Machte als Melodramenbegleiterin auf sich aufmerksam: Hanni Liang. Foto: Georg Tedeschi

Machte als Melodramenbegleiterin auf sich aufmerksam: Hanni Liang. Foto: Georg Tedeschi

Ein Füllhorn amerikanischer Musik

Mit einer höchst erfolgreichen Bilanz schließt das Klavier-Festival Ruhr die zwölfwöchige Reihe seiner Konzerte: Zu den 69 Veranstaltungen kamen 57.500 Besucher, davon 17.000 allein zur Nacht der Industriekultur in Bochum und Hattingen. 33 Konzerte waren ausverkauft.

Intendant Franz Xaver Ohnesorg hatte Grund zur Zufriedenheit, als er die in Zahlen zu fassenden Ergebnisse zum diesjährigen Klavier-Festival Ruhr vorstellte: „Mit wunderbaren Musikern haben wir im Rahmen des Schwerpunkts „The Americas“ ein Füllhorn amerikanischer Musik ausgeschüttet und damit unser Publikum erreicht. Das Klavier-Festival Ruhr konnte sich erneut als ein kultureller Leuchtturm der Region profilieren und seine fast 30jährige Erfolgsgeschichte weiter fortschreiben.“

Das Gipfeltreffen der internationalen Pianisten-Elite endete am 20. Juli in Duisburg mit einem umjubelten Rezital von Grigory Sokolov. Zu Beginn des Konzerts zog Dr. Thomas A. Lange, Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Klavier-Festival Ruhr, eine Bilanz der Erfolge des Festivals: „Musik ist nicht nur eine Sache der Eliten, sondern der Kitt, der jede Gesellschaft zusammenhält. Der Schwerpunkt auf amerikanische Musik habe dem Festival „qualitativ neue Türen geöffnet“.

Im Vergleich zum Vorjahr konnte das Festival 5.500 Menschen mehr für die 69 Veranstaltungen zwischen dem 5. Mai und dem 20. Juli 2017 begeistern. Auch die Zahl von 33 ausverkauften Konzerten liegt mit acht über der Zahl von 2016. Als Hauptsponsor 2017 konnte das Klavier-Festival Ruhr die Evonik Industries AG gewinnen. Unter der Schirmherrschaft von Dr. Klaus Engel, ehemaliger Vorsitzender des Vorstands der Evonik Industries AG, war das Klavier-Festival Ruhr auf 36 Podien in 22 Städten der Region zu erleben. Dr. Engel betonte in seinem Grußwort, die Region brauche „solche markanten Aushängeschilder und Erfolgsgeschichten wie die des Klavier-Festivals Ruhr, um für ihre Lebendigkeit und Leistungsfähigkeit zu werben.“ Die Evonik Industries AG hat sich anlässlich ihres 10-jährigen Jubiläums als Hauptsponsor für das Klavier-Festival Ruhr engagiert.

Das Klavier-Festival Ruhr bleibt auch in der Zeit bis zum Start seiner nächsten Saison im April 2018 präsent: Für Freitag, 22. September 2017, 20 Uhr ist es Intendant Franz Xaver Ohnesorg gelungen, einen ganz großen Star der Jazz-Szene für einen Auftritt in Duisburg zu gewinnen. Diana Krall macht mit ihrem Quartett auf ihrer Welttournee in der Mercatorhalle Station und gibt ihr Debüt beim Klavier-Festival Ruhr, für das nur noch wenige Restkarten erhältlich sind.

Am Donnerstag, 5. Oktober 2017, 20 Uhr begrüßt das Klavier-Festival Ruhr den Bariton Michael Daub und den renommierten Liedpianisten Eric Schneider im Anneliese Brost Musikforum Ruhr in Bochum. Auf dem Programm des Konzerts, das als Koproduktion mit dem Anneliese Brost Musikforum Ruhr veranstaltet wird, stehen Lieder von Ludwig van Beethoven und Robert Schumann. Bereits ausverkauft ist das Weihnachtskonzert am Sonntag, 17. Dezember 2017, 17 Uhr auf Schloss Gartrop in Hünxe, bei dem Olga Scheps Werke von Sergej Prokofjew und Peter Tschaikowsky spielt.

Mit Evgeny Kissin und dem Emerson String Quartet startet das Klavier-Festival Ruhr am Dienstag, 23. Januar 2018 in der Philharmonie Essen erstmals mit einem Neujahrskonzert in sein Jubiläumsjahr. Bei seinem vierten Auftritt beim Klavier-Festival Ruhr spielt Kissin gemeinsam mit einem Streichquartett der absoluten Spitzenklasse ein Programm mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Gabriel Fauré und Antonín Dvořák.

