Gerd Grochowski. Foto: Diemut Schilling

Gerd Grochowski. Foto: Diemut Schilling

Gerd Grochowski ist tot

Er war Sänger des Jahres 2005, er hat an der Metropolitan Opera in New York gesungen, an der Scala, im vergangenen Jahr debütierte er in Bayreuth. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens ist Gerd Grochowski jetzt gestorben.

Seine Stimme war stark, zäh und voll von unterschwelliger Emotion. Und dabei sang Gerd Grochowski, Jahrgang 1955, prägnant und wortverständlich, ein Heldenbariton mit Charakter. Nun ist er offenbar völlig überraschend gestorben. Sein Stammhaus, das Staatstheater in Wiesbaden, hat ihm auf seiner Internetseite einen bewegenden Nachruf gewidmet:

"In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von dem großen Sänger und unserem wahren Freund Gerd Grochowski. Am 15. Januar 2017 hat er nach einer beglückenden Probenphase die Premiere der »Walküre« gesungen und als Wotan Ovationen geerntet. Am 16. Januar rief er wegen starker Schmerzen im Herzbereich den Notarzt und ist in Mainz, trotz aller Versuche der behandelnden Ärzte, um 15:09 Uhr verstorben. Seine letzten Worte auf der Bühne waren:

 

»Nur eines will ich noch, das Ende:

...

In den Trümmern der eigenen Welt
Meine ewige Trauer zu enden«
»Leb' wohl, du kühnes,
herrliches Kind!
Du meines Herzens
heiligster Stolz!
Leb' wohl! Leb' wohl! Leb' wohl!
Der Augen leuchtendes Paar,
das oft ich lächelnd gekost,

....

zum letztenmal
letz' es mich heut'
mit des Lebewohles
letztem Kuss!«

Viele waren tief berührt, ohne dass sie wussten,
dass es wirklich die letzten gesungenen Worte von Gerd Grochowski waren.
Alle, die mit ihm arbeiten und leben durften, waren begeistert von seiner Güte, Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, von seinem ehrlichen Ringen um den wahren
und tiefen Ausdruck von Kunst, die sich dem Leben verschrieben hat.

Er konnte lachen, nicht zuletzt über sich selbst.
Er konnte zornig sein, nicht zuletzt über die Ungerechtigkeit
und die Dummheit in der Welt.
Er konnte sich begeistern an den Meisterwerken des Geistes und der Kunst.
Er konnte lieben und diese Liebe weitergeben.

Er hat diese Flamme getragen und mit unserer verbunden.
Wir werden dieses Feuer weitertragen.
Es wird nicht verlöschen."

Quelle: http://www.staatstheater-wiesbaden.de/aktuelles/meldung-384/