Pierre-Laurent Aimard. Foto: Marco Borggreve

Pierre-Laurent Aimard. Foto: Marco Borggreve

Früh aufstehen für Messiaens „Catalogue d’Oiseaux“

Naturerfahrung in abstrahierter musikalischer Form: Dieses Thema, das im diesjährigen Musikfest der Alten Oper Frankfurt rund um György Ligetis „Atmosphères“ mitklingt, ist auf besondere Weise präsent im Festivalbeitrag von Pierre-Laurent Aimard am Sonntag, 23. September 2018.

In drei über den Tag verteilten Konzerten wird der französische Pianist den zwischen 1956 und 1958 von Olivier Messiaen komponierten Catalogue d’Oiseaux aufführen, eine Sammlung von 13 Porträts von Vögeln, deren Stimmen wie auch deren Verhalten Messiaen beobachtet und dokumentiert hatte, bevor er sie in die Form eines Klavierzyklus‘ brachte.

Dafür begeben sich Pierre-Laurent Aimard und sein Publikum an unterschiedliche Spielorte, die die Hörerfahrung mit außergewöhnlichen Aussichten in Verbindung setzen und auf diese Weise dem Hörer ein Stück Naturbeobachtung ermöglichen, wie sie für Messiaen zentral war. Zur Morgendämmerung um 6.30 Uhr interpretiert Aimard vier der Vogelporträts im 38. Stock des OpernTurms, dessen Panoramafenster besondere Blicke auf Himmel und Stadtbild ermöglichen – ein Konzert gleichsam aus der Vogelperspektive.

Das zweite Konzert um 11.00 Uhr findet im Gesellschaftshaus des Palmengartens statt, bevor um 17.00 Uhr die Faust-Vogelhallen des Zoos Frankfurt zum Hör- und Schauplatz werden. Pierre-Laurent Aimard, der 2016 bereits bei dem Projekt „One Day in Life“ der Alten Oper mit einem Rezital im Boxring seine Offenheit für außergewöhnliche Konzertformate unter Beweis gestellt hatte, sieht im Konzept der auf verschiedene Stationen verteilten Aufführung des Vogelkatalogs neue Möglichkeiten der Rezeption des Werks. „Ich habe lange damit gewartet, den gesamten ‚Catalogue‘ aufzuführen. Solch ein Werk passt nicht in den gewohnten Rahmen eines Konzerts. ... Ich denke, Messiaen wollte seinen Zuhörern eine ganz neue Erfahrung von Klang im Raum und seinen variierenden Dauern ermöglichen. Weder weiß man im Voraus, wann und wie lange ein Vogel in der Natur singt, noch, aus welcher Distanz man ihn hört. Bei meinen Aufführungen möchte ich dem Publikum vermitteln, wie diese Erfahrungen in der Natur Messiaens Komponieren beeinflusst haben.“

Derlei eingehende Überlegungen zu Musik und ihren Aufführungsmöglichkeiten sind charakteristisch für Pierre-Laurent Aimard, der als einer der Experten für Neuere Musik im Allgemeinen und das Schaffen Messiaens im Besonderen gilt. Einen Einblick in seine ganz persönliche Verbindung zu Messiaen wie auch zum Musikfestkomponisten György Ligeti gibt der französische Pianist am Samstag, 22. September, um 17.00 Uhr in einem Lecture-Konzert im Albert Mangelsdorff Foyer der Alten Oper. Auf dem Programm stehen Ausschnitte aus Messiaens „Catalogue d’Oiseaux“ sowie Klavierwerke von Ligeti.