluter Glücksfall als Artist in Residence: Offen und ungeheuer kreativ bringt sie Programme unterschiedlichsten Zuschnitts ins Konzerthaus, von Uraufführungen über klassisch-romantische Konzerte mit Orchester, Late-Night-Kammermusik bis zum szenischen Junior-Konzert. Und auch bei Mittendrin wird die Geigerin zu erleben sein.

Das Konzerthaus Berlin setzt seine stimmungsvolle Hommage-Reihe fort und würdigt nach Kurt Sanderling, Leonard Bernstein, Nikolaus Harnoncourt und Yehudi Menuhin diese Saison vom 27.04. bis 07.05.2017 den Jahrhundertpianisten Alfred Brendel. Konzerte von Weggefährten und Schülern wie Pierre-Laurent Aimard, Lisa Batiashvili und Kit Armstrong, eine Ausstellung sowie eine Festschrift stellen den vielseitigen Künstler vor, der die Hommage persönlich mitgestalten und begleiten wird.

Den energiegeladenen „melting pot“ US-amerikanischer Klangkulturen nimmt das Festival USA vom 16.02. bis 26.02.2017 in den Fokus. Auf dem Programm: Frank Zappas Orchestersuite „The Yellow Shark“ und seine Minioper „The Adventures of Greggery Peccary“ mit dem Ensemble Modern, New Orleans Jazz mit Dee Dee Bridgewater und ein Pixar-Trickfilmstudio-Konzert für die ganze Familie.

Nach vier gelungenen Komponisten-Marathons dreht sich am 20. November 2016 einen Tag lang alles um Franz Schubert. Vom geistlichen Werk über die Sinfonie bis zu Kammermusik, berühmten Liedern und Klavierstücken – gemeinsam mit dem Konzerthausorchester Berlin, Chefdirigent Iván Fischer und renommierten Solisten wie den Wiener Sängerknaben, dem Pianisten Arcadi Volodos und dem Tenor Christoph Prégardien bietet das Programm einen facettenreichen Blick auf den österreichischen Komponisten.

Das Konzerthaus Berlin präsentiert zudem einen ganz besonderen Beethoven-Zyklus: Der Pianist Saleem Ashkar spielt nicht nur alle 32 Klaviersonaten des Komponisten, er nähert sich ihnen zugleich im Rahmen eines von ihm konzipierten Gesamtprojekts „Begegnungen mit Beethoven“. Fester Bestandteil der acht Konzerte an verschiedenen Berliner Orten wie dem Jüdischen Museum sind atmosphärische Film- und Interviewsequenzen, die im Umfeld vorausgehender Aufführungen in Israel und Deutschland aufgenommen werden. Im Zentrum steht die Verschiebung von Grenzen – zwischen politischen Einheiten, Religionen, Individuum und Gesellschaft, bezüglich Hörgewohnheiten.

Stargeiger Daniel Hope macht in der neuen Reihe "Hope@9pm – Musik und Talk" den Werner-Otto-Saal viermal im Jahr abends um 21 Uhr zu seinem Berliner Salon. Mit hochkarätigen Gästen wie der Schauspielerin Katja Riemann (17.09.), dem Pianisten Menahem Pressler (01.12.) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (06.04.) will er sich zu aktuellen Themen austauschen, die die kulturelle Zukunft der Hauptstadt prägen, aber auch über ihre Beziehung zur Musik sprechen und den Abend musikalisch gestalten.

Der programmatischen Öffnung steht auch die stetige Suche nach neuen Formaten sowie medialen Zugängen zur Musikvermittlung gegenüber. Nach einer im September 2015 erfolgreich eingeführten Virtual-Reality-Anwendung wird das Konzerthaus Berlin mit dem dreijährigen Projekt Virtuelles Konzerthaus in Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) weiter die innovativen Möglichkeiten der Digitalisierung ausschöpfen. Darüber hinaus hat das Konzerthaus Berlin gemeinsam mit der Klassik-Plattform IDAGIO (www.idagio.com) einen „klingenden Saisonkalender“ auf seiner Homepage entwickelt. Über einen in die Veranstaltung-Detailansicht eingebetteten Player können Interessierte in die Werke des Konzertprogramms schon mal reinhören und sich so auf ihren Konzertbesuch einstimmen. Im Rahmen der Kooperation sind weitere Projekte wie kuratierte Playlists zu besonderen Anlässen geplant.

In der kommenden Saison finden im Konzerthaus Berlin etwa 600 Veranstaltungen statt, davon 380 Eigenveranstaltungen. Der Spielplan des Konzerthausorchesters Berlin umfasst insgesamt 131 Konzerte: darunter 81 sinfonische Konzerte, 23 Kammerkonzerte und 14 Sonderprojekte wie Schulkonzerte und einem Konzert speziell für autistische Kinder.

Im März 2017 geht das Konzerthausorchester Berlin mit seinem ehemaligen Chefdirigenten Eliahu Inbal auf eine ausgedehnte Tournee durch Japan und Südkorea und spielt zehn Konzerte mit dem Geiger Ryo Goto und der Pianistin Ayako Uehara.

Für Kinder und Jugendliche, Schüler und Studenten bietet der Junior-Bereich über 100 Veranstaltungen an, dazu zahlreiche Einführungen, Workshops und Projekte in Berliner Schulen und eröffnet jährlich rund 18.000 jungen Besuchern einen fantasievoller Zugang zur Klassik.