Bild: Schmitz

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Es begann in Berlin

Das Meisterplakat von 1978 müssen die Kölner weiter in der Mottenkiste lassen. Vielleicht ist es die beste Alternative zu den Spielen des dortigen FC, keine Spieler mehr ins Stadion zu lassen, sondern nur noch Sänger - Weihnachten macht es möglich!

Das Original stammt wohl aus Berlin-Köpenick: Fangesänge ohne Fußball, Ränge und Rasen stattdessen fest in der Hand von Freunden selbst gemachter Musik. In der "Alten Försterei", dem Stadion des Zweitligisten 1. FC Union, singen die Unioner seit 15 Jahren Weihnachtslieder von "Kling Glöckchen" bis "Ihr Kinderlein kommet".

Was seinerzeit als eine Art Geheimtreffen von einigen Mitgliedern eines Fanclubs begann, ist inzwischen zu einem Kult-Event in Berlin geworden, das vom Fernsehen übertragen wird. Obwohl der Eintritt seit ein paar Jahren kostenpflichtig ist, waren die Eintrittskarten diesmal am zweiten Vorverkaufstag schon vergriffen. 28.500 Kehlen freuen sich auf den traditionellen 23. Dezember, auf Kerzenlicht, das Union-Liederheft und strahlende Gesichter von Alt und Jung im singenden, fußballfreien Fußballstadion.

Das Veranstaltungsformat hat bereits viele Ableger gefunden. Kleine Klubs in Berliner Bezirken greifen die Idee auf (10.12. Britz, 11.12. Mariendorf, 17.12. Lankwitz), und auch im Westen der Republik gibt es großformatige Stadionchöre. So werden in Köln stolze 44.000 Menschen zu „Loss mer Weihnachtsleeder singe“ im Rheinenergiestadion erwartet (23.12.), in Aachen (17.12.) wird auf dem Tivoli gesungen, in Gelsenkirchen Auf Schalke (23.12.) und 2017 erstmals auch beim BVB in Dortmund (17.12.). In München lädt der TSV 1860 ins Grünwalder Stadion (2.12.), im Schweinfurter Willy-Sachs-Stadion trifft man sich am 10.12. Der Termin in Dresden ist der 22.12, doch hier im DDV-Stadion hat die Veranstaltung dann doch mehr Konzertcharakter: Wenn der berühmte Kreuzchor singt, sind die Eintrittspreise (und die musikalische Qualität des Dargebotenen) gleich deutlich höher. – Aber wirklich original ist selber singen!