Zum 80. Geburtstag von Rautavaara veröffentlichte das FONO FORUM ein einfühlsames Porträt. Foto: FONO FORUM Archiv 10/2008

Zum 80. Geburtstag von Rautavaara veröffentlichte das FONO FORUM ein einfühlsames Porträt. Foto: FONO FORUM Archiv 10/2008

Finnland trauert um Nationalkomponisten

Einojuhani Rautavaara ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Er war der große finnische Nationalkomponist zwischen Jean Sibelius und Kaija Saariaho.

"Von einem Extrempol zum anderen" bewege sich die Musik Rautavaaras, fasste zum 80. Geburtstag des Komponisten Stephan Schwarz im FONO FORUM 10/2008 seine Einschätzung zusammen. Einen Grund dafür liefert Rautavaara gleich selber: "In den 1950er Jahren hatte ich sechs Kompositionslehrer, jeder von ihnen war wichtig und jeder auf seine eigene Weise - weil Lernen nicht vom Lehrenden abhängt, sonder vom Schüler: Entscheidend ist nicht das, was man ihm mitgibt, sondern das, was er aufzunehmen in der Lage ist."

Die Tonsprache erschließe sich von ganz alleine, meint Schwarz. Da mag viel dran sein. Der Tonsprache Rautavaaras haben sich aber auch viele verschlossen. In vielen hierzulande publizierten Sammlungen moderner Komponisten fehlt er. Sein mystischer Tonfall, seine Offenheit für seelische Schwingungen, gar für natürliche Klänge (die Vögel im Cantus Arcticus!) haben ihn verdächtig gemacht.

Ob er religiös sei, fragte Schwarz. Rautavaaras Antwort: "Diese Frage wird mir oft gestellt und ich antworte üblicherweise mit Friedrich Schleiermacher: 'Religiosität ist Sinn und Geschmack für das Unendliche'. Damit ist alles für mich gesagt." Nun ist der Meister der formalen Strenge mit dem Sinn und dem Geschmack für die Bewegungen der Musik hin zum Unendlichen dem Zeitlichen enthoben, auf der Wellenbewegung, die für seine Musik so charakeristisch war.