Albert Mangelsdorff im Jahr 1986. Bild: hr/Urban Kirchberg

Albert Mangelsdorff im Jahr 1986. Bild: hr/Urban Kirchberg

Heimat, Blech und starke Frauen

Zeitgenössischen Jazz präsentiert die 49. Ausgabe des Deutschen Jazzfestivals Frankfurt. In Zeiten inflationären Gebrauchs des Begriffs „Heimat" verbinden aktuelle Projekte junger Musikerinnen und Musiker die Suche nach der eigenen kulturellen Identität mit einer weltoffenen Haltung.

Erneut ist das Jazzfestival Frankfurt an verschiedenen Spielorten zu Hause: am 22. und vom 25. bis 28. Oktober in der Alten Oper Frankfurt, im hr-Sendesaal und im Künstlerhaus Mousonturm. Am Samstag gibt es außerdem ein After-Hours-Konzert im Festival-Hotel. Das Eröffnungskonzert ist außerdem als Livestream auf hr2.de und danach als Video-on-Demand zu erleben.

Mit einer Hommage an Albert Mangelsdorff, der am 5. September 90 Jahre alt geworden wäre, wird das Jazzfestival eröffnet. In der Alten Oper Frankfurt treffen ehemalige Weggefährten auf musikalische Erben. Größen wie Joachim Kühn, Pierre Favre oder Christof Lauer erinnern an den weltberühmten Posaunisten. Die „Trombirds" Nils Wogram, Stefan Lottermann und Samuel Blaser entwerfen neue Tongebäude auf dem von Albert Mangelsdorff errichteten Fundament. Als Höhepunkt lässt die hr-Bigband Kompositionen des berühmten Frankfurters im jazzorchestralen Rahmen erstrahlen - eigens arrangiert von Jim McNeely: „Never let it end!"

Die große Bandbreite und Faszination des europäischen Jazz zeigen im hr-Sendesaal Emile Parisiens hochkarätig besetztes Sfumato Quintet, das Allgäuer Original Matthias Schriefl mit der hr-Bigband und indischen Musikern, die genresprengenden Formationen Oddarrang und Shake Stew sowie die Trios der französischen Trompeterin Airelle Besson und des österreichischen Pianisten David Helbock. Dessen „Random/Control" inszeniert mit überbordender Fantasie und entsprechend buntem Instrumentarium ein klangliches Panoptikum.

Die Trompeterin Yazz Ahmed fasziniert mit hypnotischen Klanglandschaften, in denen sie die Urbanität ihrer Wahlheimat London mit ihren arabischen Ursprüngen in Bahrain zusammendenkt. Einem der größten Trompeter aller Zeiten, Miles Davis, huldigt das All-Star-Ensemble SFJAZZ Collective. Zusammen mit dem Quartett des Schlagzeugers Mark Guiliana vertritt es die US-amerikanische Szene auf diesem Festival.

Die aus Slowenien stammende Pianistin Kaja Draksler und die portugiesische Trompeterin Susana Santos Silva gelten beide als ganz große Entdeckungen der jungen improvisierenden Szene. Gemeinsam unternehmen sie bei ihrem Matinee-Konzert eine herausfordernde Reise. Am Wegesrand: slowenische Volksmusikklänge ebenso wie klassische Moderne, Neue Musik und natürlich Jazz, besonders die freien Spielarten.

Bei Kamaal Williams reichen die musikalischen Einflüsse von Herbie Hancock und anderen Größen des '70s -Jazzfunk bis zu elektronischen Underground-Genres wie Garage oder Grime. Nach Shabaka Hutchings' akustischer, weltmusikalischer Variante des dancefloor gängigen Postjazz im vergangenen Jahr kommt dieses Jahr mit Kamaal Williams eine elektronischere Spielart der aktuellen Londoner Crossover-Szene zum Abschlusskonzert des Festivals in den Mousonturm.

Das 49. Deutsche Jazzfestival Frankfurt 2018 ist eine Veranstaltung des Hessischen Rundfunks/hr2-kultur in Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt am Main/Dezernat für Kultur und Wissenschaft. Kooperationspartner sind die Alte Oper Frankfurt und das Künstlerhaus Mousonturm. Das Deutsche Jazzfestival, 1953 in Frankfurt gegründet, ist das älteste in Kontinuität stattfindende Jazzfestival der Welt. Der Hessische Rundfunk (heute hr2-kultur) ist seit den Anfängen mit dabei und veranstaltet das Festival in Kooperation mit der Stadt Frankfurt als festem Partner.

Sendungen: Montag und Donnerstag bis Samstag live in hr2-kultur

Livestream: Montag, 22. Oktober, 20 Uhr, auf www.hr2.de/jazzfestival und danach als Video-on-DemandWeitere

www.hr2.de/jazzfestival