Benjamin Grosvenor. Foto: Valentin Behringer

Benjamin Grosvenor. Foto: Valentin Behringer

Fingersatz statt Philosophie

Der Pianist Benjamin Grosvenor gab einen Meisterkurs im Forum des Stilwerks Berlin. Sechs hochbegabte junge Musikerinnen und Musiker profitierten von den Erfahrungen des DECCA-Künstlers.

Leonie Wiegel ist mit ihren vierzehn Jahren beinahe ein alter Hase auf der Bühne. Die Erste Preisträgerin des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“ und Preisträgerin der Carl Bechstein Stiftung liebt es, die gebannte Aufmerksamkeit der Zuhörer zu spüren. Doch diesmal stand sie mächtig unter Spannung. Sie spielte Chopins hoch virtuose Revolutionsetüde – und in der ersten Reihe des Forums im Berliner Stilwerk saß Benjamin Grosvenor mit den Noten in der Hand.

Grosvenor zählt zu den wichtigen Pianisten seiner Generation und hat sich als Chopin-Interpret einen Namen gemacht. Doch das Unterrichten ist für den 23-Jährigen noch Neuland. „Das ist eine echte Herausforderung“, betont der britische Pianist, „es ist erst das zweite Mal nach einem Meisterkurs in Paris, das ich das mache. Aber es macht mir großen Spaß“.

Nach den letzten Takten der „Revolutionen“ betrat Grosvenor die Bühne. Nun stand ein Praktiker der jungen Preisträgerin zur Seite, der keine philosophischen Vorträge zu den Komponisten oder Werken hält, sondern Tipps zum richtigen Fingersatz gibt, klangliche Vorstellungen vermittelt, den Sinn für Melodie und Begleitung, für Emotion und Konstruktion schärft, sich immer wieder auch selbst an den Flügel setzt, um seine Sicht auf das Stück zu vermitteln.

Leonie Wiegel ist eine von sechs Gewinnerinnen und Gewinnern der von der Firma Casio organisierten „Talent Days“. In regionalen Vorentscheiden erspielten sich auch Congyi Yao (15), Lea Rau (18), Jacqueline Krebs (13), Anne Priebe (15) und Enrico Noel Czmorek (13) einen der sechs Plätze in der „Casio Piano Masterclass“, die allerdings nicht am Casio Hybrid-Piano, sondern am C. Bechstein Konzertflügel D 282 ausgetragen wurde.

Anspruchsvolle Werke von Chopin, Borkiewicz und Rachmaninow standen auf dem Programm der jungen Leute. Und Enrico Noel Czmorek interpretierte Rachmaninows Moment musicaux in e-Moll op. 16 Nr. 4 so überzeugend, dass er eingeladen wurde, das abendliche Konzert mit Benjamin Grosvenor zu eröffnen. Das private Rezital des Starpianisten mit Werken von Mendelssohn Bartholdy und Ravel rundete die „Casio Piano Masterclass“ ab - und wurde nicht nur für die Teilnehmer des Meisterkurses zum nachdrücklichen Erlebnis. Der Auftakt ist gelungen: Casio plant die „Talent Days“ mit anschließendem Meiserkurs fortzuführen.