Alte Oper Frankfurt. Foto: Moritz Reich

Alte Oper Frankfurt. Foto: Moritz Reich

Emotionale, körperliche Wirkung von Musik

Ein Werk von besonderer klanglicher Wirkung: György Ligetis wegweisende Orchesterkomposition „Atmosphères" gab beim diesjährigen Musikfest der Alten Oper Frankfurt den Bezugspunkt vor.

Auch beim letzten Termin des Musikfests am gestrigen Sonntag stand „Atmosphères" auf dem Programm, als die Bamberger Symphoniker der Einladung in den Großen Saal der Alten Oper folgten. In den beiden Festivalwochen zuvor hatten sich mehr als 20.000 Besucher in insgesamt 44 Veranstaltungen auf das in die Tiefe und in die Breite gehende Programm der Alten Oper eingelassen, das sich ebenso mit der historischen Verwurzelung Ligetis wie auch mit der Wirkung von „Atmosphères" auf die Nachwelt befasste und dabei Verbindungen zu angrenzenden Künsten und Genres suchte.

Gleich mehrfach wurde den Besuchern des Musikfests das Ausgangswerk des Musikfests zu Gehör gebracht. Zu den Höhepunkten zählte dabei die Vorführung von Stanley Kubricks Science-Fiction Klassikers „2001: A Space Odyssey", zu der das hr-Sinfonieorchester unter der Leitung des Filmmusik-Experten Frank Strobel die Originalfilmmusik – darunter Ligetis „Atmosphères" – spielte. Im ausverkauften Großen Saal durfte das Publikum Zeuge werden, wie visionäre Bild- und Tonsprache sich zu einem in Bann ziehenden Gesamtkunstwerk vereinten. Aber auch die Querbezüge zu Werken anderer Komponisten sorgten für außergewöhnliche Konzerterlebnisse.

Pierre-Laurent Aimard bereicherte das Musikfest zunächst mit einem Lecture-Konzert, in dem er den Bogen von Ligeti zu dessen Zeitgenossen Olivier Messiaen spannte – um sich für den folgenden Tag Gewichtiges vorzunehmen: An drei Stationen in der Stadt - im 38. Stock des OpernTurms, im Gesellschaftshaus des Palmengartens und in den Faust-Vogelhallen des Frankfurter Zoos -  führte er Messiaens Klavierzyklus „Catalogue d'Oiseaux" auf und verknüpfte dabei dessen in Tönen abstrahierte Naturerfahrung mit realer Naturanschauung.

Wie in den vergangenen Ausgaben des Musikfests bildeten auch diesmal wieder partizipative Formate einen wichtigen Bestandteil des Festivals. So lagen die allerersten Klänge des Musikfests in den Händen des Publikums, als auf dem Opernplatz unter der Leitung von Titus Engel eine Aufführung von John Cages „Musicircus" mit zahlreichen Ensembles, Profi- und Hobbymusikern realisiert wurde, ein anarchisches Format, das die Teilnehmer und das Publikum begeisterte.

Auch für den Intendanten und Geschäftsführer Dr. Stephan Pauly zählte dieses Klangexperiment zu den starken Momenten des Musikfests: „Es war ein großartiges Musikereignis, das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und das Publikum zu einer großen, fröhlichen Klangwolke vereint hat. Überhaupt war die emotionale, ja bisweilen sogar körperliche Wirkung von Musik eines der spannenden Themen dieses Musikfests. Ich glaube, es ist uns in vielen Konzerten und anderen Veranstaltungsformaten gelungen, dem Publikum ungewöhnliche und bewegende Musikerfahrungen anzubieten."

Möglich, das weiß Stephan Pauly, ist dieses Angebot für das Publikum nur dank tragfähiger Kooperationen mit hiesigen Partnern: „Die Zusammenarbeit mit Partnern wie den Frankfurter Bachkonzerten, der Museums-Gesellschaft, dem hr-Sinfonieorchester, dem Deutschen Filminstitut oder dem Künstlerhaus Mousonturm bilden ein wichtiges Fundament für das Musikfest. Und auch die Konzerte an anderen Spielorten – in diesem Jahr im Mousonturm, im Kaiserdom, im OpernTurm, im Zoo und im Palmengarten – wären nicht möglich ohne das Engagement und die Aufgeschlossenheit unserer Partner für neue Konzertideen. Ihnen allen gilt an dieser Stelle mein ausdrücklicher Dank!"