Der Münchner Bachchor im Jahr 35 nach Karl Richter. Foto: Thomas Dashuber

Der Münchner Bachchor im Jahr 35 nach Karl Richter. Foto: Thomas Dashuber

Generalprobe im Schatten des schiefen Turms

Der Münchener Bach-Chor unter der Leitung von Hansjörg Albrecht startet mit einer Premiere in die Saison 2016/17. Für das Ensemble, das den „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy mehrmals gesungen hat, ist die Aufführung seines „Paulus“ eine mit Spannung erwartete Erstaufführung am Donnerstag, 29. September 2016, 19.30 Uhr im Prinzregententheater.

Felix Mendelssohn Bartholdy war erst 27 Jahre alt, als er am 22. Mai 1836 in Düsseldorf die Uraufführung seines ersten Oratoriums dirigierte. „Paulus“ entstand zwischen 1834 und 1836, der Text basiert auf der Apostelgeschichte und erzählt die Wandlung des Saulus zum einflussreichen christlichen Missionar Paulus. Tenor und Sopran, manchmal auch der Chor, bringen die Handlung voran. Zu Lebzeiten Mendelssohns war „Paulus“ eindeutig dessen beliebtestes Werk mit allein 50 Aufführungen in den eineinhalb Jahren nach der Uraufführung, und das in vielen Ländern Europas und in den USA. 1837 dirigierte der Komponist das Werk auf dem Birmingham Musical Festival. Publikum und Kritik befanden, „Paulus“ sei ein würdiger Nachfolger der Händelschen Oratorien. Sogar Richard Wagner schrieb Lobeshymnen auf das Werk, was ihn nicht hinderte, später dessen Komponisten mit antisemitischen Parolen zu diffamieren. Robert Schumann nannte „Paulus“ eine „Schöpfung des Friedens und der Liebe“. Solisten des Abends sind Katharina Persicke, Sopran, Marie Henriette Reinhold, Alt, Michael Feyfar, Tenor und Thilo Dahlmann, Bass.

Bereits am 24. September 2016 wird der Münchener Bach-Chor unter Hansjörg Albrecht in gleicher Besetzung „Paulus“ beim Festival Anima Mundi im Dom zu Pisa aufführen.

Am 1. September 2016 erinnert Hansjörg Albrecht, der Nachnachfolger von Karl Richter als Künstlerischer Leiter des Münchener Bach-Chors und Bach-Orchesters, mit seinem Orgelkonzert daran, dass der Gründer beider Ensembles und langjährige Organist und Kantor an St. Markus vor 35 Jahren - am 15.02.1981 - in München gestorben ist. Die Bedeutung Richters für die Bach-Pflege in München kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Mit seinem Chor und dem Orchester war er zwischen 1951 und 1981 für den Ruf Münchens als Bach-Stadt der prägende Künstler. Bachs „Goldberg-Variationen“ spielten in Karl Richter Repertoire eine zentrale Rolle. Er hat sie zweimal eingespielt und sehr viel in Konzerten auf dem Cembalo aufgeführt. Hansjörg Albrecht spielt seine eigene Bearbeitung für Orgel und davor Bachs „Präludium und Fuge C-Dur“. Der Eintritt ist frei.