Mit Caldara in Innsbruck: Valer Sabadus. Foto: Henning Ross

Mit Caldara in Innsbruck: Valer Sabadus. Foto: Henning Ross

Innsbrucks barocker Sommer

Opern-Raritäten, Konzerte in prachtvollen historischen Spielstätten und eine Stadt voller Fantasie und Sinnlichkeit:Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik feiern im Sommer 2016 ihr 40-jähriges Jubiläum.

Zum Jubiläum kommen alle „Saiten“ der Musik aus Renaissance, Barock und Klassik zum Schwingen: Musik als Begleiter durch das Leben mit festlichen und besinnlichen Tönen zwischen Hell und Dunkel, Freud und Leid, Triumph und Trauer, Dur und Moll, Komödie und Tragödie. Tragicommedia.

Zwei junge Menschen schließen heimlich den Bund fürs Leben und lösen damit größte Turbulenzen aus: Mit „Il matrimonio segreto“ von Domenico Cimarosa bringt der Künstlerische Leiter Alessandro De Marchi ein Paradestück der Opera buffa auf die Bühne. Bei der Uraufführung 1792 in Wien rief Kaiser Leopold am Ende begeistert „Da capo!“ und die Komödie wurde damit, als einzige Oper der Geschichte überhaupt, am Uraufführungstag komplett wiederholt. Nun wird in Innsbruck wieder heimlich geheiratet, mit Sänger-Größen wie Renato Girolami, Donato di Stefano und Vesselina Kasarova.

Geheiratet wird auch in „Le nozze in sogno“, einer Commedia civile, deren Vertonung erst jüngst von italienischen Musikwissenschaftlern als Werk des einstigen Innsbrucker Hofkomponisten Pietro Antonio Cesti erkannt wurde. Die Karnevalsoper handelt vom ewigen Generationenkonflikt, von der Verhinderung einer Heirat wider Willen und von einer gewollten Hochzeit, welche die Jugend trickreich gegen die ältere Generation durchsetzt. Ein Stoff wie geschaffen für die BAROCKOPER:JUNG.

Diesen drei Hochzeiten steht eine Lebensrettung im letzten Moment gegenüber. In Christoph Willibald Glucks Oper „Alceste“ (Uraufführung 1767 in Wien) ist die Gattin eines Königs bereit, an seiner Stelle zu sterben. Sie wird aber von Gott Apollo aus dem Totenreich ins Leben zurückgeholt und mit ihrem Gatten wieder vereint. Die antike Tragikomödie mit Glucks klassischer Musik wird René Jacobs dirigieren, der von 1976 bis 2009 wesentliche Impulse bei den Festwochen gesetzt hat und der 2016 zurückkehrt.

Jacobs war es auch, der 1976 die ersten Töne im ersten Konzert bei den Festwochen gesungen hat: eine Kantate des Wiener Hofmusikers Caldara. Der Festwochensommer 2016 beginnt dementsprechend mit Kantaten von Caldara, gesungen von Countertenor Valer Sabadus. Das gesamte Programm des ersten Festwochenkonzertes 1976, das auch noch Werke von Bach, Händel und Couperin enthielt, wird in einem Jubiläumskonzert, unter anderem mit Lawrence Zazzo und Amandine Beyer, wieder geboten. Die im ersten Konzert 1976 vertretenen Komponisten finden sich im gesamten Programm ebenso mehrfach wieder wie auch die damals präsenten Instrumente Barockvioline, Viola da Gamba und Cembalo.

So wie aus Telemanns Liedersammlung wird in den Jubiläumsfestwochen Musik zwischen sprühendem Witz und feierlichem Ernst zu hören sein. Das konzerthungrige Publikum darf sich auf Ausnahme-Künstler wie Andreas Staier, Christophe Rousset, Wolfang Mitterer, Thomas Dunford, Birgitte Christensen, Kristina Hammarström, Julian Prégardien sowie die Ensembles Il Giardino Armonico, Les Talens Lyriques oder Fretwork freuen.