Rugilė Barzdžiukaitė (links) und beteiligte Künstler. Foto: Volker Beinhorn

Rugilė Barzdžiukaitė (links) und beteiligte Künstler. Foto: Volker Beinhorn

Früher Chor der Sklavinnen, heute der Kassiererinnen

"Einen schönen Tag noch!" ist eine Oper für 10 Kassiererinnen, Supermarktgeräusche und Klavier. Beim Festival "Fast Forward" für junge Regie gewann die Prodution aus Litauen den ersten Platz.

Die litauische Produktion »Einen schönen Tag noch!« von Rugilė Barzdžiukaitė, Vaiva Grainytė und Lina Lapelytė erhält den »Fast Forward«-Preis 2015. Das Künstlertrio hat aus dem alltäglichen Sound im Supermarkt eine minimalistische Oper und konzertante Aufführung für zehn Kassiererinnen gemacht. Der Verkäuferinnen-Chor zeichnet ein Bild der sozialen Landschaft Litauens und setzt sich mit unserer Konsumwelt auseinander.


"›Einen schönen Tag noch! Oper für 10 Kassiererinnen, Supermarktgeräusche und Klavier‹ ist eine Produktion mit sehr eigener Handschrift, extrem konsequent in der Wahl ihrer Mittel. Und dennoch ist es eine uneitle, zurückhaltende Produktion. Sie wirft einen kritischen Blick auf die gegenwärtige Arbeits- und Konsumwelt, aber sie tut dies nicht mit inhaltlich-sprachlichen Argumenten, mit den konventionellen Mitteln der Politik. Sondern sie öffnet einen Raum, in dem die Zuschauer ganz direkt, ganz unmittelbar eine Erfahrung machen. Wenn die Zuschauer diesen Raum verlassen, hat sich ihr Blick auf Kassiererinnen verändert. Die Produktion gibt ihnen ihre Würde zurück", so die Festival-Jury in ihrer Begründung.


Zur Jury gehörten in diesem Jahr Tobias Becker, Kulturredakteur des Spiegel, Martine Dennewald, künstlerische Leiterin des Festivals "Theaterformen", der polnische Regisseur Wojtek Klemm und der Braunschweiger Generalintendant Joachim Klement. Der Preis besteht in einer Regiearbeit am Staatstheater Braunschweig. Mit der Preisverleihung endete "Fast Forward", das europäische Festival für junge Regie. Vier Tage und Nächte war das Publikum zu Theater, Diskussionen und Party ins Staatstheater Braunschweig eingeladen. Die fünfte Ausgabe des Festivals wurde erneut von Barbara Engelhardt kuratiert.