Nina Stemme. Foto: Arabella Goteborg

Nina Stemme. Foto: Arabella Goteborg

Höchstdotierter Preis für Werktreue

Wagnersängerin Nina Stemme erhält den Birgit Nilsson Preis. Die Birgit Nilsson Stiftung gab zudem den Inhalt einer im Herbst erscheinenden CD-Box mit Live-Aufnahmen von Birgit Nilsson bekannt.

Der Präsident der Birgit Nilsson Stiftung, Rutbert Reisch, gab in der Royal Academy of Music in Stockholm bekannt, dass der Birgit Nilsson Preise 2018 an Nina Stemme geht. Die offizielle Zeremonie mit der Preisübergabe wird am 11. Oktober 2018 im Royal Opera House in Stockholm stattfinden –in Anwesenheit von König Carl XVI Gustaf und Königin Silvia.

Die Preisverleihung wird musikalisch vom Royal Opera Orchestra unter der Leitung des jungen amerikanischen Dirigenten Evan Rogister umrahmt. Als Solisten sind der walisische Bassbariton Bryn Terfel und die schwedische Sopranistin Christina Nilsson zu hören. Im Rahmen der Pressekonferenz wurde zudem bekannt gegeben, dass die Birgit Nilsson Stiftung und der Birgit Nilsson Preis in die Royal Swedish Academy of Music in Stockholm eingegliedert werden. Diese wird ab Januar2019 deren Geschicke leiten.

“Der Birgit Nilsson Preis ist eine große Auszeichnung meiner Arbeit und es ist eine noch größere Anerkennung in meiner Heimat durch eine weltbekannte und anerkannte Institution ausgezeichnet zu werden, die den Namen und das Vermächtnis einer Legende in Ehren hält ... meines Idols Birgit Nilsson. Da dies ihr hundertster Geburtstag ist, nehme ich den Preis mit höchster Ehrfurcht und in Demut an. Ich bin sehr dankbar, mit dieser großen Künstlerin in Verbindung gebracht zu werden und in Gesellschaft von Maestro Domingo, Maestro Muti und den Wiener Philharmonikern zu sein, die alle diese außergewöhnliche Auszeichnung erhalten haben," so die Preisträgerin Nina Stemme.

2018 wird der Birgit Nilsson Preis zum vierten Mal verliehen. Birgit Nilsson wählte den ersten Preisträger, Plácido Domingo, noch persönlich aus. Er erhielt den Preis 2009. Die zweiten und dritten Preisträger, Dirigent Riccardo Muti (2011) und die Wiener Philharmoniker (2014), wurden von einer hochkarätigen internationalen Jury (die Namen finden Sie im Text weiter unten) ausgewählt. Die Jurymitglieder stammen aus den Ländern, in denen Birgit Nilsson während ihrer Karriere vorrangig tätig war.

Der Geburtstag von Birgit Nilsson jährt sich am 17. Mai zum hundertsten Mal. Aus Anlass dieses großen Jubiläums feiert die Birgit Nilsson Stiftung das ganze Jahr über ihre Gründerin. Neben der Preisverleihung gibt es schon zum Geburtstag ein Buch, eine neue TV-Dokumentation und im Herbst eine CD-Box mit bislang großteils unveröffentlichten Live-Aufnahmen. Das 712 Seiten umfassende Buch in englischer Sprache, herausgegeben vom Verlag für moderne Kunst in Wien, dokumentiert in Wort und Bild die wegweisenden Rollen, die Birgit Nilsson im Laufe ihrer Karriere verkörpert hat. Ehrungen durch namhafte zeitgenössische Persönlichkeiten, Artikel und Rezensionen sowie weitere Zeugnisse geben Einblick in ihre Karriere. Das Buch ist jetzt in limitierter Auflage verfügbar. Die für den Herbst angekündigte Box beinhaltet Gesamtaufnahmen von: Bartók Herzog Blaubarts Burg (Stockholm 1953); Beethoven Fidelio (RAI Rome 1970); Puccini Turandot (MET 1961); Strauss Salome (MET 1965), 2 Versionen von Elektra (Wien in Montreal 1967 und MET 1971), Die Frau Ohne Schatten (München 1976); Wagner Lohengrin (Bayreuth 1954), 3 Versionen von Tristan und Isolde (Bayreuth 1957, Wien 1967, Orange 1973), Die Walküre (MET 1969); zusätzliche Wagner-Szenen: Die Walküre (1. Akt, 3. Szene / Bayreuth 1957), Siegfried (3. Akt, 3. Szene /Bayreuth 1967); Wagner in Concert –Aufnahmen aus Stockholm (1953 & 1968) und Sydney (1973). Veröffentlichungsdatum: 7.September.

