Ivor Bolton. Foto: Nancy Horowitz

Ivor Bolton. Foto: Nancy Horowitz

Ivor Bolton nimmt Residenz in Essen

Der 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven ist in der Philharmonie Essen ein zentrales Thema in der kommenden Spielzeit. 22 Konzerte widmen sich diesem Jubiläum in unterschiedlichsten Besetzungen.

 Die Filarmonica della Scala mit Riccardo Chailly und das WDR Sinfonieorchester mit Marek Janowski präsentieren Beethovens großen Sinfonien. Für das Tripelkonzert vereinen sich Anne-Sophie Mutter, Pablo Ferrández und Khatia Buniatishvili zum Trio, begleitet von Robin Ticciati und dem London Philharmonic Orchestra. Der Pianist Piotr Anderszewski kombiniert die Sonate op. 110 mit Bachs zweitem Teil des „Wohltemperierten Klaviers“, Mitsuko Uchida interpretiert die „Diabelli-Variationen“. Ein Höhepunkt im Programm wird die halbszenische Aufführung von Beethovens einziger Oper „Fidelio“ mit Nina Stemme in der Titelpartie sein, inszeniert von Sam Brown. Zum Ende der Spielzeit kommt es beim Themenabend „Ein Sommernachtstraum“ zu einer Aufführung von Beethovens „Chorfantasie“ mit einer neuen Textfassung des früheren Bundestagspräsident Norbert Lammert. Einen Schwerpunkt bildet das Beethoven-Jahr auch in der Sinfoniekonzert-Reihe der Essener Philharmoniker, unter anderem erklingt der rekonstruierte erste Satz einer geplanten, jedoch nie vollendeten 10. Sinfonie.  

Artist in Residence der Spielzeit 2019/2020 ist der englische Dirigent Ivor Bolton. Auch er wird Beethoven mehrfach seine Reverenz erweisen, darunter mit dem Violinkonzert und Daniel Hope als Solisten. Seine künstlerische Vielseitigkeit stellt er darüber hinaus mit Werken von Händel über Mozart, Mendelssohn, Rossini und Schumann bis hin zu Bruckner unter Beweis, begleitet von internationalen Spitzenensembles, denen er als Musikdirektor vorstand oder gegenwärtig vorsteht, wie dem Teatro Real Madrid, dem Dresdner Festspielorchester, dem Sinfonieorchester Basel oder dem Mozarteumorchester Salzburg.  www.philharmonie-essen.de  

Und schließlich nimmt auch die Porträt-Künstlerin Isabelle Faust den Beethoven-Faden auf und bringt mit ihrem langjährigen Klavierpartner Alexander Melnikov in drei Konzerten sämtliche Violinsonaten zur Aufführung. Zu erleben ist die aus dem schwäbischen Esslingen stammende Geigerin außerdem mit Musik von Bach und Brahms.   

Ein weiterer Komponist im Fokus der Spielzeit ist Anton Bruckner mit sechs seiner Sinfonien. Unterschiedliche Interpretationsansätze finden Herbert Blomstedt und das Gustav Mahler Jugendorchester, Andris Nelsons und das Gewandhausorchester Leipzig, Philippe Herreweghe und das Orchestre des Champs-Élysées, Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Ivor Bolton und die Essener Philharmoniker sowie Markus Poschner und das Bruckner Orchester Linz.    

Höhepunkte im sinfonischen Programm sind darüber hinaus Auftritte von Esa-Pekka Salonen und dem Philharmonia Orchestra London, Yannick Nézet-Séguin und dem Rotterdam Philharmonic Orchestra, Jakub Hrůša und den Bamberger Symphonikern, Teodor Currentzis und dem SWR Symphonieorchester sowie Semyon Bychkov und dem Royal Concertgebouw Orchestra. Besondere Akzente setzen hier außerdem Solisten wie Daniel Hope, Christian Gerhaher, Hélène Grimaud sowie Ulrich Tukur als Sprecher.  

