Publikumstag beim Luzerner Festival 2017. Foto: Stefan Deuber

Publikumstag beim Luzerner Festival 2017. Foto: Stefan Deuber

Ein Sommer der Kindheit

Luzerns Festivalthema ist die Kindheit und äußert sich konkret in kindheitsbezogenen Werken von grossen Komponisten, mit Programmen für junge Konzertbesucher, Wunderkindern und einem erweiterten Angebot für Kinder und Familien.

Das Thema des Luzerner Sommer-Festivals 2018 beleuchtet das Phänomen der Kindheit aus verschiedenen Blickwinkeln. Mit Projekten für die jüngste Generation wird das Publikum von morgen in den Fokus gerückt. So gibt es am 26. August, beim Erlebnistag zum Festivalthema, Konzerte und den Chaplin-Film The Kid mit Live-Musik, aber auch eine Performance zum Mitmachen: «composer in residence» Fritz Hauser greift an diesem Tag die kindliche Praxis des Schraffierens auf und realisiert sein Werk Schraffur mit 300 Mitwirkenden aller Altersklassen.

Bereits zum Auftakt des Festivals stimmt das National Youth Wind Orchestra of Great Britain unter Leitung von Glenn D. Price mit einem Auftritt auf dem Europaplatz auf das Eröffnungskonzert ein. Komponisten wie Georges Bizet, Maurice Ravel oder Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, die sich mit Erinnerungen an die Kindheit auseinandergesetzt haben, stehen ebenfalls im Zentrum des Festivals. Sir Simon Rattle dirigiert Ravels witzige und zugleich unheimliche Oper L’Enfant et les Sortilèges. Und musikpädagogische Werke wie Prokofjews Peter und der Wolf mit der jungen Schauspielerin Anuk Steffen oder Saint Saëns’ Karneval der Tiere mit «artiste étoile» Sol Gabetta erklingen im Rahmen des Sommer-Festivals.

Märchenstoffe dürfen natürlich nicht fehlen, von Prokofjews und Rossinis Aschenputtel bis zu Strawinskys Feuervogel. Beim Thema «Kindheit» liegt es nahe, sich auch dem Phänomen der «Wunderkinder» zu nähern, ob mit Komponisten wie Mozart und Mendelssohn oder Interpreten wie Daniel Barenboim und der 2005 geborenen, englischen Komponistin, Pianistin und Geigerin Alma Deutscher, die beim Festival debütiert.

Bei Lucerne Festival Young wird es 2018 an verschiedenen Konzertorten wie dem Konzertsaal, dem Neubad oder dem Kleintheater bunt und interaktiv. Zusammen mit Superar Suisse wird ein Orchestercamp für Kinder und Jugendliche eingeführt. Der Probenzeit vor Beginn des Festivals folgt ein Auftritt im Konzertsaal des KKL Luzern. Gemeinsam mit dem Teatro Dimitri entsteht das Familienkonzert «Domande – Fragen» nach Jostein Gaarder. Der luxemburgische Regisseur Dan Tanson, «artiste étoile» des Sommers 2018, hat in Luzern bereits mehrere Konzerte inszeniert, darunter die erste Young Performance Produktion «Heroïca», die wieder auf dem Programm steht. Im Sommer 2018 erarbeitet er eine «Senegalliarde» unter anderem mit traditioneller Musik aus dem Senegal. Als Erzähler führt er am Erlebnistag durch Saint-Saëns’ Karneval der Tiere.

Das Lucerne Festival Orchestra geht mit Chefdirigent Riccardo Chailly in den dritten gemeinsamen Sommer und erweitert dabei stetig sein Repertoire. Riccardo Chailly, der 2018 sein 30-jähriges Luzerner Bühnenjubiläum feiert, kombiniert zur Eröffnung und für das Sinfoniekonzert 3 zwei Strawinsky-Werke, das klassizistische Kammerkonzert Dumbarton Oaks und das Märchenballett Der Feuervogel, mit Mozarts Klavierkonzert c-Moll KV 491 – Solist ist Lang Lang. Das zweite Programm ist Ravel gewidmet: mit den Valses nobles et sentimentales, La Valse, der Ersten und Zweiten Suite aus Daphnis et Chloé und dem Boléro. Für das dritte Programm verbindet Chailly Wagners Ouvertüren zu Rienzi und Der fliegende Holländer mit Bruckners Siebter Sinfonie.

Die Konzertreihe «Kosmos Stockhausen» ist eine Hommage an den 2007 verstorbenen Komponisten Karlheinz Stockhausen, der vor neunzig Jahren geboren wurde. Bedeutende Werke Stockhausens stehen 2018 im Mittelpunkt der Lucerne Festival Academy. Die Akademisten erarbeiten zusammen mit Peter Eötvös, Lin Liao, David Fulmer und Gergely Madaras das Orchesterstück mit zwei Tanzmimen Inori und widmen sich gemeinsam mit dem London Symphony Orchestra, Sir Simon Rattle, Matthias Pintscher und Duncan Ward dem Werk Gruppen, das an einem Abend in zwei unterschiedlichen Besetzungen mit Musikern der beiden Orchester aufgeführt wird. Reading Malevich, eine neue Komposition von Peter Eötvös, die im Rahmen der Roche Commissions entstanden ist, gelangt im Konzert des Orchesters der Lucerne Festival Academy mit Principal Conductor Matthias Pintscher zur Uraufführung.

