Szenenbild aus »Il Barbiere di Siviglia«, Foto: Ennevi/Teatro di Verona

Szenenbild aus »Il Barbiere di Siviglia«, Foto: Ennevi/Teatro di Verona

Italienischer Ostsee-Rossini

Das Theater Kiel und das Theater Lübeck setzen ihre Kooperation fort und holen gemeinsam mit dem Teatro Filarmonico di Verona den italienischen Regisseur Pier Francesco Maestrini für eine Doppel-Premiere nach Schleswig-Holstein.

Das Theater Kiel und das Theater Lübeck setzen ihre Kooperation in der Spielzeit 2016/17 weiter fort und bringen zusammen mit dem Teatro Filarmonico di Verona eine einmalige Opern-Produktion auf die Bühnen Schleswig-Holsteins: Mit Gioachino Rossinis »Die Reise nach Reims« zeigt der italienische Regisseur Pier Francesco Maestrini eine ganz besondere Inszenierung: Sänger und Comic-Figuren spielen und singen die Hauptrollen – agieren miteinander auf Leinwand und Bühne.

Pier Francesco Maestrini zeigte bereits mit einer Inszenierung von Rossinis »Der Barbier von Sevilla« am Teatro Filarmonico di Verona dieses Zusammenspiel von Realität und Fiktion. Der dazugehörige Film entstand in engster Zusammenarbeit mit dem Cartoonisten, Animator und Illustrator Joshua Held. Maestrini und Held werden mit »Die Reise nach Reims« nun exklusiv für das Theater Kiel und das Theater Lübeck die nächste Oper von Gioachino Rossini als multimediale Opernproduktion auf die Bühnen bringen. Diese Produktionsweise ist geradezu prädestiniert für die Kooperation der Theater. Zum einen kann nur gemeinsam der finanzielle Aufwand für die Filmproduktion gestemmt werden und zum anderen ermöglicht das virtuelle Bühnenbild den parallelen Produktionsbetrieb an zwei Orten.

Kulturministerin Anke Spoorendonk begrüßte heute die neue Kooperation zwischen den Theatern Kiel und Lübeck in der Sparte Musiktheater nachdrücklich und betonte: »Die Koproduktion der Rossini-Oper »Die Reise nach Reims« durch die Theater Kiel und Lübeck entspricht im besten Sinn dem Kooperationsgedanken, wie er im Theaterkonzept des Landes als kulturpolitische Zielsetzung formuliert wird. Sie ist insofern »best practice« und setzt die erfolgreiche Zusammenarbeit der Theater Kiel und Lübeck im Ballettbereich nun auch im Musiktheater fort. Da Opern hohe Produktionskosten verursachen, bietet sich eine Zusammenarbeit im besonderen Maße an. Durch die Koproduktion erhöhen sich Spielorte und Aufführungszahlen, was einem größeren Publikum zu Gute kommt. Ich freue mich über diesen kreativen Kooperationsansatz, der künstlerisch wie wirtschaftlich überzeugt.«

Bestandteil der Kooperation mit Verona ist, dass es einen Austausch der Produktionen in den nächsten Spielzeiten geben wird: »Der Barbier von Sevilla« wird seine Deutschlandpremiere ebenfalls in Kiel und Lübeck feiern (in einer der kommenden Spielzeiten), »Die Reise nach Reims« wird dann in Verona zur Premiere gebracht.

Eine »Krönungsoper«, deren Handlung darin besteht, dass eine Gruppe von Gästen aus verschiedenen Ländern gar nicht bis zu dem Krönungsort Reims gelangt, sondern in einem Hotel in Plombières steckenbleibt: Das hat Stil! Zufälligerweise heißt dieses Hotel nach dem Symbol des französischen Königshauses »Giglio d’oro« (Goldene Lilie). Bis zur Weiterreise nach Paris, wo man dann wenigstens an weiteren Krönungs-Feierlichkeiten wie zum Beispiel der Aufführung von »Viaggio« teilnehmen will, muss man sich im Hotel »Giglio d’oro« also selbst unterhalten. Da treffen verschiedenste Nationen, Temperamente und Gefühle aufeinander …

Schon die Rossinischen Steigerungen, irrwitzigen Koloraturen und rasanten Ensembles lassen aus dem Staunen nicht herauskommen, die optische Umsetzung Pier Francesco Maestrinis und Joshua Helds lässt das Staunen noch größer werden. Die Bilder greifen den Geist der Musik auf, jeder musikalische Akzent erhält ein augenzwinkerndes optisches Pendant und das in Rossinischer Geschwindigkeit – Vergnügen pur!