Sonya Yoncheva. Foto: Gregor Hohenberg

Sonya Yoncheva. Foto: Gregor Hohenberg

Fest der schönen Stimmen für Titus

Der Mozart-Zyklus von Dirigent Yannick Nezét-Séguin und Tenor Rolando Villazón geht in die nächste Runde. Baden-Baden führt "La Clemenza die Tito" auf.

Gleich zwei Opern prägen die Baden-Badener Opernfestspiele 2017. Zu Beginn wird am Donnerstag, 6. Juli 2017 um 19 Uhr sowie am Sonntag, 9. Juli 2017 um 17 Uhr Wolfgang Amadeus Mozarts „La Clemenza di Tito“ in zwei konzertanten Aufführungen erklingen. Die „Milde des Titus“ war neben der „Zauberflöte“ die am häufigsten gespielte Mozart-Oper des 19. Jahrhunderts und geriet erst im frühen 20. Jahrhunderts etwas in Vergessenheit. Peter Tschaikowskys Oper „Eugen Onegin“ beschließt die Baden-Badener Sommerfestspiele mit zwei Aufführungen am 20. und 23. Juli 2017.

Mozart und Tschaikowsky? In der Tat ließe sich eine Verbindung zwischen den auf den ersten Blick weit voneinander entfernten Komponisten und Werken herstellen. Der russische Romantiker Tschaikowsky war nämlich ein glühender Mozart-Verehrer, wenngleich er vor allem dessen Oper „Don Giovanni“ heiß und innig liebte. Tschaikowsky nannte Mozart einen „Christus in der Musik“ und studierte dessen gesamtes Werk. Die späte Mozart-Oper „La Clemenza di Tito“ war zu dieser Zeit schon leicht aus der Mode geraten, obwohl der „Großmut“ des Römischen Kaisers Titus unvergessen war. Er begnadigte Aufrührer und verirrte junge Liebende und schuf damit das Vorbild des im Dienste des Volke stehenden Machthabers. Mozart setzte ihm mit „La Clemenza di Tito“ ein musikalisches Denkmal für die Ewigkeit.

Bei den Baden-Badener Sommerfestspielen wird mit dieser Opernproduktion eine Reihe fortgesetzt, die der kanadische Dirigent Yannick Nezét-Séguin und der mexikanische Tenor Rolando Villazón vor einigen Jahren in Deutschlands größtem Opernhaus begonnen hatten. Beide wollten möglichst viele Mozart-Opern neu einstudieren und für ein CD-Projekt der Deutschen Grammophon (Universal) einspielen. Mittlerweile sind die Opern „Don Giovanni“, „Le nozze di Figaro“ und die „Entführung aus dem Serail“ an der Oos produziert worden – mit „La Clemenza di Tito“ wird 2017 eine neue Partitur aufgeschlagen. Zum Ensemble dieser Produktion gehören außerdem die amerikanische Mezzo-Sopranistin Joyce DiDonato, die Sopranistinnen Sonya Yoncheva und Regula Mühlemann sowie Tara Erraught (Annius) und Adam Plachetka (Publius). Es singt der RIAS Kammerchor aus Berlin – das Orchester wird wie zu allen Produktionen dieser „Baden-Baden Gala“ das Chamber Orchestra of Europe sein. Die BBC adelte dieses Ensemble als „das beste Kammerorchester der Welt“. In ihm sind Solisten und wichtige Säulen großer europäischer und Orchester versammelt, um in Projektphasen einem eigenen Klangideal zu folgen.

Schon eine Tradition im Baden-Badener Opernsommer sind die Auftritte des Mariinsky Theaters St. Petersburg. Chefdirigent Valery Gergiev eröffnete 1998 das Festspielhaus mit seinem Dirigat und ist seitdem einer der wichtigsten künstlerischen Partner des Baden-Badener Intendanten Andreas Mölich-Zebhauser. Gemeinsam schufen St. Petersburg und Baden-Baden schon Produktionen wie „Der Ring des Nibelungen“ oder eine Neuinszenierung der Tschaikowsky-Oper „Jolanthe“ mit Anna Netrebko. Regelmäßig zeigt das Mariinsky Theater neue Produktionen wie diese erstmals nach Baden-Baden kommende Inszenierung „Eugen Onegin“.