Gruppenfoto Pressetermin, von links nach rechts (Foto: TUP): Prof. Thomas Neuhaus, Folkwang Universität der Künste, Marie Babette Nierenz, Künstlerische Leiterin Philharmonie Essen, Prof. Günter Steinke, Folkwang Universität der Künste, Jolanta Nöl

Gruppenfoto Pressetermin, von links nach rechts (Foto: TUP): Prof. Thomas Neuhaus, Folkwang Universität der Künste, Marie Babette Nierenz, Künstlerische Leiterin Philharmonie Essen, Prof. Günter Steinke, Folkwang Universität der Künste, Jolanta Nölle, Vorstand Stiftung Zollverein, Dr. Ursula Sinnreich, Generalsekretärin Kunststiftung NRW, Berger Bergmann, Geschäftsführer TUP

Essen bietet intellektuell anspruchsvolle Kost

Clubnacht, Kagel-Preis, Schellack-Staub und viele weitere Angebote für musikalische Grenzgänger und alle, die ihnen folgen möchten, gibt es im Herbst in Essen.

Das Festival für Neue Musik NOW! widmet sich in seiner siebten Ausgabe Grenzgängern in der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Vom 18. Oktober bis 5. November 2017, fokussiert auf drei Wochenenden, lädt die Philharmonie Essen gemeinsam mit der Folkwang Universität der Künste, der Stiftung Zollverein und dem Landesmusikrat NRW zu 27 Veranstaltungen ein – darunter 16 Konzerte, zwei Symposien, drei Workshops, eine Klanginstallation, eine Clubnacht und ein Kompositionsprojekt für Jugendliche.

Das Motto „Grenzgänger“ hat verschiedene Facetten: Es geht um Grenzbereiche zwischen klassischer Komposition und Jazzimprovisation, zwischen europäischer und außereuropäischer Musiksprache sowie um das Zusammenwirken von Musik, bewegtem Bild, Video und Tanz. Zehn Uraufführungen gehören ebenso zum Programm wie die deutsche Erstaufführung von Marc-Anthony Turnages Doppel-Violinkonzert „Shadow Walker“ durch Daniel Hope und Vadim Repin sowie das Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra einen Tag nach der Uraufführung in Istanbul. Im Rahmen des Festivals wird außerdem dem dänischen Komponisten und Installationskünstler Simon Steen-Andersen der Mauricio Kagel Musikpreis der Kunststiftung NRW verliehen. Veranstaltungsorte sind neben der Philharmonie Essen die Folkwang Universität der Künste, das UNESCO-Welterbe Zollverein, die Kreuzeskirche und der Club Hotel Shanghai.

Gleich zu Beginn steht mit der deutschen Erstaufführung von „Shadow Walker“ einer der Festival-Höhepunkte auf dem Programm: Daniel Hope, diesjähriger Residenz-Künstler der Philharmonie Essen, und Vadim Repin präsentieren das Doppel-Violinkonzert des britischen Komponisten Mark-Anthony Turnage am 20.10. gemeinsam mit dem Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra einen Tag nach der Istanbuler Uraufführung. Auf eine musikalische Weltreise nimmt das Jugendsinfonieorchester Bochum Kinder ab acht Jahren am nächsten Tag mit: Im Alfried Krupp Saal kommt Mike Svobodas „Once around the World“ in der Orchesterfassung zur Uraufführung (21.10.). Der englische Kontrabassist Barry Guy wurde in diesem Jahr 70 Jahre alt und steht mehrfach im Mittelpunkt: Nach einem Auftritt mit seiner Blue Shroud Band im Salzlager der Kokerei Zollverein (21.10.) gibt die Ikone des europäischen Jazz gemeinsam mit Freunden und Weggefährten ein Geburtstagskonzert im RWE Pavillon (22.10.). Außerdem bietet die Folkwang Universität der Künste am 18. und 19.10. verschiedene Workshops mit Barry Guy und seinen musikalischen Begleitern an. Ein fester NOW!-Bestandteil ist seit Jahren die Clubnacht im Hotel Shanghai – diesmal mit DJ Ata (21.10.). Mit dem Percussion-Ensemble Splash des Landesmusikrats NRW ist am 22.10. im Salzlager ein Ensemble zu Gast, das seit der ersten Ausgabe des Festivals regelmäßig zu erleben ist. Diesmal stellen die jungen Schlagzeuger unter anderem ein neues Stück des amerikanischen Vibrafonisten und Komponisten David Friedman vor.

