Grigory Sokolov. Foto: Mary Slepkova/AMC

Grigory Sokolov. Foto: Mary Slepkova/AMC

Endlich: Die neue Sokolov-CD ist da!

Am 15. Januar ist eine der wahrscheinlich wichtigsten Einspielungen des gesamten Jahres 2016 erschienen: Die Deutsche Grammophon hat eine Doppel-CD mit Live-Aufnahmen des unsterblichen Grigory Sokolov veröffentlicht. In der März-Ausgabe des FONO FORUM erscheint eine ausführliche Besprechung.

Gewiss ist die Erwartungshaltung an eine neue CD von Grigory Sokolov auch eine Folge des Verknappungseffektes, den die scheinbare Inkompatibilität dieses Mannes mit den gängigen Marktmechanismen zeitigt. Wenn aber die ersten Töne aus den Lautsprechern kommen, verschwindet jede lauernde Spannung aus dem Unterkiefer, da ist nur noch Staunen, Offenheit, Ehrfurcht.

Es gibt heutzutage viele gute und sehr gute Pianisten, darunter sogar viele junge und schöne. Sokolov wäre wahrscheinlich bei jedem Casting als Coverboy durchgefallen. Seine Langhaartonsur, seine Brahmssche Körperlichkeit, seine gar nicht coole Innigkeit: Dieser Mann hat sich aus einer anderen Zeit zu uns herüber gerettet. Sich gerettet? Nein: Er rettet uns.

Sokolov schenkt uns den Glauben an die Musik neu. Diese Musik, die so unbegreiflich ist wie die menschliche Seele. Diese Musik ist göttlich und menschlich zugleich, sie vereint in verwirrender und beglückender Weise Gegensätze, die nur sie aufzulösen vermag und vor deren Zusammenklang die Sprache verstummt.

Da sich dieses Schweigen aber kein musikjournalistischer Fachkenner leisten kann, werden wieder die Stoppuhren ausgepackt, um Argumente gegen diesen Mann zu sammeln. Es werden die üblichen Vergleiche folgen mit diesem und jenem. Daher gibt es an dieser Stelle eine ganz einfache und ganz eindeutige Hörempfehlung. Trotz Huster, trotz Beifalls, trotz des Schmerzes, dass für uns auch unendliche Schönheit nur ein Gedanke ist, den die Zeit uns raubt.

Grigory Sokolov spielt Schubert (Impromptus D 899, drei Klavierstücke D 946), Beethoven  (Hammerklavier-Sonate), fünf Stücke von Rameau und das Intermezzo op- 117 Nr. 2 von Brahms. Es handelt sich um Live-Aufnahme aus Warschau und Salzburg, die im Jahr 2013 entstanden. Deutsche Grammophon, ab 15. Januar im Handel.