Eindruck von den Opernfestspielen Heidenheim. Foto: Oliver Vogel

Eindruck von den Opernfestspielen Heidenheim. Foto: Oliver Vogel

Glück bei den Opernfestspielen Heidenheim

OH! sagt das Logo der Opernfestspiele Heidenheim. Das passt. Glück ist ein schönes Motto für einen Festivalsommer. Doch es ist nicht dem Glück allein zu verdanken, dass Heidenheim zu den wichtigsten Festivalstädten Deutschlands gehört.

Natürlich gibt es „glückliche“ Rahmenbedingungen: das Schloss Hellenstein hoch über der Stadt, dessen Rittersaal-Ruine eine wunderschöne Open-Air-Kulisse bietet; die lokalen Großunternehmen wie Voith, Zeiss und Hartmann, die die Festspiele freigiebig fördern; die schöne Landschaft ringsum. Und natürlich ist es ein Glücksfall, dass der umtriebige Dirigent Marcus Bosch aus Heidenheim stammt, sodass es nahe lag, ihm 2010 die Festivalleitung anzutragen. Dass die Festspiele dort stehen, wo sie stehen, ist vor allem das Ergebnis klarer Ziele, guter Ideen und kluger Umsetzung.

So eröffnete man 2009 nahe dem Schloss ein Festspielhaus, das eine hervorragende Akustik hat und in das man bei schlechtem Wetter die Open-Air-Bühnenbilder eins zu eins übertragen kann. Hier findet auch die jeweils zweite szenische Produktion statt – bei der das 2011 gegründete Festivalorchester zum Einsatz kommt: die Capella Aquileia, nach der römischen Vorgängersiedlung Heidenheims benannt und in kleiner romantischer Besetzung mit Solisten verschiedener deutscher Sinfonie- und Opernorchester gespickt. Sie gibt dem Festival ein besonderes Gesicht und eine spezielle Qualität.

Die Open-Air-Produktion bestreiten die Stuttgarter Philharmoniker, die sich hier einmal im Jahr als Opern­orchester austoben können. Und als Chor ist einer der besten Konzertchöre Europas zu erleben: der Philharmonische Chor Brünn. Auch dessen Mitgliedern merkt man die Spielfreude an. Seit 2010 haben sich die Zuschauerzahlen auf fast 20.000 pro Jahr verdoppelt und der Umsatz verdreifacht, und während sich woanders die Stadtväter zufrieden zurückgelehnt hätten, hat man in Heidenheim die Zuschüsse ebenfalls verdoppelt.

Was den Festspielen wiederum neue Möglichkeiten eröffnet: wirklich erstklassige Sänger zu verpflichten und neue Formate weiterzuentwickeln, etwa die „Schlossbergtafel“ im Grünen, Educationprojekte, Jazzprogramme und Konzerte in verschiedenen Spielstätten, in diesem Jahr u. a. mit Lise de la Salle und dem SWR Vokalensemble. Im Schlosshof steht 2019 zum ersten Mal (seit der Festivalgründung 1964) eine russische Oper auf dem Programm: Tschaikows­kys „Pique Dame“ (Regie Tobias Heyder), im Festspielhaus wird die Reihe der frühen Verdi-Opern mit „Ernani“ fortgesetzt, die Bosch sicherlich wieder belcantisch schlank und fein musizieren lassen wird, und Besuchern ab fünf Jahren wird ein neues Werk nach den Brüdern Grimm geboten, „Gold!“.

Der Aufschwung der Festspiele ist aber auch ihrer ungewöhnlichen Anbindung an die Stadtverwaltung zu verdanken: Sie sind ein „Regiebetrieb“, Geschäftsführer ist in Personalunion der Kulturamtsleiter Matthias Jochner, ein Flötist und ehemaliger Musikschulleiter, der selbst in der Cappella Aquileia mitspielt. Markus Bosch freut sich, dass er hier die Dinge „wirklich von A bis Z durchdenken kann und keine Kompromisse machen muss. Im Theaterbetrieb bleibt so viel Qualität auf der Strecke – das ist hier, bei dem Engagement aller Beteiligten, ganz anders.“ Das merkt man als Besucher.