So beginnt die erste der zwölf Fantasien. Foto: Telemann-Festtage Magdeburg

So beginnt die erste der zwölf Fantasien. Foto: Telemann-Festtage Magdeburg

Die zwölf Fantasien des Herrn Telemann

Eine sensationelle Werkentdeckung präsentiert der Gambist Thomas Fritzsch anlässlich der 23. Magdeburger Telemann-Festtage: Zwölf bislang als verschollen geglaubte Fantasien für Viola da gamba von Georg Philipp Telemann. Der Gambist wird die zwölf Fantasien wahrend der Telemann-Festtage als Welterstaufführung erklingen lassen. Zeitgleich wird Thomas Fritzsch auch die CD-Einspielung und die Edition der zwölf Fantasien vorlegen.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass die Musikwelt von einem Komponisten hohen Ranges, zumal einem schon vor knapp 250 Jahren verstorbenen, etwas wirklich Neues zu hören bekommt. Thomas Fritzsch, dem unermüdlichen Novitäten-Sammler für sein Instrument, die Gambe, ist ein solcher Coup gelungen: Mit einer Sammlung von 12 bisher unbekannten Fantasien Georg Philipp Telemanns präsentiert er eine echte Sensation.

Telemann brachte sie 1735 in seinem eigenen Verlag heraus und fasste in ihnen den damals aktuellen Stand aller musikalischen und technischen Möglichkeiten für die Gambe zusammen - ein Instrument, das zu seiner Zeit eigentlich seinen barocken Mode-Hype schon hinter sich hatte. Umso mehr ist diese Sammlung ein Beweis für das Selbstbewusstsein und die nicht an Moden orientierte Kompetenz des Musikunternehmers Telemann; die des Komponisten steht angesichts der Fülle kontrapunktischer wie melodiöser Höhepunkte sowieso außer Frage.

Thomas Fritzsch bringt ein echtes Juwel ans Tageslicht. Bis vor wenigen Monaten schien es, als sei kein Druckexemplar dieser 12 Gambenfantasien erhalten geblieben. Dem Hinweis eines französischen Kollegen folgend, fand Thomas Fritzsch 280 Jahre nach Herausgabe der Sammlung im März 2015 ein in Privatbesitz befindliches und als Depositum im Niedersächsischen Landesarchiv am Standort Osnabrück aufbewahrtes vollständiges Druckexemplar aus dem Telemannischen Verlag von 1735.

In den Kompositionen „gießt Telemann ein Füllhorn musikalischer Ideen aus, besticht durch eine erstaunliche Kenntnis der Spielmöglichkeiten des Instrumentes und erweist sich als ein Meister der intimsten kammermusikalischen Form. Wenn sich aus dem spektakulären Fund erstmals seit nahezu 300 Jahren wieder Tone formen, gleicht dies einer Berührung der Vergangenheit“, sagt Thomas Fritzsch über den Fund. Die Konzerte finden statt am Wochenende 19. und 20. März im Kloster Unser Lieben Frauen.