2018 kann das Klavier-Festival Ruhr sein 30jähriges Jubiläum feiern. Aus diesem Anlass werden sich ein gutes Dutzend Weltklasse-Künstler zusammenfinden, um ihre Freundschaft und Verbundenheit mit diesem weltweit bedeutendsten Pianistentreffen zu zeigen. In einem Benefizkonzert zugunsten der Stiftung Klavier-Festival Ruhr gestalten sie gemeinsam ein Konzert in der Historischen Stadthalle Wuppertal am Freitag, 9. März 2018, für das es bereits eine Warteliste gibt. Zu diesem Gipfeltreffen haben unter vielen anderen Martha Argerich, Alfred Brendel, Anne-Sophie Mutter, Thomas Quasthoff und Sir András Schiff ihr Kommen zugesagt.

Dank der bewährten Zusammenarbeit mit den Bochumer Symphonikern und ihrem Chefdirigenten Steven Sloane war das weltweit größte Pianistentreffen erstmals mit sechs Konzerten – davon fünf ausverkauft – im neuen Anneliese Brost Musikforum Ruhr in Bochum zu Gast.

Nach dem fulminanten Eröffnungskonzert mit Christina und Michelle Naughton setzten dort die Klavierabende mit dem brasilianischen Grandseigneur Nelson Freire und dem jungen Kanadier Jan Lisiecki und das tief bewegende Debüt des 93jährigen Menahem Pressler künstlerische Höhepunkte. Auf überwältigende Resonanz stieß das Konzert anlässlich des 70. Geburtstags von Gidon Kremer. Mit virtuosem Jazz der Spitzenklasse verwöhnte Denis Matsuev in einem Konzert mit den Bochumer Symphonikern unter Steven Sloane das Publikum.

In Wuppertal war das Klavier-Festival Ruhr in diesem Jahr dank engagierter Sponsoren vor Ort erstmals mit fünf Konzerten vertreten, vier davon in der Historischen Stadthalle. Mit begeistertem Beifall quittierte das Wuppertaler Publikum nicht nur den ausverkauften Schubert-Abend Daniel Barenboims, sondern auch das Konzert von Jean-Yves Thibaudet und des Orchesters der Ludwigsburger Schlossfestspiele unter Leitung von Pietari Inkinen mit Werken von Leonard Bernstein und George Gershwin. Gabriela Montero verwandelte von Zuhörern gewünschte amerikanische Themen in überraschende Improvisationen. Die gute Laune setzte sich fort beim Auftritt von Thomas Quasthoff mit einem Trio in Traumbesetzung: Frank Chastenier (Klavier), Dieter Ilg (Bass) und Wolfgang Haffner (Drums). Im nächsten Jahr wird das Klavier-Festival Ruhr die erfolgreiche Partnerschaft mit der Historischen Stadthalle Wuppertal fortsetzen.

Der Schwerpunkt „The Americas“ hat sich nach den Worten von Intendant Franz Xaver Ohnsorg „außerordentlich bewährt, trotz nicht einfacher Programme.“ Ohnesorg hierzu: „Wir wollten an die humanistischen Werte der Künstler aus Amerika erinnern, etwa von Philip Glass, John Adams, Leonard Bernstein und nicht zuletzt George Gershwin. Sie haben mein Bild von Amerika nachhaltig geprägt. Zudem lohnt es sich, daran zu erinnern, welche ungehobenen Schätze die südamerikanische Klaviermusik birgt, zum Beispiel in den Werken von Alberto Ginastera, Heitor Villa-Lobos oder Astor Piazzolla.“

Zahlreiche Pianisten nahmen Werke nord- und südamerikanischer Komponisten in ihr Programm auf und entwickelten extra für das Klavier-Festival Ruhr eigene Konzertprogramme. Darunter sind Sebastian Knauer, Tamara Stefanovich, Pierre-Laurent Aimard, Joseph Moog und Igor Levit, der in Düsseldorf die Variationen von Frederic Rzewski über das chilenische Freiheitslied The People United Will Never Be Defeated als Statement für Humanität und Freiheitswillen in sein Programm aufgenommen hatte. Ohnesorg: „Dieses Konzert zeigte, wie aktuell ein Programm plötzlich werden kann.“

Höhepunkt der vielfältigen Annäherungen an die amerikanische Musiklandschaft waren die beiden Abende mit Maki Namekawa und Dennis Russell Davies auf Zeche Zollverein. Am zweiten Abend kam der Komponist Philip Glass dazu und gestaltete gemeinsam mit dem Duo ein ausverkauftes, mit Standing Ovations gefeiertes Konzert mit Glass-Werken, darunter das Auftragswerk des Klavier-Festivals Ruhr, das 2008 uraufgeführt wurde und von der Ruhr aus einen Siegeszug durch die Welt angetreten hat: Four Movements for Two Pianos.

