Heldinnen des elektronischen Sounds

Die Konzerte des Festivals werden ergänzt durch Diskursveranstaltungen, in denen geschichtliche Entwicklung und aktuelle Situation von weiblichen Musikerinnen und Komponistinnen mit Blick auf aktuelle und künftige Möglichkeiten weiblicher Präsenz in der Musik beleuchtet werden.

Vom 7. bis 9. Juli präsentiert das Festival Heroines of Sound im Berliner Radialsystem V zum vierten Mal seit 2014 dem Berliner Publikum frühe und aktuelle Heldinnen des elektronischen Sounds.

Das Festival Heroines of Sound rückt Künstlerinnen, die elektronische Klangumformung in avancierter Pop- und E-Musik weiterdenken und performativ ausdeuten, in den musikalischen Fokus. Um diese aktuellen Positionen historisch zu profilieren, kommen in jedem Jahr Werke von Pionierinnen der frühen elektronischen Musik zur Aufführung.

Das Programm 2017 umfasst Konzerte, Performances, Installation und Diskurs in unterschiedlichen Formaten. Ein Spotlight des Festivals richtet sich auf Elżbieta Sikora, der polnischen Pionierin akusmatischer Musik. Trotz zahlreicher Preise für ihre Kompositionen ist sie in Deutschland bislang kaum bekannt. Die Komponistin, seit 1981 in Frankreich lebend, gilt dort längst als französische Künstlerin. Für ihr Schaffen wurde Sikora 2004 mit dem Orden Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres ausgezeichnet.

Elżbieta Sikora (*1943) studierte nach einer Ausbildung zur Tontechnikerin in Warschau Ende der 1960er Jahre zunächst elektronische Musik in Paris bei François Bayle und Pierre Schaeffer, anschließend Komposition in Warschau bei Tadeusz Baird und Zbigniew Rudzinski und schließlich Computermusik am IRCAM in Paris und bei John Chowning an der Stanford University, Kalifornien.

Der diesjährige Festivalschwerpunkt auf polnischer elektronischer Musik wird durch aktuelle Werke der polnischen Komponistinnen Jagoda Szmytka und Katarina Glowicka vervollständigt.

Erstmals konnten 2017 für das Festival Heroines of Sound zwei Kompositionsaufträge vergeben werden. Die Festivalbeiträge von Iris ter Schiphorst und Electric Indigo sind Auftragswerke, die das Publikum als Uraufführungen erleben wird. Die beiden herausragenden Künstlerinnen stehen exemplarisch für das Profil des Festivals, das in seinem Konzertprogramm Komposition und Performance ebenso miteinander kombiniert wie Neue Musik und experimentelle Pop-Avantgarde.

Neben Electric Indigo findet sich mit Heidrun Schramms konzeptueller elektroakustischer Musik für Multikanal-Lautsprechersysteme, die auf Aufnahmen von akustischen Musikinstrumenten und Objekten sowie Fieldrecordings beruht, eine weitere aktuelle Position akusmatischer Musik im Festivalprogramm.

Außerdem bringen Alessandra Eramo, Jasmine Guffond, Chra, Heidi Mortenson und Pilocka Krach an zwei Abenden des Festivals unterschiedlichste Facetten und Spielarten zeitgenössischer Live-Elektronik-Performance zu Gehör.

Ein weiterer Höhepunkt des Festivals ist das abendfüllende Konzert mit dem Ensemble Mosaik und mit Werken von Iris ter Schiphorst (UA), Joanna Wozny, Oxana Omelchuk, Lisa Streich und der jungen mexikanischen Komponistin Marisol Jiménez (UA).