Georges Prêtre ist tot

Georges Prêtre war einer der feinsinnigsten Pultstars der vergangenen Jahrzehnte. Nun ist der Franzose im Alter von 92 Jahren verstorben.

"Die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien trauert um ihr Ehrenmitglied M° Georges Prêtre, welcher heute, am 4. Jänner 2017, im 93. Lebensjahr von uns gegangen ist." So steht es auf der Seite der Gesellschaft der Musikfreunde Wien im Internet, deren Ehrenmitglied der Franzose war. Und es trauern viele weitere Musikfreunde rund um den Globus.

"Die" Aufnahme Prêtres wird vermutlich die Gesamtaufnahme von Bizets Carmen mit Maria Callas bleiben. Auch seine La Traviata mit Montserrat Caballé und Carlo Bergonzi zählt zu den bedeutenden Einspielungen des Dirigenten.

Aber auch seine Neujahrskonzerte aus Wien und viele Aufnahmen mit französischer Orchestermusik werden bleiben, etwa die Symphonie fantastique mit dem Boston Symphony Orchestra aus dem Jahr 1969. 

Im Herbst 2016 ist bei Erato eine Box mt 17 CDs erschienen, "The Symphonic Recordings" genannt. Prêtre leitet darauf das Orchestre de la Société des Concerts du Conservatoire, das Orchestre de la Société des Concerts du Conservatoire, das New Philharmonia Orchestra, das Philharmonia Orchestra und das Royal Philharmonic Orchestra. Diese Zusammenstellung ist keineswegs vollständig, aber doch ein gutes Kompendium. Prêtres Kunst umfasste aber auch die Oper.

Prêtres Karriere war reich an äußeren Höhepunkten, die Zusammenarbeit mit der Callas oder das Dirigat zur Wiedereröffnung der Met zählen dazu. Der Franzose war aber keiner, der sich als Pultstar gerierte, sondern der sehr genau in die Orchester hineinhörte und sie andererseits dafür sensibilisierte, sich selber gut zuzuhören, um feinsinnig zu musizieren. So taucht Prêtre in manchem Buch über große Dirigenten nicht auf. Seinen Platz in der Interpretations- und Aufnahmegeschichte ficht das aber nicht. 

Viele Wiederbegegnungen mit Prêtre gibt es (in bescheidenerer Tonqualität) auch auf Youtube. Da kann man ihn dann auch als Mahler-Interpreten erleben, mit Beethoven - und sehr bewegend - in den Standing Ovations nach seinem letzten Auftritt im Oktober mit den Wiener Symphonikern. Mit Georges Prêtre hat ein großer Musiker unsere Welt verlassen.