Intendant Franz Xaver Ohnesorg zeichnete bei einem Konzert auf Zeche Zollverein Philip Glass, Dennis Russell Davies und Maki Namekawa mit dem Preis des Klavier-Festivals Ruhr 2017 aus. Mit großer Freude betonte er, dass der 80. Geburtstag von Philip Glass – der im Januar in New York begangen wurde – in Deutschland jetzt beim Klavier-Festival Ruhr gefeiert werde. Allen drei Preisträgern dankte er für ihre Hingabe an zeitgenössische Musik und ihre Entdeckerfreude.

Die Förderung des pianistischen Nachwuchses gehört zu den zentralen Anliegen des Klavier-Festivals Ruhr. 2017 verzeichnet die Statistik 14 Debütkonzerte, darunter wieder zwei Auftritte von Siegern in internationalen Wettbewerben in der Reihe „Die Besten der Besten“. In der neuen Spielstätte des Festivals – im Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen –debütierten Nikita Mndoyants, Gewinner der Cleveland International Piano Competition 2016, und Szymon Nehring, der erst kurz zuvor zum Sieger des Arthur Rubinstein Wettbewerbs in Tel Aviv gekürt worden war.

Unter den Debütanten waren der Amerikaner Jeremy Denk, die Pianistinnen Anna Zassimova und Plamena Mangova und der Stipendiat des Klavier-Festivals Ruhr 2016, Lucas Jussen. Intendant Franz Xaver Ohnesorg zu den diesjährigen Debüts: „Zu den Sternstunden bei den diesjährigen Debüt-Konzerten gehören ganz sicher die Rezital-Premiere des 93jährigen Doyens der internationalen Pianistenszene, Menahem Pressler, und tags darauf die Deutschland-Premiere des gerade erst 14jährigen Jazz-Pianisten Joey Alexander mit seinem Trio – beides unvergessliche Abende des Festival-Jahrgangs 2017.“

Zum Profil des Klavier-Festivals Ruhr gehört es, neue Musik in Auftrag zu geben und zu spielen. Im Programm 2017 standen vier Uraufführungen, darunter die lange verschollenen Tag- und Nachtstücke für Orchester und obligates Klavier, die der von den Nazis verfemte Komponist Walter Braunfels in der inneren Emigration am Bodensee geschrieben hat. Michael Korstick spielte dieses bewegende Werk. Als Auftragswerke des Klavier-Festivals Ruhr erklangen in Duisburg ein neuer Beitrag des Komponisten Manfred Trojahn und des Schriftstellers Michael Krüger zur Gattung des Melodrams: 13 Gedichte über „Verpasste Gelegenheiten“, am Klavier begleitet von der charismatischen jungen Hanni Liang. Vassos Nicolaou komponierte im Auftrag des Klavier-Festivals Ruhr ein Werk für Klavier zu vier Händen, uraufgeführt von Tamara Stefanovich und Pierre-Laurent Aimard. Und Martin Stadtfeld widmete sich in einer neuen Spielstätte, dem Pavillon im Skulpturenpark Tony Craggs in Wuppertal, der II. Klaviersonate „Nun danket alle Gott“ des in Bochum lebenden Komponisten Stefan Heucke.

Viele Meisterpianisten unserer Zeit folgten auch 2017 der Einladung zum weltweit wichtigsten Klavier-Ereignis, unter ihnen das Klavierduo Katia und Marielle Labèque, Rafał Blechacz, Rudolf Buchbinder, Khatia Buniatishvili und Radu Lupu. Ein Höhepunkt des Festivals war der Abend mit Sir András Schiff, der nicht nur bei einem kommentierten Konzert in Dortmund mit sehr persönlichen Einsichten die Verbindungen zwischen Johann Sebastian Bach, Béla Bartók, Leoš Janáček und Robert Schumann ausleuchtete, sondern in Haus Fuhr in Essen-Werden sein umfangreiches Wissen in einem Meisterkurs an die junge Generation weitergab. Nahezu ausverkauft war die Philharmonie Essen auch, als Hélène Grimaud gemeinsam mit dem Cellisten Jan Vogler auftrat: Für Klavierfreunde ein absolutes „Must“ waren die beiden Abende in Mülheim, bei denen der finnische Pianist Olli Mustonen, der in diesem Jahr 50 wurde, sämtliche Klaviersonaten von Sergej Prokofjew interpretierte.

