Früherer Musikchef des hr ist tot

Der langjährige ehemalige Musikchef des Hessischen Rundfunks (hr), Dr. Leo Karl Gerhartz, ist in Frankfurt im Alter von 79 Jahren gestorben. Über 30 Jahre lang war er dem hr in verantwortlichen Positionen verbunden.

 „Leo Karl Gerhartz war ein leidenschaftlicher und mutiger Programmmacher, ein wacher Geist und kreativer Kopf. Mit seiner Offenheit für Neues ermöglichte er zahlreiche innovative und experimentelle Sendungen“, würdigte hr-Hörfunkdirektor Dr. Heinz Sommer den Musikwissenschaftler, ausgewiesenen Verdi-Experten und leidenschaftlichen Verfechter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Mitte 1999 war Leo Karl Gerhartz in den Ruhestand gegangen.

1969 kam Gerhartz zum Hessischen Rundfunk – zunächst als Musikredakteur, ab 1973 dann als Abteilungsleiter Programm E-Musik. 1988 übernahm er die Leitung der Hauptabteilung Musik, dem späteren Programmbereich Musik. Sein Verantwortungsbereich umfasste sowohl die Klangkörper als auch die Musikprogramme der Hörfunkwellen. Von 1991 bis 2003 prägte er als Künstlerischer Leiter die Kasseler Musiktage. Im Jahr 2003 wurde er für seine vielfältigen Verdienste mit der Goethe-Plakette des Landes Hessen ausgezeichnet. Formate wie „Blickpunkt Musik“ und „Musik im Kreuzverhör“, die er auch moderierte, gehen auf seine Ideen und Impulse zurück. Radio musste nach seinem Verständnis immer lebendig sein. Legendär sind seine Live-Kommentierungen unmittelbar nach Übertragungen aus Bayreuth.

In die Amtszeit von Leo Karl Gerhartz als Musikchef fällt die Zusammenführung des Sinfonieorchesters und des Rundfunkorchesters, eine große integrative Herausforderung. Mit der Verpflichtung von Dmitrij Kitajenko und Hugh Wolff als Chefdirigenten stellte er maßgeblich die Weichen für die künstlerische Entwicklung des hr-Sinfonieorchesters.

Gerhartz war nicht nur immer offen für Kooperationen, sondern oft auch der Initiator und Motor, wie beispielsweise 1995 bei der Hundertjahrfeier von Paul Hindemith in Frankfurt. Auf europäischer Ebene koordinierte er das Euroradio-Projekt „The Music of our Century“ über drei Spielzeiten.