Durch diesen Kassenraum muss, wer in Semper Zwei will. Foto: Klaus Gigga

Durch diesen Kassenraum muss, wer in Semper Zwei will. Foto: Klaus Gigga

Elsas zu magere Hüften

Lohengrin als Eine-Frau-Stück - schließlich hat Lohengrin Elsa sitzen lassen. Das muss die Ärmste erst mal verkraften. Salvatore Sciarrino hat daraus eine unwagnerianische Kammeroper gemacht.

Lohengrin hat Elsa verlassen, noch in der Hochzeitsnacht. Traumatisiert bleibt sie zurück und mäandert zwischen Sehnsucht und Hoffnung, zwischen Erinnerung und Gegenwart, immer auf der Suche nach dem Grund für ihr Verlassensein. Der Avantgarde- Komponist Salvatore Sciarrino hat Anfang der achtziger Jahre eine Kammeroper mit dem Titel »Lohengrin« geschrieben, die sich nicht auf Richard Wagners gleichnamige Oper bezieht, sondern auf die impressionistische Erzählung des Dichters Jules Laforgues aus dem Jahr 1887. Hier geht es um Elsa, die versucht, den Weggang Lohengrins zu begreifen, der sie mit nur einem Satz verschmähte: »Ich verabscheue Eure mageren Hüften«.

Salvatore Sciarrino fasst Elsas psychische Situation, ihre Assoziationen, Rückblenden und Gedanken in ein Klangdrama aus Geräuschen und (neuer) Musik. Die Sänger-Darstellerin der Elsa begibt sich auf eine Erkundung ihres gesamten stimmlichen Ausdruckvermögens – vom Wort über den Laut und das Geräusch – und gleitet dabei von einem psychischen Zustand in den nächsten. Die narrative und musikalische Ebene verweben sich ineinander, wobei ein Klanggemälde entsteht, das Elsas Emotionen und ihre Psyche offenlegt: die Lautgeräusche, die von Elsa kommen, sind immer auch Teil des Orchesters und die Orchesterklänge sind nicht Untermalung, sondern Bestandteil des dramatischen inneren Ringens der Protagonistin. »Unsichtbare Handlung für Solistin, Instrumente und Stimmen« nennt der Komponist sein 1982 in Mailand uraufgeführtes Melodram. Premiere von Salvatore Sciarrinos »Lohengrin« ist am 28. April, um 19 Uhr in Semper Zwei.