Erste deutsche Dreisparten-Intendantin verstorben

Wie das Theater Regensburg mitteilt, ist Marietheres List gestorben, die in den Jahren 1988-2002 Intendantin des Theaters Regensburg war.

Als erste Frau in Deutschland, die Intendantin eines Dreispartenhauses wurde, gelang es Marietheres List in Regensburg, die Sparte Tanz aufzubauen, sie förderte zeitgenössische Musik – insbesondere Kammeropern –, setzte Musicals auf den Spielplan und steht für eine erfolgreiche Sanierung des Hauses am Bismarckplatz (1997-2001), in der das Publikum dem Theater die Treue hielt und anschließend sogar die Ausweichspielstätte Velodrom zum dauerhaften Theater-Ort etabliert werden konnte. Bis zuletzt blieb Marietheres List dem Theater Regensburg verbunden, besuchte Premieren und war als enthusiastische wie kritische Gesprächspartnerin geschätzt.

In einer Theaterfamilie aufgewachsen (Vater Herbert List war Betriebsdirektor an der Bayerischen Staatsoper München, die Mutter Gertrud List Opernsängerin), wollte sie als Kind und Jugendliche erst Tänzerin, dann Sängerin werden. In den Jahren nach dem Abitur absolvierte Marietheres List Praktika in verschiedenen Abteilungen und Werkstätten des Nationaltheaters München. Sie studierte Theaterwissenschaft und Musikgeschichte, war Regiehospitantin, praktizierte in verschiedenen Funktionen beim Fernsehen und bildete sich in drei Fremdsprachen aus. 1975 schließlich der erste große Karriereschritt: Marietheres List wurde Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros der Vereinigten Bühnen Graz. In gleicher Funktion ging es 1977 an die Städtischen Bühnen Nürnberg, 1979 folgte die Leitung des Künstlerischen Betriebsbüros in Stuttgart, am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen war sie von 1983-1985 persönliche Referentin des Intendanten und Chefdisponentin. In Essen schließlich wurde sie 1985 neben ihrer Funktion als Künstlerische Betriebsdirektorin auch stellvertretende Intendantin – diese Position hatte sie auch ab 1986 in Nizza an der Opera de Nice inne, bis sie 1988 schließlich Theaterchefin in Regensburg wurde, wo sie bis 2002 erfolgreich als Intendantin wirkte.