Residenzkünstlerin Annette Dasch. Foto: Rheingau Musik Festival / Ansgar Klostermann

Residenzkünstlerin Annette Dasch. Foto: Rheingau Musik Festival / Ansgar Klostermann

Eigenfinanzierungsquote: fast 100 Prozent

Die positive Entwicklung des Rheingau Musik Festivals als größtes privates Festival wird fortgesetzt und erfolgreich in den unterschiedlichsten Bereichen weiterentwickelt. Annette Dasch war in diesem Sommer die Residenzkünstlerin.

Am 1. September geht mit dem Abschlusskonzert in der Basilika von Kloster Eberbach mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin die 31. Saison des Rheingau Musik Festivals zu Ende. Das seit Monaten ausverkaufte Konzert wird live auf concert.arte.tv und auf www.rheingau-musik-festival.de gestreamt.

Zu den 149 Veranstaltungen an 40 Spielstätten kamen in den vergangenen zehn Festivalwochen 112.500 Zuhörer. Bei rund 123.500 verfügbaren Karten entspricht das einer Auslastung von 91,09%. 93 der 145 Konzerte waren vollständig ausverkauft. Die Eigenfinanzierungsquote lag wie in den vergangenen Jahren bei 99,69 Prozent.

Für Michael Herrmann waren die Konzerte zu Ehren des legendären amerikanischen Komponisten Leonard Bernstein eine ganz persönliche Reminiszenz an seinen Freund. „Ich war überwältigt, Jamie Bernstein, Lennys älteste Tochter, und seinen Neffen Michael Bernstein wieder zu treffen. Wir haben uns sofort wiedererkannt und gemeinsam in Fotoalben geblättert und die Vergangenheit wieder aufleben lassen. Mich hat auch persönlich sehr gefreut mit welcher Begeisterung das Publikum die Konzerte mit Lennys Musik besucht und ihm damit seine Reverenz erwiesen hat. Ein großes Erlebnis war für mich zudem die Vorführung des berühmten West-Side-Story-Films mit Livemusik im neuen RheinMain CongressCenter vor 2500 Zuschauern.“

Die Artist-in-Residence-Sängerin Annette Dasch brachte eine ganz persönliche Note in das Festivalprogramm. Der Oboist Albrecht Mayer und der Bratscher und Komponist Brett Dean prägten als Fokuskünstler ebenfalls die Saison. Im Fokus Jazz lag der Schwerpunkt auf der Gattung Klaviertrio und mit dem Brad Mehldau Trio, Jason Moran & The Bandwagon, dem David Gazarov Trio, dem Omer Klein Trio und dem Tingvall Trio gaben sich die angesagtesten Jazz-Klaviertrios die Klinke in die Hand.

„Mich persönlich beeindruckten in der Kammermusik vor allem auch die neue junge Pianistengeneration mit Víkingur Ólafsson, Benjamin Grosvneor und Saleem Ashkar, aber ebenso die Grande Dame des Klaviers Elisabeth Leonskaja, die mit dem Artemis Quartett das Schumann-Klavierquintett Es-Dur op. 44 so intensiv interpretierte, dass einige Gäste nach dem Konzert zu mir kamen und meinten, sie hätten weinen können.“ resümiert Festivalintendant Michael Herrmann die Kammerkonzerte auf Schloss Johannisberg.  

Das Rheingau Musik Festival hat seine musikalische Bandbreite in den vergangenen Jahren enorm ausgeweitet und diese Vielseitigkeit spiegelt auch dieser vergangene Sommer wider. Angefangen von großen Sinfoniekonzerten der Spitzenorchester wie der Filarmonica della Scala, der Sächsischen Staatskapelle Dresden, des Rotterdam Philharmonic Orchestra oder der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen reichte sie über die Kammerkonzerte ausgesuchter Ensembles auf Schloss Johannisberg und Chorkonzerte und Kammerorchesterkonzerte in der Basilika und im Kreuzgang von Kloster Eberbach bis hin zu besonderen Konzertformaten: In der Basilika von Kloster Eberbach gaben das Orchestra of the Age of Enlightenment und ein auf historische Tänze spezialisiertes Ensemble rund um den französischen Choreografen Hubert Hazebroucq einen Einblick in das Leben am Hof Ludwig des XIV., das Vokalensemble Voces8 erfüllte die großräumige Kirche der Abtei St. Hildegard mit seinen überirdischen Klängen und mit dem Konzert des Cembalisten Jean Rondeau kehrte das Festival nach einigen Jahren wieder in der Basilika St. Aegidius in Mittelheim zurück.

Über die klassischen Konzerte hinausgehend ließen die Auftritte von Gregory Porter, Till Brönner und Seven den mit jeweils rund 3000 Besuchern gefüllten Wiesbadener Kurpark musikalisch aufblühen. Das Konzert mit Frida Gold und MIKIs Takeover! Ensemble sowie die Clubnight der Jazzrausch Big Band im Schlachthof Wiesbaden schlug die Brücke zu einem jüngeren Publikum. Die Jüngsten kamen auf ihre Kosten beim Familienfest „Rund um den Globus“ und bei den Kinder- und Sitzkissenkonzerten sowie den Aufführungen von Mozarts „Zauberflöte“ durch das Salzburger Marionettentheater.  

Der LOTTO-Förderpreis des Rheingau Musik Festivals wurde dem jungen österreichischen Geiger Emmanuel Tjeknavorian verliehen. Der kanadische Dirigent Yannick Nézet-Séguin wird im Rahmen des Abschlusskonzertes mit dem Rheingau Musik Preis ausgezeichnet.