Biedermann und die Brandstifter in Bremerhaven. Foto: Lukas Noll

Biedermann und die Brandstifter in Bremerhaven. Foto: Lukas Noll

Eine Oper über das Weghören und Wegsehen

Seit Jahrzehnten war "Biedermann und die Brandstifter" nicht mehr so aktuell wie in Zeiten, da Rechtsextremismus und Islamismus in unserer Gesellschaft Fuß gefasst haben. In Bremerhaven gibt es das Drama nun als Oper.

Am 4. Februar 2017 um 19.30 Uhr feiert die Oper «Biedermann und die Brandstifter» von Šimon Voseček nach dem gleichnamigen Stück von Max Frisch als Deutsche Erstaufführung Premiere in Bremerhaven. Realisiert wird die Produktion mit Mitteln des Theaterpreises des Bundes 2015. Neben Katja Bördner (Babette Biedermann), Thomas Burger (Erster Feuerwehrmann), Leo Yeun-Ku Chu (Josef Schmitz), Alice Fuder (Anna) und Vikrant Subramanian (Wilhelm Eisenring) aus dem Musiktheaterensemble des Hauses werden als Gäste Stefan Hahn (Zweiter Feuerwehrmann), Jovan Koščica (Dritter Feuerwehrmann) sowie Clemens Bieber als Gottlieb Biedermann mit dem Philharmonischen Orchester im Großen Haus des Stadttheaters Bremerhaven zu erleben sein.

„Ein Lehrstück ohne Lehre" nannte Max Frisch seine Tragikomödie, die 1958 zu Zeiten des Kalten Krieges in Zürich zur Uraufführung gelangte. Der Haarwasserfabrikant Gottlieb Biedermann stellt sich absichtlich blind gegenüber einer sich zusammenbrauenden Gefahr und deren grausamer Folgen. Obwohl Brandanschläge allgegenwärtig sind, nimmt Herr Biedermann zwei zwielichtige Gestalten in sein Haus auf, die auf seinem Dachboden mit Benzinfässern und Zündschnüren hantieren. Bei einem gemeinsamen Abendessen geben sich die beiden als Brandstifter zu erkennen, doch Gottlieb Biedermann glaubt ihnen nicht. Es kann schließlich nicht sein, was nicht sein darf. Und als Beweis seines Vertrauens händigt Biedermann den Brandstiftern die Streichhölzer aus ...

Šimon Voseček, gebürtiger Prager, zählt zu den profilierten Komponisten der jüngeren Generation in Österreich. Seine spannungsgeladene Oper «Biedermann und die Brandstifter» hat er von 2005 bis 2007 als Student an der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst komponiert und dafür 2008 den Förderpreis des österreichischen Kunstministeriums erhalten. Die Neue Oper Wien brachte das Werk 2013 zur Uraufführung; nach einer weiteren Produktion in London findet die Deutsche Erstaufführung am 4. Februar 2017 nun in Bremerhaven statt.

Regisseur Christian von Götz studierte Regie und Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik und Theater in Wien und an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Er inszenierte u.a. an der Oper Köln, der Hamburgischen Staatsoper, der Komischen Oper Berlin, dem Gärtnerplatztheater München, den Opernhäusern in Lissabon und Odessa und beim Edinburgh International Festival. Seine Inszenierungen wurden bei den Opernwelt-Umfragen mehrfach als „Beste Inszenierung" der Spielzeit nominiert. Am Stadttheater Bremerhaven ist er bereits durch Arbeiten wie «Der Untergang des Hauses Usher», «Der Barbier von Sevilla» sowie «Don Carlos» bekannt.