Die Essener Philharmoniker eröffnen das zweite Festival-Wochenende im Alfried Krupp Saal mit ihrem 3. Sinfoniekonzert der Saison unter der Leitung des österreichischen Komponisten und Dirigenten HK Gruber (26./27.10.). Gespannt sein darf man am 29.10. im Alfried Krupp Saal auf die deutsche Erstaufführung der spektakulären 3D-Filmoper „Sunken Garden“ des niederländischen Komponisten Michel van der Aa. Neben der Amsterdam Sinfonietta wirken erstklassige Solisten mit. Ein umfangreiches Programm bietet an diesem zweiten Wochenende auch die Folkwang Universität der Künste an: Unter dem Titel „Grenzgänger in Musik und Video“ lädt die Hochschule zu einem Kompositionswettbewerb für Video und Elektronik, einem Symposium (28./29.10.) und einem intermedialen Konzert mit den Preisträgern des Wettbewerbs (28.10.) ein.

Ein Jazz-Konzert in der Kreuzeskirche mit der Pianistin Laia Genc und ihrem Trio Liaison Tonique leitet das dritte Wochenende ein (3.11.). Hochkarätig besetzt ist auch das erste Konzert am darauffolgenden Samstag (4.11.): Der Klarinettist und Komponist Jörg Widmann, dem die Philharmonie Essen in dieser Spielzeit ein eigenes Künstlerporträt widmet, leitet das renommierte Ensemble Modern. Auf dem Programm stehen ausschließlich Stücke aus Widmanns Feder, darunter die unterhaltsamen „Dubairischen Tänze“, die er 2008 für das Frankfurter Ensemble komponiert hat. Mit außergewöhnlichen Programmen gehört das JugendZupfOrchester NRW seit vielen Jahren zu den Gästen des Festivals. Diesmal musiziert die Formation im Salzlager der Kokerei Zollverein gemeinsam mit dem Baglama-Ensemble Essen und präsentiert besondere Grenzgänge unter anderem mit einer Bearbeitung von Bachs Klavierkonzert f-Moll (4.11.). Erstmals zu erleben in der Philharmonie ist das in Freiburg beheimatete ensemble recherche (5.11.), das unter anderem die „Study for String Instrument“ des diesjährigen Mauricio Kagel Musikpreisträgers Simon Steen-Anderson spielt (Details zum Musikpreis siehe unten). Den Abschluss bildet diesmal ein facettenreiches Konzert im Alfried Krupp Saal mit dem Kölner Ensemble Musikfabrik sowie verschiedenen Instrumental- und Gesangssolisten (5.11.). Drei Uraufführungen sowie das Werk „Tongue of the Invisible“ der australischen Komponistin Liza Lim versprechen noch einmal vielschichtige musikalische Eindrücke. Begleitet wird dieses dritte Festival-Wochenende am 4. und 5.11. durch eine Klanginstallation mit dem Titel „Der süße Schellack-Staub der Zeit“ von Farhad Ilhagi Hosseini und Matthias Mainz im Foyer der Philharmonie Essen.

Im Rahmen des Festivals NOW! wird in diesem Jahr der Mauricio Kagel Musikpreis 2017 der Kunststiftung NRW verliehen. Er geht an den dänischen, in Berlin lebenden Komponisten und Installationskünstler Simon Steen-Andersen. Die Kunststiftung NRW vergibt den mit 50.000 Euro dotierten Preis alle zwei Jahre an Musikerinnen und Musiker, die im Sinne des großen deutsch-argentinischen Komponisten Mauricio Kagel interdisziplinär arbeiten, nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen suchen und neue Aspekte der Rezeption von Musik ausloten. Der diesjährigen Jury gehörten an: Laura Berman, Hein Mulders, Jonathan Stockhammer und Nike Wagner. Bisherige Preisträger waren Georges Aperghis (2011), Michel van der Aa (2013) und Rebecca Saunders (2015).

Gleich zwei Symposien befassen sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit dem diesjährigen Festivalmotto „Grenzgänger“. Im Kammermusiksaal der Folkwang Universität der Künste diskutieren am 28. und 29.10. Dietrich Hahne, Stefan Heidenreich, Andreas Meyer, Alexander Schubert, Philipp Ludwig Stangl und die Gewinner des zuvor stattfindenden Kompositionswettbewerbs über „Grenzgänger zwischen Musik und Video“. In einem weiteren Symposium im Festsaal der Philharmonie Essen nehmen als Podiumsgäste Michel van der Aa, Mike Svoboda, Christian Fausch und erneut Philipp Ludwig Stangl teil. Die Moderation hat Günter Steinke.