Elektroakustik zwischen Retro und Experiment

In seiner zweiten Ausgabe macht das Festival KONTAKTE die Akademie der Künste am Standort Hanseatenweg vom 28. September bis zum 1. Oktober als großes Experimentallabor zum Zentrum für elektroakustische Musik.

Konzerte, Klanginstallationen, Künstlergespräche und Workshops mit mehr als 100 Künstlern aus 27 Ländern präsentieren 28 Ur- und Erstaufführungen und stellen die experimentelle Musikszene in den Brennpunkt.

Historischer Programmschwerpunkt von KONTAKTE '17 ist Hermann Scherchens Elektroakustisches Experimentalstudio in Gravesano. Zu den Höhepunkten gehören drei Auftragsproduktionen von Wolfgang Heiniger, Kirsten Reese und José María Sánchez-Verdú, die unter Einbeziehung von Hermann Scherchens rotierender Lautsprecherkugel in zwei Konzerten mit dem Ensemble ascolta und den Neuen Vocalsolisten uraufgeführt werden.

Weiterer Schwerpunkt sind Neuproduktionen elektronischer Klangkunst, die den Schaffensprozess und die Interferenzen von Musik und Forschung als treibende Kräfte aufspüren, mit Werken von José Manuel Berenguer, Christina Kubisch, Hans Peter Kuhn und Gerriet K. Sharma.

Ein besonderer internationaler Gast in diesem Jahr ist das Staatliche Studio für Elektroakustische Musik in Havanna, Kuba, das im Rahmen des Festivals eine neue, vom Goethe-Institut geförderte Koproduktion mit kubanischen Künstlern präsentieren wird.

Neben Eigenproduktionen und Uraufführungen bringt KONTAKTE '17 zeitgenössische Arbeiten von herausragenden Komponisten und Klangkünstlern wie Bernhard Leitner, Olga Neuwirth, Martin Riches und Enno Poppe mit klassischen Werken von Pionieren zusammen, die zu den von Scherchen geförderten Komponisten zählen, wie Luc Ferrari, Luigi Nono und Iannis Xenakis.

Die sehr vitale und vielseitige Musikszene Berlins stellt mit Ensembles wie Berlin PianoPercussion, dem Berliner Lautsprecherorchester oder Les Femmes Savantes neben den internationalen und überregionalen Projekten eine wichtige Säule des Festivals dar. Mit Interventionen im öffentlichen Raum und Klanginstallationen setzt KONTAKTE '17 zudem auf die Berliner Live-Coding Community und das netzwerkbasierte gemeinsame Musizieren, unter anderem mit der Society for Nontrivial Pursuits, und bietet den Workshop „Share control, share Influence“ an, dessen Motto sich das Festival in diesem Jahr gern zu eigen macht.

Die Inauguration eines neuen Kompositionspreises im Zeichen der Deutschen Gesellschaft für Elektroakustische Musik sowie Künstlergespräche und Diskussionsrunden zur diskursiven Vertiefung und Ausarbeitung der programmatischen Themen von KONTAKTE '17 ergänzen das Programm.

Die bewährten Partnerschaften mit der Deutschen Gesellschaft für Elektroakustische Musik, dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD, der Universität der Künste, der Hochschule für Musik Hanns Eisler und der TU Berlin erweitert KONTAKTE '17 in diesem Jahr um neue Mitstreiter wie der Lebenshilfe Berlin und der Berliner Initiative Heroines of Sound.

Begleitet wird das viertägige Veranstaltungsprogramm zudem von einer Vitrinenpräsentation des Scherchen-Musikarchivs der Akademie der Künste, einer großformatigen Arbeit von Luca Frei sowie einer Wandinstallation aus der Serie Das imaginäre Studio von Johanna Diehl, in der sie sich mit dem utopischen und in die Zukunft verweisenden Potential der Apparaturen in den Elektronischen Studios der Nachkriegszeit beschäftigt, darunter Scherchens Nullstrahler.



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