Das Gürzenich Orchester mit Francois-Xavier Roth in der Kölner Philharmonie. Foto: Holger Talinski

Das Gürzenich Orchester mit Francois-Xavier Roth in der Kölner Philharmonie. Foto: Holger Talinski

Erstmals Gürzenich-Konzert mit Regisseur

Die neue Konzertsaison des Gürzenich-Orchesters Köln stellt weltzeugende sinfonische Entwürfe und die Musik Robert Schumanns ins Zentrum.

Auch die vierte Saison des Gürzenich-Kapellmeisters Francois-Xavier Roth ist geprägt von einer schöpferischen Auseinandersetzung mit der Geschichte seines Kölner Orchesters, beginnend im Festkonzert, das die vor 111 Jahren uraufgeführten »Hiller-Variationen« von Max Reger in den Mittelpunkt stellt. Mit Gustav Mahlers Dritter Sinfonie steht eine Ikone der Gürzenich-Historie am Beginn der Abonnement-Saison. Diese Fortsetzung der Mahler-Lektüre Roths erfährt im Februar 2019 mit Aufführungen von Mahlers »Fünfter« auf einer Europatournee einen weiteren Höhepunkt.

Daneben intensiviert das Gürzenich-Orchester in dieser Spielzeit erneut seinen Dialog mit den Komponisten von heute. Den Uraufführungsreigen eröffnet ein Orchesterliederzyklus von Stefano Gervasoni auf der Grundlage von Schumannliedern. Hèctor Parra gestaltet eine Reise durch den Kosmos als raumgreifende Hommage an den jüngst verstorbenen großen Physiker Stephen Hawking. Jean-Frédéric Neuburger schreibt ein Capriccio aus dem Geiste Schumanns. Und schließlich steht mit Philippe Manourys »Lab.Oratorium« der große Abschluss seiner Köln-Trilogie bevor. Dieses abendfüllende Stück wird nicht nur Mahlers Vorstellung, in der Sinfonie »mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt« zu erfinden, mit neuer Bedeutung erfüllen. Erstmals wird das Gürzenich-Orchester in der Philharmonie mit einem Regisseur ein sinfonisches Konzert gemeinsam erarbeiten: Nicolas Stemann und Philippe Manoury erschaffen dieses neue Werk, das auch gegenwärtige gesellschaftliche Themen in den Blick nimmt.

Mit dieser besonderen Premiere von Manoury und Stemann wird das Gürzenich-Orchester in der Elbphilharmonie Hamburg und der Philharmonie de Paris debütieren. »Kaum ein Komponist der Gegenwart beherrscht die Mittel des Orchesters so brilliant wie Philippe Manoury und ich freue mich ungeheuer, dass unsere verwegene Idee, in Köln eine Trilogie von Raummusiken aufzuführen nun mit einer besonderen Zwischenform von Theater und Konzert auf ihren Höhepunkt zusteuert«, so Gürzenich- Kapellmeister Francois-Xavier Roth.

Ein Saison-Schwerpunkt ist Robert Schumann gewidmet. Francois-Xavier Roth wird darin unter anderem Schumanns Solokonzerte mit prominenten Solisten aufführen. Den Auftakt macht im Dezember das Cellokonzert gemeinsam mit Truls Mørk. Im Februar folgt die Geigerin Isabelle Faust, die das Orchester auch auf seiner Tournee nach Turin, Budapest, Zürich und Wien begleiten wird. Im Juni spielt Jean-Frédéric Neuburger Schumanns Klavierkonzert. Die Auseinandersetzung mit Robert Schumann setzt sich auch in den Kammerkonzertreihen des Gürzenich-Orchesters in der Kölner Philharmonie und der Flora Köln fort.

Einen roten Faden durch die Saison bilden außerdem sinfonische Werke, die »den Rahmen sprengen«. Neben Mahlers Dritter und Manourys »Lab.Oratorium« zählt hierzu auch Alexander Skrjabins »Poème de l’Extase«, mit dem Ehrendirigent Dmitrij Kitajenko einen neuen Skrjabin-Zyklus beginnt. Der Erste Gastdirigent Nicholas Collon beschließt die Abonnement-Saison mit der »Alpensinfonie« von Richard Strauss. Mit besonderer Vorfreude blickt das Gürzenich-Orchester auch auf die Rückkehr von James Conlon an das Pult des Orchesters, dreißig Jahre nach seinem ersten Konzert als Gürzenich-Kapellmeister. Auch er lotet die Grenzen der Sinfonik aus mit Dmitrij Schostakowitschs »Leningrader« Sinfonie.

Den gewaltigen Orchesterapparat von Alexander von Zemlinskys »Lyrischer Symphonie« steuert Pablo Gonzáles durch spätromantische Seelenlandschaften. Er kehrt nach seinem erfolgreichen Debüt erstmals zum Gürzenich-Orchester zurück, ebenso wie die amerikanische Senkrechtstarterin Karina Canellakis, die mit Beethoven, Schostakowitsch und Wagner eine »Götterdämmerung« einleitet.

Erstmals wird der Komponist und Dirigent Emilio Pomàrico das Gürzenich-Orchester in einem Programm anlässlich des ACHT BRÜCKEN-Festivals leiten und dabei ein neues Akkordeonkonzert des griechisch- französischen Komponisten Georges Aperghis der Musik Anton Bruckners gegenüberstellen. Der Cellist und Dirigent Philipp von Steinaecker debütiert mit einem Programm, das den Blick auf die Gefühlslage des musikalischen Biedermeier richtet. Zu den internationalen Gaststars, die der Einladung des Gürzenich-Orchesters in die Kölner Philharmonie folgen, zählen prominente Sängerinnen und Sänger wie Tora Augestad, Stephan Genz, Jennifer Holloway, Matthias Klink, Martin Mitterrrutzner, Rinnat Moriah, Sara Mingardo, Michael Nagy, Anna Lucia Richter und Camilla Tilling.

Die Riege der Instrumentalsolisten vervollständigen Nicolas Altstaedt, Teodoro Anzellotti, Xavier de Maistre, Yeol Eum Son, Noa Wildschut, Bonian Tian, Pablo Ferrández und Lawrence Power. Auch bedeutende Chöre bereichern das Programm des Gürzenich-Orchester wieder, darunter das SWR Vokalensemble, die Schola Heidelberg, der WDR Rundfunkchor und die Kölner Domkantorei. Das neue Jahr 2019 steht im Zeichen von Jacques Offenbach und wird vom Gürzenich-Orchester mit einer »Offenbachiade« eröffnet, die der junge Franzose Alexandre Bloch leitet.

Am Karfreitag widmet sich Francois-Xavier Roth erneut der »Johannespassion« von Bach. Ein weiteres Sonderkonzert feiert den 20. Geburtstag des Musikvermittlungsprogramms Ohrenauf!. Der im vergangenen Herbst gekürte erste Preisträger des Deutschen Dirigentenwettbewerbs, Hossein Pishkar, wird zu diesem Anlass das Gürzenich-Orchester leiten und in dem Programm der Frage nachgehen: »Wer hat Gürzi den Ohrwurm geklaut?«.