Das Composer Seminar von Wolfgang Rihm, dem Künstlerischen Leiter der Academy, wird weitergeführt. Neben den Programmen mit der Lucerne Festival Academy erklingen von Stockhausen die Klavierstücke I-XI mit Pierre-Laurent Aimard sowie die Werke Kontakte, Stimmung, Mantra, Gesang der Jünglinge, Refrain und Zyklus.  Im Rahmen der Kooperation mit der Ernst von Siemens Musikstiftung und musica viva des Bayerischen Rundfunks werden in einem räsonanz-Stifterkonzert mit dem Chamber Orchestra of Europe, den Lucerne Festival Alumni, Heinz Holliger, Sir András Schiff und dem Cellisten Miklós Perényi Werke von Beethoven, Kurtág, Schönberg und Holliger aufgeführt.  

Zur Luzerner Werkschau von «composer in residence» Fritz Hauser zählen neben Schraffur auch das Stück Klangkörper und zwei Uraufführungen, darunter Rundum. Als Schlagzeuger gestaltet Hauser ein Rezital und das Musiktheater «Trommel mit Mann». Regie führt Barbara Frey. Im Rahmen der Koproduktion mit dem Luzerner Theater stehen in diesem Jahr die Uraufführung der «Oper ohne Text» von Klaus von Heydenaber und die Premiere von Gustav Mahlers Liederzyklus «Kindertotenlieder» auf dem Programm.

Sol Gabetta, die 2004 als Preisträgerin des «Credit Suisse Young Artist Award» ihre internationale Laufbahn bei Lucerne Festival begann, ist im Sommer 2018 als «artiste étoile» mit einem vielfältigen Repertoire zu erleben. Sie spielt mit dem Mahler Chamber Orchestra, den Wiener Philharmonikern und dem London Philharmonic Orchestra Cellokonzerte von Martinů, Haydn und Elgar. Ausserdem gestaltet sie ein Kammermusikprogramm mit Matthias Goerne und Kristian Bezuidenhout sowie das Familienkonzert mit Dan Tanson, Patricia Kopatchinskaja und Solisten des Lucerne Festival Orchestra am Erlebnistag.

Die weltweit renommiertesten Sinfonieorchester sind täglich während des Festivals zu erleben: Die Berliner Philharmoniker stellen sich zu ihrem 60. Luzerner Bühnenjubiläum erstmals mit ihrem künftigen Chefdirigenten Kirill Petrenko vor. Das Chamber Orchestra of Europe gastiert mit Bernard Haitink und Heinz Holliger, die Wiener Philharmoniker mit Franz Welser-Möst und Kian Soltani, dem Preisträger des «Credit Suisse Young Artist Award» sowie das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam mit Daniele Gatti. Sir Simon Rattle kommt erstmals mit dem London Symphony Orchestra an den Vierwaldstättersee. Neben Andris Nelsons und dem Boston Symphony Orchestra kehren das Mahler Chamber Orchestra mit François-Xavier Roth sowie Daniel Barenboim mit dem West-Eastern Divan Orchestra nach Luzern zurück. Omer Meir Wellber dirigiert erstmals das City of Birmingham Symphony Orchestra, Solist ist Gidon Kremer. Ihr 100-jähriges Bestehen feiern das Orchestre de la Suisse Romande, geleitet von Jonathan Nott, und das Rotterdam Philharmonic Orchestra unter der Stabführung von Yannick Nézet-Séguin mit jeweils einem Konzert. Marin Alsop tritt mit dem London Philharmonic Orchestra auf, wieder beim Festival zu erleben sind das Luzerner Sinfonieorchester mit James Gaffigan, die Münchner Philharmoniker mit Valery Gergiev und die St. Petersburger Philharmoniker mit Yuri Temirkanov.

Das Finale gestaltet Cecilia Bartoli als Aschenputtel in einer halbszenischen Aufführung von Rossinis La Cenerentola mit den Musiciens du Prince-Monaco. Zu den Solisten des Sommers zählen unter anderem die Geiger Renaud Capuçon, Lisa Batiashvili, Baiba Skride und Leonidas Kavakos, die Sängerinnen Elsa Dreisig und Magdalena Kožená und die Pianisten Pierre-Laurent Aimard, Yefim Bronfman, Sergej Redkin, Daniil Trifonov, Yuja Wang und Krystian Zimerman. Die Komponistin, Pianistin und Geigerin Alma Deutscher, der Cellist Lionel Martin und der Pianist Dmitry Ishkhanov gelten als «Wunderkinder» und debütieren im «Kindheitssommer» beim Festival in einer eigenen Konzertreihe, die sich diesem Phänomen widmet. Der Geiger Ryū Gotō, die Klarinettistin Anna Hashimoto, der Cellist Sheku Kanneh-Mason sowie der Geiger Paul Huang, der Pianist Dmitry Masleev, der Geiger Sebastian Bohren und das Rolston String Quartet sind in der regulären Debut-Reihe zu erleben.