Margret Price. Foto: Archiv

Margret Price. Foto: Archiv

Durchbruch in Köln

Dieses Legato! Diese Klangfülle bei gleichzeitig feinster Linienführung! Diese intensiven leisen Töne! Dieser endlose Atem! Diese Musikalität! Diese Wärme in der Stimme! Dieser feine Geschmack: Margret Price war eine der größten Sängerinnen des 20. Jahrhunderts. Heute wäre ihr 75. Geburtstag.

Vor fünf Jahren verstarb Margret Price an Herzversagen im Alter von 69 Jahren. Bereits Ende des Jahrtausends hatte sie ihre Karriere beendet. Beim letzten Liederabend, den der Verfasser dieser Zeilen mit ihr erleben durfte, sang sie die Zugaben gleich hintereinander weg, da ihr der Weg vom Podium und wieder zurück bereits viel zu beschwerlich war.

Ihre Körperfülle konnte ihr dennoch nichts von ihrem mädchenhaften Wesen nehmen. Margret Price war eine sensible Seele in einem größer werdenden Körper, ihr Gesang aber war schwerelos, entrückt, jedoch  nicht abgehoben wie etwa bei der Schwarzkopf mit der Attitüde des Distanzierten, sondern immer ganzer Mensch, zutiefst menschlich. Und sie war immer ganz Sängerin, das bildete für Margret Price keinen Gegensatz zur Ausdeutung der Texte. Singen war für sie Musizieren mit dem Text.

Ihren Durchbruch in Deutschland feierte die Waliserin 1971 in Köln, das damals noch nationale Bedeutung im Opernleben hatte. Sie sang die Donna Anna in Don Giovanni in der Regie von Jean-Pierre Ponnelle. Später wurde München ihre Wahlheimat. Sie war dann auch reisender Weltstar, Dame of the Britisch Empire, Bayerische Kammersängerin - und Isolde.

Letzteres wird für immer ein Kuriosum bleiben. Ihre Mitwirkung an der Carlos Kleiber Aufnahme des Tristan in einer Rolle, die sie nie auf der Bühne sang, ist als eine der genialsten Fehlbesetzungen aller Zeiten in die Geschichte der Opernaufnahmen eingegangen. Wenn die Aufnahmetechnik nur den wunderbaren René Kollo nicht so vom Gesamtklang abgeschnitten hätte, es könnte die Erfüllung sein ...

Aber abgesehen von diesem Bestseller sind es andere Aufnahmen, die der intimen Kunst von Margret Price besser gerecht werden. Nur ein Beispiel sei genannt: Ihre Aufnahme der Verdi-Lieder mit Geoffrey Parsons aus dem Jahr 1986, vor vier Jahren auf CD wiederveröffentlicht. Hier kommen alle Genien zusammen und lassen in den frühen Liedern Verdis nicht nur dessen Menschheitsdramen der späteren Opernwerke ahnen. Jedes der Lieder wird bei Margret Price selber ein eigenes, harmonisch und melodisch-rhythmisch durchlebtes Menschheitsereignis - große bewegende Kunst, intim und zugleich in die Welt ausgreifend.