Sofia Gubaidulina. Foto: Matthias Creutziger

Sofia Gubaidulina. Foto: Matthias Creutziger

Gubaidulina, Gubaidulina und noch mal Gubaidulina

So intensiv wie in dieser Spielzeit hat sich die Sächsische Staatskapelle Dresden in der Vergangenheit noch nie mit dem Oeuvre eines ihrer Capell-Compositeure auseinandergesetzt. Gleich 17 Werke von Sofia Gubaidulina stehen in der aktuellen Spielzeit auf dem Programm.

Im 8. Symphoniekonzert der Staatskapelle gelangt(e) am 2., 3. und 4. März unter der Leitung von Donald Runnicles Gubaidulinas Werk »Fachwerk« für Bajan (eine russische Variante des Knopfakkordeons), Schlagzeug und Streichorchester zur Aufführung. Gubaidulina ließ sich zu diesem dramatischen und zugleich geheimnisvollen Werk von ihrer Begeisterung für das architektonische Phänomen der Fachwerkbauweise inspirieren, die nichts verdeckt, sondern ihre Struktur vielmehr offenlegt. Gewidmet hat die Komponistin ihr Werk dem Bajan-Virtuosen Geir Draugsvoll, mit dem Gubaidulina schon seit Jahren eng zusammenarbeitet und der auch in Dresden den Solopart übernehmen wird. Donald Runnicles dirigiert im 8. Symphoniekonzert darüber hinaus drei Werke aus seiner britischen Heimat: die »Four Sea Interludes« op. 33a aus »Peter Grimes« von Benjamin Britten, die Fantasie auf ein Thema von Thomas Tallis von Ralph Vaughan Williams sowie Edward Elgars Konzert-Ouvertüre »In the South« (Alassio).

Zehn Kammermusikwerke Gubaidulinas erklingen schließlich am Samstag, den 4. März 2017, ab 17 Uhr im Porträtkonzert der Capell-Compositrice in der Schlosskapelle des Dresdner Residenzschlosses. Dieses Konzertformat ist für die Staatskapelle eine Premiere und entsprang einer Initiative aus den Reihen des Orchesters Ziel des Porträtkonzerts ist es, die unterschiedlichen Stationen einer Komponistenvita besser kennenzulernen, die Entwicklung einer musikalischen Sprache zu veranschaulichen, Querverweise zu Inspirationsquellen zu schaffen und vor allem das Publikum an diesem Prozess teilhaben zu lassen. Das erste Konzert in diesem neuen Format, das von der Kammermusik der Staatskapelle organisiert wird, hat zwei Pausen, in denen die Zuhörer die Komponistin und Musiker der Staatskapelle im Gespräch erleben können.

»In unserem musikalischen Porträt von Sofia Gubaidulina geht es uns darum, ihr Wirken in drei Stationen vorzustellen«, erklärt Kapelldramaturg Tobias Niederschlag. Der Abend ist so aufgebaut, dass Gubaidulinas kompositorische Wurzeln in den 60er Jahren, ihre Inspirationsquellen und ihr heutiges Schaffen zu hören sein werden. Für Niederschlag gehört es zum Selbstverständnis der Kapelle, diese Momente, in denen Musikgeschichte der Gegenwart greifbar wird, mit dem Publikum zu teilen. »Gerade wenn es um Neue Musik geht, ist es wichtig, sie nicht nur in den Raum zu stellen, sondern sie gemeinsam mit der Komponistin und dem Publikum zu erobern – so wird Musik tatsächlich erlebbar.«