Michael Gielen. Foto: Wolfram Lamparter

Michael Gielen. Foto: Wolfram Lamparter

Uraufführungsdirigent der Soldaten wird 90

Michael Gielen wird 90 Jahre alt. NAXOS und SWRmusic gratulieren mit der Michael Gielen Edition. Und im neuen FONO FORUM stellen wir Gielen einem gleichaltrigen Maestro ganz anderen Zuschnitts gegenüber: Herbert Blomstedt.

Am kommenden Donnerstag, 20. Juli, wird Michael Gielen 90 Jahre alt. Gielen ist einer der prägenden Dirigenten der Nachkriegsgeschichte. Als langjähriger Chefdirigent des SWF Sinfonieorchesters Baden-Baden (später SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg) konnte er derart bedeutende Impulse im deutschen Musikleben setzen, dass seine zahlreichen einflussreichen anderen Spitzenpositionen (etwa als Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt, beim BBC Symphony Orchestra in London oder als Chefdirigent des Cincinnati Symphony Orchestra in den USA) dahinter fast verblassen - zumal mit dem SWR viele Aufnahmen entstanden, die wegen ihrer künstlerisch klaren, teilweise auch strengen Position Diskussionsgegenstand wurden. In den Kanon freilich dirigierte sich Gielen mit der Uraufführung von Bernd Alois Zimmermanns Monumentaloper "Die Soldaten" in Köln (Mitschnitt bei Wergo).

NAXOS veröffentlicht über das Label SWRmusic des Südwestrundfunks anlässlich von Michael Gielens 90. Geburtstag die auf zehn Boxen angelegte Michael Gielen Edition, ein Großprojekt mit etlichen Erstveröffentlichungen aus allen bedeutenden Karriereabschnitten des Dirigenten.

Rechtzeitig zum Geburtstag erschien der fünfte Teil der Reihe mit Gielens Interpretationen von Musik Bela Bartóks und Igor Strawinskys – zwei Komponisten, die Michael Gielen besonders verehrt und hoch schätzt. In Kürze erscheint zudem als Volume sechs der Edition der hoch bedeutende Zyklus sämtlicher Sinfonien Gustav Mahlers unter Michael Gielens Leitung, der für zahlreiche Mahler-Kenner eine zeitlose Referenzeinspielung darstellt.

Auch im neuen FONO FORUM (09/2017) würdigen wir Michael Gielen - und das in interessantem Kontext: Denn auch Herbert Blomstedt vollendet in diesen Tagen sein neuntes Lebensjahrzehnt. Im Vorspann zu dem Text heißt es: "Unterschiedlicher könnten Dirigenten kaum sein."