Die Thomaner in Durham. Foto: SINNergy

Die Thomaner in Durham. Foto: SINNergy

Ersehnt von den Lutheranern

Der Thomanerchor kehrt nach einer ausgiebigen Konzertreise durch Nordamerika zurück nach Leipzig und übermittelt einen lebendigen Bericht der Erlebnisse.

„Bravo, Thomanerchor!“ titelte David Ruhf in seinem Konzertbericht für The Bach Choir Bethlehem. „Surely this must have been what it was like to hear a cantata or motet in Bach’s own time, sung with such purity and minimalistic accompaniment”, jubelte The Morning Call. Und The Boston Musical Intelligencer lobte: „Crisp, well-blended voices shaped musical lines adorned with impeccable enunciation. No matter how labyrinthine the counterpoint or extended the harmony, tuning and precision never faltered.” Die Konzertreise des Thomanerchores Leipzig war ein voller Erfolg. Mit Standing Ovations wurden die jungen Sänger unter der Leitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz geehrt und zu zahlreichen Zugaben aufgefordert.

„Ich muss dem Chor meine große Anerkennung und Dankbarkeit aussprechen“, lobte Thomaskantor Gotthold Schwarz. „Die Sänger haben in diesen Tagen ganz große Leistungen vollbracht – trotz des vielen Reisens, des sich Einstellenmüssens auf unterschiedliche Orte, auf Temperaturunterschiede von 20 bis -10 Grad. Ich denke, wir blicken auf eine sehr erfolgreiche Reise zurück. Dafür bin ich dankbar, und die Knaben und Männer dürfen sich sehr freuen.“

Nach 16 Tagen on tour tritt der Thomanerchor seine Heimreise an. Er ist seit dem 6. November 2017 in Nordamerika unterwegs, gastierte in neun Konzertorten: Nach dem Eröffnungskonzert im kanadischen Montreal war er in den USA in Ithaca (New York), Bethlehem (Pennsylvania), Boston (Massachusetts), Durham (North Carolina), Athens (Georgia), Decorah (Iowa), Madison (Wisconsin) und River Forest (Illinois) zu Gast. Aus Anlass des Reformationsjubiläums erklangen Werke mit Bezug zur Reformation und zum Thomanerchor selbst. Im Zentrum des etwa 90-minütigen Programms standen deshalb drei gewichtige Motetten von Johann Sebastian Bach. Außerdem waren Kompositionen von Johann Hermann Schein, Heinrich Schütz und Felix Mendelssohn Bartholdy zu hören.

 „An den Konzertorten, darunter lutherische Universitäten und Kirchen, haben die Menschen sehr bewusst wahrgenommen, was wir an Literatur ausgewählt haben. Die Reformation, so habe ich den Eindruck, hat hier einen ganz festen Platz“, so Thomaskantor Gotthold Schwarz. Das bestätigte auch Geschäftsführer Dr. Stefan Altner: „Mit Werken von Heinrich Schütz, Felix Mendelssohn Bartholdy und vor allem von Johann Sebastian Bach, deren Texte alle auf der lutherischen Übersetzung der Bibel basieren, haben wir wunderbare Musik in die USA gebracht. Und das fällt hier auf sehr, sehr fruchtbaren Boden. Die Menschen sind begeistert, haben sehr viel Wissen um die Reformation. Es gibt eine große Community von Lutheranern und anderen evangelischen Christen, die uns heiß ersehnt erwartet haben.“

Begleitet wurden die 50 Thomaner von Hartmut Becker (Barockcello) und Stefan Altner (Continuo-Orgel). In den Konzertorten, an denen keine Orgelzwischenspiele möglich waren, trugen Solisten des Thomanerchores  zudem Gesänge mit Basso-continuo-Begleitung vor. Für die Zugaben (Bach-Choral „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ BWV 93 und Monteverdi „Cantate Domino“) überließ Thomaskantor Gotthold Schwarz jeweils einem der Präfekten des Chores, Richard Führer und Max Gläser, das Pult, während er selbst mitsang.

Nach 1998, 2000 und 2013 war dies vierte USA-Tournee. „Die Konzertreise ist schon lange vorbereitet worden. Bereits seit unserer letzten Tournee 2013 gab es Anfragen“, blickt Dr. Stefan Altner zurück. „Die amerikanische Konzertagentur war sehr begierig, eine neue Reise zu machen. Dem haben wir gern zugestimmt. Dennoch hat sie auch sehr viel Geld gekostet, etwa 300.000 Dollar insgesamt. Den größten Teil davon spielen wir zwar unterwegs wieder ein, aber ohne die Bezuschussung der Stadt Leipzig wäre diese Reise nicht realisierbar gewesen. Zu danken ist hier insbesondere der Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke, aber auch dem Stadtrat und der Stadtverwaltung für diesen namhaften Betrag.“

Rev. Dr. Robert Moore, der derzeit als Reformationsbotschafter der Stadt Leipzig und Wittenberg agiert, nutzte die Tournee, um die vielfältigen Verbindungen der lutherischen Kirchen zu festigen und für Leipzig – insbesondere das Bachfest Leipzig – zu werben. Auch Martin Hundertmark, Pfarrer der Thomaskirche, war an ausgewählten Konzertorten mit dabei.