Lübeck spielt Bernsteins Mass, hier das Bühnenbild-Modell mit der Kirche St. Marien Lübeck. Foto: Stefan Rieckhoff

Lübeck spielt Bernsteins Mass, hier das Bühnenbild-Modell mit der Kirche St. Marien Lübeck. Foto: Stefan Rieckhoff

Glauben und Zweifeln - Bernsteins Mass

Das selten aufgeführte Theaterstück Mass von Leonard Bernstein für Sänger, Spieler und Tänzer nach der römisch-katholischen Messliturgie ist zum Reformationsjahr 2017 im Lübecker Opernhaus zu erleben.

Zum Reformationsjahr 2017 verwandelt sich auch das Große Haus des Theaters Lübeck in einen imaginären Kirchenraum: Am 17. März 2017 findet um 19.30 Uhr die Premiere eines exzeptionellen und überaus selten aufgeführten Werkes statt, das in ungewöhnlicher Weise die Themen Glauben, Zweifel, Hoffnung und Versöhnung thematisiert: Mass von Leonard Bernstein. 

Seine Uraufführung 1971 stellte einen Höhepunkt in Leonard Bernsteins Komponistenkarriere dar. Geschrieben wurde das »Theaterstück für Sänger, Spieler und Tänzer« zur Eröffnung des Kennedy Centers in Washington, das als nationales Kulturzentrum Symbol und Ort der darstellenden Künste sein sollte – nach vieljähriger Planungszeit endlich realisiert und mit einer triumphalen Aufführung von Mass vor der versammelten High Society der USA eröffnet. Dabei war es eigentlich Bernsteins persönlichstes Werk, das – vor dem Hintergrund von Friedensbewegung gegen den Vietnamkrieg und Bürgerrechtsbestrebungen gegen imperialistische und autoritäre Machtkonzentration – gerade für diesen Anlass höchster öffentlicher Aufmerksamkeit entstand.

Man feiert eine Messe nach katholischem Ritus. Doch im Laufe der zwischen Schuldbekenntnis, Credo und Agnus Dei immer wieder von Einwürfen unterbrochenen Liturgie machen der zelebrierende Priester und seine Gemeinde eine tiefe Glaubenskrise durch. Angesichts von menschlichem Leid, Ungerechtigkeit und Grausamkeit scheint ein uneingeschränkter Glaube an einen allmächtigen Gott nicht mehr möglich. Und doch: Zeugt das Ringen und Hadern mit jenem Gott nicht schon von einer viel tieferen Religiosität, als gläubiges Bejahen sämtlicher Dogmen? Und lässt sich die Einsamkeit des Zweifels in dem gemeinschaftlichen Mess-Erlebnis überwinden?

Das Theater Lübeck stellt sich der Herausforderung, das Werk in seiner Originalfassung szenisch auf die Bühne zu bringen. Es werden neben Gastsolisten aus den Bereichen Blues, Rock, Musical und Ballett, Mitgliedern des Opernensembles und des Internationalen Opernelitestudios, Chor und Extrachor des Theater Lübeck, Kinderchor Vocalino des Theater Lübeck und der Musik- und Kunstschule Lübeck auch Mitglieder des Nordelbischen Knabenchores sowie des Phemios-Kammerchores mitwirken. Allen voran durchlebt Gerard Quinn in der Partie des Celebrants die Höhen und Tiefen dieser »Suche nach dem Heiligen Geist«. Zusammen mit dem Philharmonischen Orchester der Hansestadt Lübeck werden Bands der Musikhochschule Lübeck unter der Musikalischen Leitung des Ersten Kapellmeisters und Stellvertretenden GMD Andreas Wolf musikalisch und szenisch zu erleben sein. Andreas Wolf arbeitet zusammen mit dem Tom Ryser, Regie, und Lillian Stillwell, Choreographie, die bereits mit »The Fairy Queen« am Theater Lübeck für Begeisterung gesorgt haben.