Acht Konzerte umfasst die JazzLine des Klavier-Festivals Ruhr 2017. Michel Camilo mit seinem special guest, dem Gitarristen Tomatito, eröffnete sie mit einem ausverkauften Konzert im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen. Gute Bekannte des Festivals sind inzwischen Hilario Durán, der mit Chucho Valdés und der WDR Big Band Köln die Reihe in Essen fortgesetzt hat, und Chilly Gonzales, der in Essen seine Vielseitigkeit unter Beweis stellte. In Duisburg debütierte die charmante Sarah McKenzie mit ihrem Quartett; im Grillo Theater in Essen verzauberte der erst 14jährige Jazzer Joey Alexander die Zuhörer im ausverkauften Saal mit seiner immensen Musikalität.

Wichtige Impulse zur sozialen Integration und zu gelingender Inklusion setzte das Klavier-Festival auch 2017 in seiner seit mehr als zehn Jahren erfolgreichen Education-Arbeit. „Wir setzen auf Kontinuität und Nachhaltigkeit“, so der Leiter der Education-Arbeit, Dr. Tobias Bleek. Die letzten Jahre wurden erfolgreich dazu genutzt, langfristige Kooperationen aufzubauen und die musische Bildungsarbeit immer stärker in den Alltag der beteiligten Einrichtungen und Schulen zu integrieren.

Mit großem Erfolg trägt das Klavier-Festival Ruhr so zur Vernetzung der Schulen im Stadtteil Duisburg-Marxloh bei und ist an den Entwicklungsprozessen der einzelnen Schulen beteiligt. Ein Beispiel ist das Inklusionsprojekt, das im Jahr 2017 bereits zum siebten Mal durchgeführt wurde. Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung begegneten sich und musizierten und tanzten gemeinsam. In diesem Jahr stand Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ im Mittelpunkt der Arbeit, die das ganze Schuljahr andauert und in eine Aufführung mündete, die in diesem Jahr am 10. Juli in der Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg Nord von einem ausverkauften Haus bejubelt wurde. „Die inklusive Arbeit mit Grund-, Förder- und Gymnasialschülern war ein echtes Highlight der Education-Arbeit und ein großartiges Gemeinschaftswerk“ so Dr. Tobias Bleek.

Angesichts des Lehrermangels wird die vom Klavier-Festival Ruhr initiierte Zusammenarbeit zwischen den Schulen in Duisburg-Marxloh immer bedeutender. In Kooperation mit der Folkwang Universität der Künste startet demnächst ein Projekt, bei dem Studierende als Praktikanten nach Marxloh vermittelt werden.

Ein Schwerpunkt der Education-Projekte des Klavier-Festivals Ruhr liegt auf der Förderung von Kindern aus neu zugewanderten Familien, die oft kein oder nur wenig Deutsch sprechen. Im Projekt „Übergänge – Brücken bauen durch Musik und Tanz“ setzten sich rund 400 Kinder und Jugendliche – Grundschüler und Gesamtschüler – kreativ mit der Musik von Igor Strawinsky, vor allem mit dem „Feuervogel“, auseinander und entwickelten zum Teil eigene musikalische Ausdrucksformen. Gearbeitet wurde in den Kunstformen Musik und Tanz. So begegneten sich Kinder und Jugendliche, die in Duisburg geboren sind, mit jugendlichen Zuwanderern vor allem aus Bulgarien und Rumänien, die erst vor wenigen Monaten nach Deutschland gekommen sind. In der gemeinsamen musischen Tätigkeit fanden sie zueinander und erkundeten eine gleichberechtigte Zusammenarbeit.

Das langfristige Engagement des Klavier-Festivals Ruhr in Duisburg wird seit 2011 von der Klöckner & Co SE ermöglicht. Im August 2015 ist die Stiftung Mercator als weiterer wichtiger Partner hinzugekommen, der im Rahmen des Projekts „ÜberGänge – Brücken bauen durch Musik“ die Bildungsarbeit substantiell fördert.

Das Klavier-Festival Ruhr 2018 findet von 19. April bis voraussichtlich Mitte Juli statt. Intendant Franz Xaver Ohnesorg kündigte aus Anlass des 100. Todestages von Claude Debussy einen französischen Schwerpunkt an. Das Frühbucher-Angebot für das Festival 2018 wird ab Mitte November verfügbar sein und rechtzeitig angekündigt.