Das ORF Radio Symphonieorchester Wien. Foto: Thomas Ramstorfer/ORF

Das ORF Radio Symphonieorchester Wien. Foto: Thomas Ramstorfer/ORF

Eine Amerikanerin in Wien

Die US-Dirigentin Marin Alsop wird ab September 2019 die Position der Chefdirigentin des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien übernehmen. Der Vertrag wurde zunächst auf drei Jahre abgeschlossen. Er sieht Konzerte, Opernproduktionen, Tourneen, Rundfunk-, CD- und DVD-Aufnahmen vor.

Marin Alsop gilt weltweit als als eine Orchesterleiterin mit Gestaltungswillen und Leidenschaft, getragen von der tiefen Überzeugung, dass „Musik unser Leben verändern kann“. International wird sie geschätzt für ihre innovativen Programme sowie für ihr Engagement für Publikumsschichten aller Altersgruppen. ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz hat auf Vorschlag von Radiodirektorin Monika Eigensperger und von Orchesterintendant Dr. Christoph Becher Marin Alsop zur neuen Chefdirigentin des RSO Wien ab 1. September 2019 bestellt.

„Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien hat unter Cornelius Meister seine hervorragende Qualität weiterentwickelt und seine nationale und internationale Reputation ausgebaut. Für unser Orchester haben wir daher gezielt nach einer Dirigenten-Persönlichkeit mit internationalem Renommee und großer Erfahrung gesucht und sind sehr glücklich, Marin Alsop für diese Aufgabe gewonnen zu haben. Sie ist eine außergewöhnliche Dirigentin, die die hohe künstlerische Qualität des RSO Wien weiter sichert. Mit ihr an der Spitze des RSO Wien sind der ORF und sein Orchester für die Zukunft gut aufgestellt.“, so Wrabetz.

ORF-Radiodirektorin Monika Eigensperger ergänzt: „Ich freue mich sehr, dass unser Orchester mit Marin Alsop nun erstmals eine Chefdirigentin hat. Marin Alsop geht mit dieser Funktion konsequent ihren Weg weiter und das bewundere ich. Sie hat als erste Frau verschiedene namhafte Orchester dirigiert und war als Chefdirigentin des Baltimore Symphony Orchestra zugleich auch die erste Frau an der Spitze eines großen US-amerikanischen Orchesters. Alsop ist international renommiert und weltweit eine gefragte Dirigentin. Ich freue mich sehr darauf, dass ab 2019 ihre musikalische Handschrift beim RSO hörbar sein wird.“ Marin Alsop selber sagt über ihre neue Aufgabe: „Die Aussicht auf eine Zusammenarbeit mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien empfinde ich als sehr aufregend. Mit diesem Orchester verbindet mich einiges: Sie teilen meine Begeisterung für eine ständige Erweiterung des Repertoires und für den Kontakt mit neuen Publikumsschichten. Es hat mich sehr berührt, dass es die Musikerinnen und Musiker selbst waren, die den Anstoß gaben, mit mir in Kontakt zu treten. Ich freue mich riesig darauf, mit ihnen gemeinsam Musik zu machen.“

Die 61-jährige US-amerikanische Dirigentin folgt dem Deutschen Cornelius Meister. Die erste Zusammenarbeit zwischen Alsop und dem RSO Wien erfolgte 2014 bei einem Konzert mit Werken von Leonard Bernstein und Gustav Mahler. Der nächste gemeinsame Termin ist eine DVD-Einspielung im Herbst 2018, ihre erste Saison als Chefdirigentin beginnt im September 2019 zum 50-Jahr-Jubiläum des Orchesters.

„Die Musikerinnen und Musiker des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien haben 2014 mit Marin Alsop in Wien konzertiert und sich jetzt klar und eindeutig für sie als neue Chefdirigentin ausgesprochen. Mir hat vor allem gefallen, wie ausführlich und leidenschaftlich wir beide uns über die Musik der Gegenwart ausgetauscht haben und welche große Bedeutung für sie Konzerte für Kinder und Jugendliche haben. Ich freue mich, dass sie sich für Wien und unser fantastisches Radio-Symphonieorchester entschieden hat.“, hält Orchesterintendant Dr. Christoph Becher fest.

