Cellistin Sol Gabetta und Gesangsstar Cecilia Bartoli - vereint auf Poster und im Konzert. Copyright: Esther Haase

Cellistin Sol Gabetta und Gesangsstar Cecilia Bartoli - vereint auf Poster und im Konzert. Copyright: Esther Haase

Hunger nach guter Musik wird gestillt

Bachs komplettes Orgelwerk, eine neue Weltmusik-Reihe, ein Reigen der Klassik-Stars, ein Bernstein-Schwerpunkt, leider etwas zu viel Daniel Hope, neue Musik und der Treffpunkt für die Musikfreunde der Region: Die Essener Philharmonie bleibt ein Anziehungspunkt.

Stars im Doppelpack: Cecilia Bartoli und Sol Gabetta treffen bei einem Barockabend aufeinander, Diana Damrau und Jonas Kaufmann sind mit Hugo Wolfs „Italienischem Liederbuch“ zu erleben. Das größte Ausrufezeichen aber setzt die Philharmonie mit der umfangreichen Künstler-Residenz von Daniel Hope: Die musikalische Vielseitigkeit des südafrikanischen Geigers wird sich in acht Konzerten widerspiegeln. Und neben vielen weiteren großen Namen – von Sir John Eliot Gardiner bis Hilary Hahn – darf man auf einen Bernstein-Schwerpunkt sowie ein neues Weltmusik-Festival gespannt sein.

Daniel Hope wird zum Musikbotschafter für alle Publikumsgruppen: Der umtriebige Südafrikaner, den man nicht nur als Musiker, sondern ebenso als Moderator und Buchautor kennt, demonstriert in der umfangreichen Residency seine enorme Vielseitigkeit. Mit seinem berühmten Barockprojekt „Air“, mit einem Duo-Recital sowie als Solist mit den Essener Philharmonikern wird er als Geigenvirtuose zu hören sein, der in allen musikalischen Stilen zu Hause ist. Zudem bringt er ein neues, für ihn geschriebenes Violinkonzert des englischen Komponisten Mark-Anthony Turnage im Rahmen des Festivals NOW! zur Uraufführung. Das Programm des Konzertes mit dem Zürcher Kammerorchester, dem er seit dem Jahr 2016 als Music Director vorsteht, versteht sich als wunderbare Hommage an seinen Lehrer und Mentor Lord Yehudi Menuhin. Als Wanderer zwischen den Kunstwelten übernimmt Daniel Hope in einem Familienkonzert den Part des Erzählers im Kinderbuch „Der Grüffelo“. Einen bisher einmaligen „Geigengipfel“ verwirklicht er mit 100 Kindern auf der Bühne des Alfried Krupp Saales. Und im abschließenden „Sommernachtstraum“, der unter anderem mit Thomas Quasthoff als Erzähler und Katja Riemann als Schauspielerin große Prominenz zu bieten hat, tritt Daniel Hope als Musiker und Schauspieler in Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“ in Erscheinung.

Mit dem Klarinettisten, Dirigenten und Komponisten Jörg Widmann stellt die Philharmonie Essen einen weiteren bemerkenswerten Künstler in den Mittelpunkt. Im Rahmen eines vierteiligen Künstlerporträts interpretiert und dirigiert er viele seiner eigenen Werke, ist aber auch mit Mozart, Weber und Mendelssohn Bartholdy zu erleben.

„To Lenny with Love“ – mit dem so überschriebenen Liederabend drückt nicht nur Thomas Hampson seine Verehrung für Leonard Bernstein aus, der am 25. August 2018 einhundert Jahre alt geworden wäre. Die Philharmonie widmet dem großen amerikanischen Dirigenten und Komponisten einen eigenen programmatischen Schwerpunkt mit sechs Konzerten, unter anderem mit den „Sinfonischen Tänzen“ aus der „West Side Story“ und der Filmmusik „On the Waterfront“.

Einen neuen Akzent setzt die Philharmonie im Frühjahr 2018 mit einem Festival für Weltmusik. Die erste Auflage steht vom 25. bis 27. Mai unter dem Titel „Sounds of Africa“ und präsentiert international gefragte Stars aus Westafrika und die neuesten Formationen der Weltmusikszene. Eröffnet wird das Festival durch den malischen Ngoni-Virtuosen Bassekou Kouyaté und dessen Landsmann und Gitarristen Habib Koité. Höhepunkt ist ein großes Opern-Air-Konzert im Stadtgarten mit internationalen Bands, bevor das Festival mit einem großen Abschlusskonzert im Alfried Krupp Saal endet.

Hochkarätige Dirigenten und Orchester begleiten die Spielzeit, unter anderem Sir John Eliot Gardiner mit dem London Symphony Orchestra, Valery Gergiev mit den Münchner Philharmonikern, Esa-Pekka Salonen mit dem Philharmonia Orchestra London, Teodor Currentzis mit dem Mahler Chamber Orchestra, Mikhail Pletnev mit dem Russian National Orchestra, Philippe Herreweghe mit dem Orchestre des Champs-Elysées und dem Collegium Vocale Gent, und gleich zweimal zu Gast ist das phänomenale Royal Concertgebouw Orchestra unter der Leitung von Thomas Hengelbrock und Jaap van Zweden, dem zukünftigen Chefdirigenten des New York Philharmonic.

