Standbild aus der SWR-Dokumentation über Wolfgang Rihm "Über die Linien". Bild: SWR

Standbild aus der SWR-Dokumentation über Wolfgang Rihm "Über die Linien". Bild: SWR

Höchst erfolgreicher Protagonist der Neuen Musik

Wolfgang Rihm - über die Linien. Das SWR-Fernsehen zeigt einen Dokumentarfilm über den Karlsruher Komponisten am 2. Juni.

Wolfgang Rihm hat bis heute mehr als 500 Werke geschaffen, darunter Opern, große Orchesterstücke, Vokalkompositionen und Kammermusik. Er gilt als erfolgreichster Komponist der Gegenwart für Neue Musik. Und er ist einer der Produktivsten. Die renommiertesten Orchester spielen seine Werke. Auf den Bühnen der großen Opernhäuser und internationalen Festivals ist er seit Jahrzehnten auf dem Spielplan. Der SWR Dokumentarfilm "Wolfgang Rihm - über die Linien. Grenzgänger des Klangs" taucht mit ihm in jene Welt, aus der er seit Jahrzehnten seine Kompositionen schöpft. Zu sehen ist der Film am Sonntag, 2. Juni 2019 um 10.30 Uhr im SWR Fernsehen.

"Wenn es einen Zeitpunkt gibt, retrospektiv über mein Leben und meine Musik zu reflektieren, dann jetzt. Ich möchte aber, dass dieser Film nicht nur zurückblickt, sondern auch meine Arbeit, meine Perspektive in die Zukunft dokumentiert. Meine Reise - ohne Karte und Kompass", sagt der 67-Jährige. Er selbst kommentiert seinen Kosmos, der ihn zu seinen Kompositionen führt. Er schildert bedeutende Stationen, Szenen seines Lebens, seiner Musik. Die Autoren Victor Grandits und Magdalena Adugna treffen aber auch Weggefährten, die die Höhen und Tiefen seines Lebens bis heute begleiten. Weltstars wie Anne-Sophie Mutter, Jörg Widmann und Anna Prohaska erzählen von ihren persönlichen Grenzgängen mit den Kompositionen von Wolfgang Rihm. "Es ist immer wieder erschreckend, die eigenen Grenzen direkt vor Augen geführt zu bekommen", schildert Anne-Sophie Mutter ihr Gefühl beim ersten Anblick einer druckfrischen Rihm-Partitur. Aber es überträgt sich auch die Begeisterung über diese außergewöhnliche Musik. Und schließlich auch der Stolz, mit der Uraufführung eines neuen Rihm-Werks ein Stück Musikgeschichte mitgeschrieben zu haben.

Dem Phänomen Wolfgang Rihm nähern sich seine Biographin Eleonore Büning und der Leiter der Donaueschinger Musiktage Björn Gottstein. 2017 kehrt Rihm von einer schweren Krebserkrankung zurück. Fast ein Jahr lang war er im Krankenhaus. Für Rihm war es "eine Zeit der Qualen und des Zurücksinkens". Der Dokumentarfilm erzählt auch die Geschichte eines Überlebenden. Bei den Dreharbeiten in Rihms Refugium, wo sich die Bücher, Partituren und Notizen bis unter die Decke stapeln, öffnet sich Wolfgang Rihm gegenüber der Kamera: "Die Präsenz des Todes, die Möglichkeit einer durchaus auch gefürchteten Form von Verschwinden, ist immer da. Natürlich! Wer verschwindet schon gern? Aber dieses zu bedenken heißt ja nicht, davor niederzufallen. Davor, sozusagen, sich aufzugeben!"

Im 60-minütigen Dokumentarfilm "Wolfgang Rihm - über die Linien. Grenzgänger des Klangs" entsteht nach und nach der Kosmos seiner Klangwelt und letztlich auch eine Hommage an den Komponisten Wolfgang Rihm, dem Dogmen immer egal waren. An einen Komponisten, der in Karlsruhe verwurzelt ist, dessen Musik aber auf der ganzen Welt erklingt.