v. l.: Professor Horst Weitzmann (Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden), Thomas Hengelbrock, Klaus Maria Brandauer. Foto: manolo press

v. l.: Professor Horst Weitzmann (Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden), Thomas Hengelbrock, Klaus Maria Brandauer. Foto: manolo press

In Karajans Namen nach Kuba

Thomas Hengelbrock ist neuer Träger des Herbert von Karajan Musikpreises. Das Preisgeld in Höhe von 50.000 fließt in die Arbeit der vom Preisträger gegründeten Balthasar-Neumann-Akademie. Die Festrede trug Klaus Maria Brandauer vor.

Der Dirigent Thomas Hengelbrock wude im Rahmen eines festlichen Konzertes im Festspielhaus Baden-Baden mit dem Herbert von Karajan Musikpreis ausgezeichnet. Auf der Pressekonferenz zu diesem Anlass teilte Thomas Hengelbrock mit, welche Maßnahmen er mit dem Preisgeld unterstützen möchte: „Das Preisgeld des Herbert von Karajan Musikpreises fließt vollständig in die Arbeit der Akademie Balthasar Neumann und kommt somit der musikalischen Nachwuchsförderung unmittelbar zugute“, so der Preisträger, der die Akademie Balthasar Neumann wie das Balthasar-Neumann-Ensemble und den Balthasar-Neumann-Chor gründete und künstlerisch leitet.

Die Akademie Balthasar Neumann fußt auf drei Säulen: 1. der Orchesterakademie, 2. der Cuban-European Youth Academy (CuE) sowie 3. den Schulprojekten der Ensembles.

Der Dirigent erklärte: „Konkret ermöglicht das Preisgeld den Ausbau unserer Cuban-European Youth Academy und hilft, den erst vor Kurzem initiierten Kulturaustausch zwischen Kuba und Europa mit neuen Projekten zu festigen. Darüber hinaus können wir mithilfe des Preisgeldes unsere Schulprojektaktivitäten weiterführen, unter anderem in Freiburg: Musiker der Balthasar-Neumann-Ensembles besuchen Schulen und unterrichten die Schüler, ein kubanisches Streichquintett arbeitet mit einem Schulorchester zusammen und eigens konzipierte Kinderkonzerte mit innovativen Konzepten werden organisiert.“

Thomas Hengelbrock erklärte weiter: „Ein Teil des Preisgeldes wird zudem in Workshops unserer Orchesterakademie investiert, die junge Talente mit internationalen Künstlern und Dozenten verschiedenster Disziplinen zusammenbringt. Ich freue mich sehr, dass wir durch den Herbert von Karajan Musikpreis die Arbeit der Akademie Balthasar Neumann breiter aufstellen können und dass zahlreiche Aktivitäten unserer Nachwuchsarbeit im Jahr 2016 nun umgesetzt werden können.“

Preis wird seit 2003 in Baden-Baden verliehen

Der Herbert von Karajan Musikpreis geht auf eine Initiative des Festspielhauses Baden-Baden zurück und wird seit 2003 in Baden-Baden vergeben. Das mit 50.000 Euro dotierte Preisgeld ist zweckgebunden für die musikalische Nachwuchsarbeit. Zu den Preisträgern gehören unter anderem Anne-Sophie Mutter, Cecilia Bartoli, die Berliner und Wiener Philharmoniker, Alfred Brendel, John Neumeier und Daniel Barenboim. Die Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden kommt nun der Bitte Eliette von Karajans nach, den 2003 in Baden-Baden gegründeten Herbert von Karajan Musikpreis ab 2017 in Salzburg vergeben zu können.

Kultur ist „Nährboden der Zivilgesellschaft"

Thomas Hengelbrock nimmt die Verantwortung zur Förderung der nächsten Generationen von Musikern und Publikum sehr ernst: „Kultur ist nicht, wie manche meinen, ein bisweilen verzichtbarer Luxusartikel. Kultur ist Grundlage und Nährboden einer humanen, aufgeklärten und leistungsfähigen Zivilgesellschaft. Deshalb sind wir alle in der Verantwortung, unser Wissen um Kunst und Kultur an die nächsten Generationen weiterzugeben”, so der Dirigent.

Der einfallsreiche Entdecker

Mit seinem Einfallsreichtum, seiner musikwissenschaftlichen Entdeckerlust und seiner kompromisslosen Art des Musizierens zählt Thomas Hengelbrock zu den gefragtesten Dirigenten unserer Zeit. Unkonventionell, überraschend und vielfältig sind die Konzertprogramme und Opernprojekte, die er seit zwei Jahrzehnten mit seinem Balthasar-Neumann-Chor und -Ensemble und seit 2011 als Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters gestaltet. Ab der Saison 2016/17 übernimmt Thomas Hengelbrock zudem die Position des „Chef associé“ beim Orchestre de Paris.

In ausgefeilten Dramaturgien verschmilzt er Barockwerke mit Zeitgenössischem, Bekanntes mit vergessenen Meisterwerken; abseits etablierter Interpretationsnormen befragt er Opern und Sinfonik des 19. Jahrhunderts neu; in szenischen und genreverbindenden Projekten lässt er Musik, Literatur, Schauspiel und Tanz ineinanderfließen.

Thomas Hengelbrock wird als Opern- und Konzertdirigent international geschätzt. Bei den Bayreuther Festspielen debütierte er 2011 mit Wagners „Tannhäuser“. Gastdirigate führten ihn zu den Münchner Philharmonikern und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. In der letzten Saison war er erstmals an den Pulten des Concertgebouworkest Amsterdam und der Wiener Philharmoniker zu erleben. Regelmäßig ist er am Teatro Real Madrid, der Opéra de Paris und dem Festspielhaus Baden-Baden zu Gast und arbeitet mit Sängern wie Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Anna Netrebko und Christian Gerhaher.