Edita Gruberová bei den Prague Proms 2016. Foto: Martin Malý

Edita Gruberová bei den Prague Proms 2016. Foto: Martin Malý

Eine lange, kluge Karriere

Edita Gruberovà hat sich in den vergangenen 20 Jahren von einer hoch geachteten zu einer tief bewegenden Sängerin entwickelt. Ihr 70. Geburtstag hindert sie nicht daran, weiterzumachen.

Natürtlich waren ihre Zerbinetta und ihre Königin der Nacht unfassbar in ihrer Perfektion und Geschmeidigkeit. Es gibt gerade im Fach, das die junge Gruberová gesungen hat, Karrieren, die sich von dort aus nicht weiterentwickeln. Und auch bei der Slowakin sah es eine Zeit lang so aus. Denn ihre Rosalinde in der Fledermaus oder ihre schweren Mozartrollen wollten auf Platte einfach nicht mehr hergeben, als perfekte Oberfläche.

Und doch galt schon damals: Obwohl sie auch eine unglaubliche Plattenkarriere gemacht hat, entfaltet die Stimme der Edita Gruberová im Raum eine Dimension, die die Mikrofone nicht einfangen, zumindest im Studio nicht. Hier geht unter die Haut, was vor den Lautsprechern nur Bewunderung abnötigt. Obwohl die Gruberová bis heute keine gute Schauspielerin ist, hat sie kraft ihrer ins Körperliche eingewachsenen musikalischen Kompetenz eine Bühnenwirkung entwickelt, die selbst in den gekünstelt mädchenhaften Momenten berührt.

Wenn es ein Geheimnis gibt, das der heutigen Wirkung dieser Sängerin innewohnt, dann ist es vielleicht die Überwindung der Eitelkeit. Und so ist das Nachlassen der gesanglichen Perfektion (eine minimale Einschränkung in Bezug auf das Niveau, auf dem sich diese Jahrhundertsängerin bewegt) eher noch eine Verstärkung für die Glaubhaftigkeit der tragischen Charaktere des Belcanto, denen sich die Slowakin nunmehr ganz verschrieben hat.

Am 23. Dezember dieses Jahres feiert Edita Gruberová ihren 70. Geburtstag. In München ist sie für April 2017 in drei Vorstellungen von Donizettis Roberto Devereux angekündigt. Und für das Jahr darauf sind bereits Galas zum 50-jährigen Bühnenjibiläum geplant.