Patricia Kopatchinskaja. Foto: Marco Borggreve

Patricia Kopatchinskaja. Foto: Marco Borggreve

Interpretieren, nicht degenerieren

Hohe Erwartungen weckt die moldawisch-österreichische Geigerin Patricia Kopatchinskaja vor ihrem Konzert in Frankfurt, in dem sie Mendelssohns Violinkonzert spielt. "Was hat es für einen Sinn, es immer wieder auf die gleiche Weise zu spielen?", fragt sie.

Gegen den Strich: Das ist die Richtung, in der die moldawisch-österreichische Geigerin Patricia Kopatchinskaja konsequent die Klassiker der Violinliteratur interpretiert. Am Sonntag, 6. März 2016, wird sie von 19.00 Uhr an in der Alten Oper Frankfurt das populäre e-Moll- Violinkonzert von Felix Mendelssohn spielen und dabei von mancher Konvention und Hörerwartung abweichen.

„Man kennt dieses Stück so gut, es ist allen bekannt und allen so lieb; mir auch“, bekennt Kopatchinskaja. „Aber was hat es für einen Sinn, es immer wieder auf die gleiche Weise zu spielen? Das hat nichts mit Kunst zu tun“, sagt sie und zieht einen Vergleich zu chinesischen Massenreproduktionen von van-Gogh-Gemälden. „Ich will nicht so degenerieren.“

Ein so allseits bekanntes Werk wie das Mendelssohn-Violinkonzert müsse „so unter die Haut gehen, dass es unbequem wird. Sonst macht es keinen Sinn“: Dieser Aussage Patricia Kopatchinskajas dürfte sich auch Philippe Herreweghe anschließen. Der flämische Dirigent und Pionier der historisch informierten Aufführungspraxis, bekannt für seinen gründlichen Blick in die Quellen, hat gemeinsam mit der Geigerin bereits das Violinkonzert von Ludwig van Beethoven erarbeitet und auf CD eingespielt und für diese Neuaufnahme des Klassikers höchstes Lob erhalten.

Zwei expressive Beethoven-Werke stehen jetzt auch auf dem Frankfurter Programm: Philippe Herreweghe dirigiert die Coriolan-Ouvertüre sowie die markante fünfte Sinfonie. Es spielt das von ihm 1991 in Paris gegründete Orchestre des Champs-Élysées, dessen Musikerinnen und Musiker auf Instrumenten der jeweiligen Epoche musizieren.