Ist das die Zukunft des Heim-Klaviers? Casio rührt die Werbetrommel für seine Hybrid-Pianos jetzt auch per Konzert in der Berliner Philharmonie. Hier ein Pressebild des Herstellers. Foto: Clemens Bilan

Ist das die Zukunft des Heim-Klaviers? Casio rührt die Werbetrommel für seine Hybrid-Pianos jetzt auch per Konzert in der Berliner Philharmonie. Hier ein Pressebild des Herstellers. Foto: Clemens Bilan

Digitaler Sensor statt schwingender Saite

Im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie gibt es am 2. März ein futuristisches Debüt - oder ist es nur ein Wiederbelebungsversuch einer Technik, die sich bisher nicht richtig durchsetzen konnte? Auftritt für ein Hybrid-Piano, das den Ton zwar per Anschlag und Hämmerchen, aber ohne Saiten, sondern aus der digitalen Konserve erzeugt.

Auf die Idee muss man erstmal kommen: Casio, Hersteller elektrischer Musikinstrumente und auch sogenannter Hybrid-Pianos, nutzt ein Konzert mit der Neuen Preußischen Philharmonie unter Leitung von Thomas Henning, um das Podium des Kammermusiksaals der Berliner Philharmonie zur Werbeplattform zu machen.

Erstmals, so lautet die Ankündigung des Herstellers, werde ein innovatives Digital-Piano im Rahmen eines Konzertabends mit Orchesterbegleitung erklingen. Ob diese Ankündigung weltweit mit Gewähr zu machen ist, sei mal dahin gestellt. Und ob Mahlers Lied von der Erde der Ergänzung durch ein Hybrid-Piano bedarf, sei es auch.

Für den Hausgebrauch haben Hybrid-Pianos sicher Vorteile. Im Endresultat bleibt die Tonerzeugung aber ein elektronisches Verfahren. Man stelle sich diese Klanggenerierung für ein ganzes Orchester vor: Das Wesen des klassischen Konzertes, bei dem ja der Klang im Raum ohne jede elektrotechnische Einflussnahme das eigentliche Faszinosum darstellt, wäre im tiefsten Inneren, in seiner Seele, getroffen, abgetötet.

Wie gesagt: Für den Hausgebrauch, vor allem in Wohnungen neben geräuschempfindlichen Nachbarn, hat ein Hybrid-Piano mit elektronischem Klang, den man auch über Kopfhörer wahrnehmen kann, sicher Vorzüge. Seine Zukunft im Konzertsaal wird hoffentlich durch Abwesenheit glänzen.

Donnerstag, 2. März, 20 Uhr, Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie:

Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert A-Dur Nr. 23 KV 488
Gustav Mahler: Das Lied von der Erde (Fassung für Kammerorchester von Arnold Schönberg)
 
mit:
Haruka Kuroiwa, Klavier und Hybrid-Piano
Gundula Hintz, Mezzosopran
Vincent Wolfsteiner, Tenor
Neue Preußische Philharmonie, Orchester
Thomas Hennig, Dirigent