Eine Riege namhafter Instrumentalisten ist erneut Bestandteil des Programms. Neben den erwähnten Daniel Hope, Jörg Widmann, Hilary Hahn und Sol Gabetta gehören dazu die Geiger Frank Peter Zimmermann, Isabelle Faust, Renaud Capuçon, Janine Jansen und Christian Tetzlaff sowie die Pianisten Denis Matsuev, Maria João Pires, Lucas Debargue, Arcadi Volodos, Alexander Krichel, Daniil Trifonov, Sergei Babayan und Christian Zacharias. Auch von der faszinierenden Strahlkraft großer Stimmen kann sich das Publikum im Verlauf der Saison regelmäßig begeistern lassen: Cecilia Bartoli, Diana Damrau, Jonas Kaufmann, Anja Harteros, Magdalena Kožená, Sandrine Piau, Vivica Genaux, Christian Gerhaher, Thomas Hampson, Doris Soffel und Olga Peretyatko.

An einem außergewöhnlichen Orgel-Wochenende im April 2018 bringen zehn profilierte Organisten das komplette Orgelwerk von Johann Sebastian Bach zur Aufführung. Darüber hinaus gestalten Cameron Carpenter, Gunnar Idenstam und Claudio Astronio die erneut prominent besetzten Konzerte an der großen Kuhn-Orgel. Fortgesetzt werden die beliebten Reihen „Alte Musik bei Kerzenschein“ (u. a. mit Marc Minkowskis Musiciens du Louvre Grenoble und Bachs „Matthäuspassion“) und „Nachtmusik“. An vier Samstagen treffen hierbei wieder innovative Ensembles auf angesagte DJs – allen voran Hans Nieswandt vom IfPoM (Institut für Populäre Musik) der Folkwang Universität der Künste.

Die Jazz-Konzerte locken mit spannenden künstlerischen Begegnungen: So sorgen die Essener Philharmoniker gemeinsam mit dem Avishai Cohen Trio für eine ebenso aufregende Melange wie BAP-Sänger Wolfgang Niedecken mit dem Bundesjazzorchester, die Band „Hildegard lernt fliegen“ mit dem Lucerne Festival Academy Orchestra oder Victoria Tolstoy mit der WDR Big Band. Vielfältig und unterhaltsam präsentiert sich auch die Reihe „Entertainment“, die längst zum festen Programm der Philharmonie gehört: Mit ihrer fetzigen Show „Queen Forever!“ bringt die Neue Philharmonie Westfalen ebenso viel Schwung in den Alfried Krupp Saal wie die Sweet Soul Gospel Revue oder Götz Alsmann mit seiner musikalischen Reise nach Rom. 

In die mittlerweile siebte Runde geht das Festival für Neue Musik NOW!, das sich vom 19. Oktober bis 5. November 2017 mit „Grenzgängern“ zwischen klassischer Komposition und Jazzimprovisation, zwischen europäischer und außereuropäischer Musiksprache sowie zwischen Musik und bewegtem Bild, Video und Tanz auseinandersetzt. Jörg Widmann und Residenz-Künstler Daniel Hope gehören ebenso zu den Mitwirkenden wie die Essener Philharmoniker unter der Leitung von HK Gruber oder die Jazz-Pianistin Laia Genc mit ihrem Trio Liaison Tonique.

Bereits zum dritten Mal laden die fünf Sparten der Theater und Philharmonie Essen – das Aalto-Musiktheater, die Essener Philharmoniker, das Aalto Ballett Essen, die Philharmonie Essen und das Schauspiel Essen – zu den TUP-Festtagen Kunst⁵ ein. Vor dem Hintergrund der Schließung der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop und dem damit verbundenen Ende des deutschen Steinkohlebergbaus stehen die Festtage vom 17. bis 25. Februar 2018 unter dem Titel „HeimArt“.

Ein wichtiges Anliegen der Philharmonie ist es, für Menschen mit Demenz und deren Angehörige einen Rahmen zu schaffen, klassische Musik erleben zu können. Wie in den vergangenen Jahren befinden sich daher zwei Konzerte für dieses Publikum auf dem Spielplan.

Unter dem Titel „Philharmonie entdecken“ bietet die Philharmonie Essen ein umfangreiches Pro-gramm für Kinder, Jugendliche und Familien an. Dazu gehören Konzerte für Babys, Kleinkinder, Kin-der und Jugendliche, Familienkonzerte, Kompositionsprojekte, Schulkonzerte mit den Essener Phil-harmonikern, Philharmonie-Führungen und Orgelvorführungen für Kinder, Konzerteinführungen für Kinder und Ferienworkshops. Und auch Erwachsene haben die Möglichkeit, sich intensiver mit klassischer Musik auseinanderzusetzen, etwa in den Konzerteinführungen „Die Kunst des Hörens“, durch Künstlerbegegnungen bei den Reihen „Philharmonie Debüt“ und „Piano Lecture“, in Philharmonie-Führungen und Orgelvorführungen oder mit dem Projekt „Philharmonie trifft Universität“.