Julia Mihály. Foto: Ela Mergels

Julia Mihály. Foto: Ela Mergels

Echoes of 68

Die Neue Musik-Szene trifft sich in Köln und beschwört noch einmal den Glauben daran, dass Neues und sogar Bahnbrechendes in der Neuen Musik noch immer möglich seien. Es gibt Uraufführungen mit Show-Touch, u. a. von Julia Mihály.

Längst haben sich Festivals für Neue Musik von tradierten Konzertnormen verabschiedet und sind zu Plattformen für Experiment und innovatives Denken geworden. Das Forum neuer Musik im Deutschlandfunk versteht sich in diesem Zusammenhang als eine Werkstatt, die künstlerisch kreative Prozesse und gesellschaftlich relevante Fragen miteinander verbindet. Vom 12. bis zum 15. April 2018 bündelt das diesjährige Forum Konzerte, Debatten und Lectures, die ihren Ausgangspunkt allesamt im stürmischen Jahr 1968 haben.

„Echoes of 68“ ist der Titel der 19. Ausgabe des Festivals in Köln. Das Jahr 1968 steht für Aufbruch und Freiheitsdrang, aber auch für Widerstand und Veränderung. Im Rückblick sind die Eruptionen der 60er Jahre und ihre Folgen für uns deutlich sichtbar. In der Kunst wurde nicht nur der Einzug der Medien, sondern vor allem der Wunsch nach performativen Elementen und einem Aufbrechen vertrauter Formen spürbar. In der Avantgardemusik äußert sich dies unter anderem in der Ablehnung von Hierarchien des Musizierens und in überwaltigenden Projekten mit interdisziplinären, spartenübergreifenden neuen Formen.

Das Forum neuer Musik 2018 in Köln ist ein Streifzug durch die Musikgeschichte der letzten 50 Jahre. Während ein Teil der Konzerte die Historie spiegelt, reflektieren die an Saskia Bladt, Lea Letzel, Julia Mihály, Farzia Fallah und Nikola Lutz vergebenen Auftragskompositionen die Gegenwart. Die Wortbeiträge des Forums richten ihr Augenmerk auf Modernisierung, Beschleunigung, Technologiekritik. Zu den Referenten gehören Deutschlands jüngster Unternehmensberater Philipp Riederle, der Berliner Kultturtheoretiker Martin Burckhardt und der Marcuse-Herausgeber Peter-Erwin Jansen.

Im Eroöfnungskonzert am 12. April im Kammermusiksaal des Deutschlandfunk feiert das IEMA-Ensemble der Internationalen Ensemble Modern Akademie seinen 15. Geburtstag mit einem Kompendium der Neuen Musik. Beginnend mit Michael Parsons als Vertreter der experimentellen Musik der 60er Jahre spannt das Programm mit dem Titel „Rebellion“ den Bogen über Mauricio Kagel, Iannis Xenakis, Nikolaus A. Huber zu Saskia Bladt, deren Aufragswerk „White Echoes“ uraufgeführt wird.

Weiter geht es am 13. April mit einem vielgestaltigen Veranstaltungsabend, in dem die Auflösung des traditionellen Konzertformats selbst zum Thema wird. Das Ensemble ascolta greif Aktionen aus dem Fluxus Performance Workbook von Ken Friedman auf und Julia Mihály präsentiert als multimediale Performance mit live-Elektronik, Videos und Sounddesign die UA des „Grand Hotel Establishment“, ebenfalls eine Aufragskomposition des Deutschlandfunk.

Einen Schwerpunkt widmet das Forum 2018 dem Komponisten Hans-Joachim Hespos. Sein 80. Geburtstag ist Anlass für ein besonderes Lunchkonzert am Samstag, 14. April. Dominik Susteck (Orgel) und Ennikö Ginzery (Cymbalom) spielen Hespos‘ Solomusik in der Kunststation Sankt Peter, die zum siebten Mal als Veranstaltungspartner fungiert. Im Kölner Alten Pfandhaus endet dieser dritte Veranstaltungstag mit einem Sonderkonzert des von David Smeyers geleiteten ensemble 20/21.

Seit zehn Jahren beteiligt sich die Studierendenformation der Kölner Musikhochschule am Forum mit je einem speziellen Themenkonzert. Unter dem Motto „The Times, are they a-changin’?“ wagt sich das ensemble 20/21 in diesem Jahr an Steve Reich und Bob Dylan. Uraufgeführt werden außerdem musikalische Jubiläumsgrüße u.a. von Younghi Pagh-Paan, Georg Katzer, Samir Odeh-Tamimi und Lisa Streich.

Abschluss des Forum neuer Musik 2018 ist die multimediale Improvisation „FOCO_2018“ von Nikola Lutz am 15. April im Deutschlandfunk-Kammermusiksaal - definitiv ein alle Konventionen brechendes musikalisches Happening, in dem Turntables, Schlagwerk, Gitarren und Saxofon zum Einsatz kommen. Nikola Lutz, deren Interesse vor allem interdisziplinären Konzepten gilt, überrascht in ihren Konzerten mit spektakulären Effekten.

„Echoes of 68“, das Forum neuer Musik 2018, bietet in vier Tagen zehn Veranstaltunggen, zwölf Uraufführungen und vier Gesprächsformate. Für die internationale Komponistenszene ist das Festival eine wichtige Präsentationsplattform.