Der Birgit Nilsson Preis ist mit einer Million US-Dollar der höchstdotierte Preis für klassische Musik. Er wird ca.alle drei Jahre für außerordentliche Leistungen und große Verdienste im Opern-und Konzertbereich in den folgenden Kategorien vergeben: aktive Sänger (im Bereich Oper, Konzert, Oratorium oder Lied), aktive Dirigenten (im Bereich Oper oder Konzert) oder an eine Institution mit außergewöhnlichenVerdiensten im Bereich Oper oder Konzert, wie beispielsweise ein Orchester, einen Chor oder ein Opernhaus. Bei einem Opernhaus werden insbesondere herausragende Produktionen anerkannt, die dem Geist des Komponisten gerecht werden. Dieser Preis wird an Künstler vergeben, die die höchsten Aufführungsstandards –dokumentiert durch eine langjährige Treue der Aufführungen gegenüber den Intentionen der Komponisten –erreicht und aufrechterhalten und einen grossen Beitrag zur Bewahrung dieser Kunstform geleistet haben. Diese Künstler haben der Musikgeschichte ein Kapitel hinzugefügt, von dem erwartet wird, dass es nachhaltig präsent sein wird.

Gegen Ende ihrer beispiellosen und langen Karriere gründete die für ihren dramatischen Sopran bekannte schwedische Sängerin Birgit Nilsson eine Stiftung, die ihren Namen trägt und sich ausschließlich der Vergabe dieses Preises widmet. Birgit Nilssons große Sorge galt dem allgemeinen Verfall der kulturellen Werte und insbesondere dem Rückgang der Aufführungsstandards im Opernbereich. In diesem Kontext hatte sie in den frühen Jahren ihrer Karriere mit weitaus größeren Schwierigkeiten zu kämpfen, als dies der Öffentlichkeit gemeinhin bekannt ist. Sie war davon überzeugt, dass ihr die Überwindung dieser Schwierigkeiten Motivation verliehen und zu ihrem späteren Erfolg beigetragen hat. Mit diesem Preis wollte Birgit Nilsson nicht nur großartige Künstler und ihr künstlerisches Wirken ehren, sondern auch junge Künstler inspirieren, ihre Karriere längerfristig zu planen und mit Engagement und Ausdauer ihre Ziele zu verfolgen, um so ihr volles Potenzial zu entfalten und die jeweilige Kunstform zu bewahren.

Das Gremium von 2018 besteht aus denselben Mitgliedern wie jenes der Jahre 2011 und 2014. Hierzu gehören: Eva Wagner-Pasquier, ehemalige Co-Leiterinder Bayreuther Festspiele, Bengt Hall, ehemaliger Leiter der Oper von Malmö und ehemaliger Generaldirektor der Königlichen Oper Stockholm, Rupert Christiansen, Opernkritiker des „Daily Telegraph” und Mitglied des OPERA Editorial Board, Speight Jenkins, ehemaliger Generaldirektor der Seattle Opera, Clemens Hellsberg, ehemaliger Vorstand der Wiener Philharmoniker. Mit der Ehrung herausragender aktiver, zeitgenössischer Künstler im Bereich Musik und der Anerkennung ihrer Arbeit und ihrer wichtigsten Leistungen will der Birgit Nilsson Preis das Erbe seiner Stifterin und der großartigen schwedischen Operntradition bewahren.