Im September 2019 wird Marin Alsop ihre Funktion als neue Chefdirigentin des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien antreten. Ihr Vertrag als „Music Director“ des Baltimore Symphony Orchestra (BSO), dem sie seit 2007 vorsteht, wurde zweimal verlängert; der aktuelle Vertrag reicht bis 2021. In Baltimore hat Marin Alsop mehrere Projekte initiiert, darunter „OrchKids“ für sozial benachteiligte Jugendliche, außerdem die BSO Academy und die „Rusty Musicians“ für Hobby-Musiker.

Seit 2012 ist Marin Alsop zudem Chefdirigentin und Künstlerische Leiterin des São Paolo Symphony Orchestra, wo sie sich ebenfalls für abwechslungsreiche Konzertprogramme und Vermittlungsaktivitäten einsetzt. Mit diesem Orchester unternahm sie mehrmals Europa-Tourneen, deren Gastspiele bei den BBC Proms, den Festivals in Edinburgh und Lucerne sowie in Amsterdam, Berlin, Paris, Salzburg und Wien bei Presse und Publikum begeistert aufgenommen wurden.

Nach dem Ende ihres Vertrages in São Paolo 2019 wird sie dort Ehrendirigentin. Marin Alsop dirigiert internationale Orchester wie das London Symphony Orchestra, das London Philharmonic Orchestra, das Royal Philharmonic Orchestra, das Gewandhausorchester Leipzig, das Royal Concertgebouw Orkest, die Filarmonica della Scala und das Orchestre National de France. In den USA dirigiert sie regelmäßig die Orchester von Los Angeles, Philadelphia, Cleveland und Chicago.

Künstlerische Höhepunkte der Saison 2017/18 sind darüber hinaus Gastdirigate beim Budapest Festival Orchester, beim Orchestre de la Suisse Romande und beim Danish National Symphony Orchestra. Marin Alsops Interesse gilt in besonderem Maße der Musik der Gegenwart; sie war 25 Jahre Künstlerische Leiterin des California Cabrillo Festival of Contemporary Music. Als eine der bekanntesten Schülerinnen Leonard Bernsteins kommt ihr eine zentrale Rolle bei den weltweiten Feierlichkeiten anlässlich Bernsteins 100. Geburtstag zu: Sie eröffnet den Bernstein-Schwerpunkt des London Symphony Orchestra, dirigiert „Mass” beim Ravinia Festival, dessen Programme sie 2018 und 2019 kuratiert, und tritt im Southbank Centre auf, wo sie Artist in Residence ist.

Ebenso im Southbank Centre dirigiert sie Beethoven mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment als Teil einer Großbritannien-Tournee. Mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment, mit dem sie regelmäßig zusammen arbeitet, ist sie bei den BBC Proms mit Brahms, Schumann und Verdi auf Originalinstrumenten aufgetreten. Im September 2013 war Marin Alsop die erste Dirigentin, die die BBC‘s Last Night of the Promsgeleitet hat, eine Wiedereinladung für 2015 folgte prompt. Ihre umfangreiche Aufnahmetätigkeit wurde mehrfach mit Gramophone-Preisen ausgezeichnet und enthält u.a. die Symphonien von Brahms, Dvořák und Prokofjew sowie weitere Aufnahmen für Decca, Harmonia Mundi und Sony. Neben zahlreichen Auszeichnungen und Lehrverpflichtungen ist Marin Alsop die einzige Dirigentin, die ein Stipendium der angesehenen MacArthur-Stiftung bekam. Sie ist Ehrenmitglied der Royal Academy of Music und der Royal Philharmonic Society. Seit 2015 leitet sie das Graduate Conducting Program am John Hopkins Peabody Institute. Sie studierte an der Juilliard School und der Yale University, wo ihr 2017 ein Ehrendoktorat verliehen wurde. Ihre Karriere als Dirigentin begann 1989, als sie als erste Frau den Koussevitzky-Dirigentenpreis des Tanglewood Music Center erhielt.