In der Reihe „Große Stimmen“ präsentieren international profilierte Sängerinnen und Sänger eine programmatische Vielfalt vom Barock bis zur Spätromantik. Cecilia Bartoli wird man mit einer Reise in die sinnliche und farbenreiche Welt des Barock erleben können, Christian Gerhaher interpretiert Gustav Mahlers „Rückert-Lieder“, Jessica Pratt und Xabier Anduaga gestalten eine Rossini-Operngala, und für Arnold Schönbergs „Gurrelieder“ vereinen sich die Aalto-Solisten Heiko Trinsinger und Albrecht Kludszuweit mit Torsten Kerl, Julia Borchert und Deirdre Angenent zu einem exquisiten Gesangsensemble. Einen Schwerpunkt erhält die Reihe durch den Pianisten Helmut Deutsch, der alle vier Liederabende der Saison als Liedbegleiter von Violeta Urmana, Michael Volle, Camilla Nylund und Piotr Beczala mitgestaltet. Zwei Meisterkurse und ein Filmbeitrag ergänzen dieses besondere Künstlerporträt.   

Die Riege großer Stimmen setzt sich in der Themenreihe „Alte Musik bei Kerzenschein“ mit dem Countertenor Franco Fagioli in der Titelpartie von Händels konzertant präsentierter Oper „Orlando“ fort. In den weiteren Konzerten reicht das Spektrum von Heinrich Schütz’ „Psalmen Davids“ mit dem Dresdner Kammerchor über Madrigale von Gesualdo mit Les Arts Florissants, Bachs sechs Brandenburgische Konzerte mit dem Concerto Kopenhagen, André Campras „Requiem“ mit Emmanuele Haïm und Le Concert d’Astrée, Bachs vollständiges „Weihnachtsoratorium“ und Händels „Alexanderfest“ jeweils mit dem ChorWerk Ruhr, Bachs Violinkonzerte mit Isabelle Faust, die „Matthäuspassion“ mit Philippe Herreweghe und dem Collegium Vocale Gent, ein Programm von Telemann bis Vivaldi mit Dorothee Oberlinger bis hin zu Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ mit Daniel Hope.  

Zu den Pianisten, die das Publikum in der kommenden Spielzeit begrüßen kann, gehört Evgeny Koroliov, der über zwei Spielzeiten das gesamte „Wohltemperierte Klavier“ von Johann Sebastian Bach aufführen wird, beginnend mit dem ersten Teil 2019/2020. Auch Piotr Anderszewski und Mitsuko Uchida sind mit Solo-Recitals zu erleben. Die niederländischen Brüder Arthur und Lucas Jussen spielen unter anderem zwei Klavierkonzerte von Bach mit der Amsterdam Sinfonietta.  

Die Orgel-Reihe setzt neben Solo-Recitals mit Olivier Latry und James Lancelot, dem traditionellen Preisträgerkonzert sowie einem Kammerkonzert mit Peter Kofler ein besonderes Ausrufezeichen durch einen „Organ Battle“ der Organisten László Fassang und Sebastian Küchler-Blessing, die sich abwechselnd unterschiedlichen Aufgaben des freien Orgelspiels stellen. Eine Orgelwanderung durch Essener Kirchen und die Philharmonie rundet die Reihe ab.  

Das Festival für Neue Musik NOW! findet nun schon zum neunten Mal statt und betrachtet diesmal unter dem Titel „Transit“ das Phänomen des Übergangs in zeitgenössischen Werken sowie den Kontext von analoger und digitaler Komposition. Neben den erwähnten „Gurreliedern“ von Arnold Schönberg mit den Essener Philharmonikern stehen 16 Uraufführungen (unter anderem von Rebecca Saunders und Brian Ferneyhough) sowie etwa Mathias Spahlingers großes Orchesterwerk „passage/paysage“ und György Kurtágs „Sudelbücher“ für ein vielseitiges und spannendes Programm. Partner des Festivals sind auch in diesem Jahr die Folkwang Universität der Künste, die Stiftung Zollverein, PACT Zollverein und der Landesmusikrat NRW.    

Nach den „Sounds of Africa“ im vergangenen Jahr lädt die Philharmonie Essen gemeinsam mit der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung im Mai 2020 zum zweiten Mal zu einem Weltmusik-Festival ein. Unter der Überschrift „Sounds of East to West“ steht die Klangwelt des Vorderen Orients im Mittelpunkt. Neben internationalen Stars wie dem Klarinettisten Kinan Azmeh oder dem Oud-Spieler Anouar Brahem präsentiert sich am Open-Air-Tag die Musikszene aus NRW. Ein umfangreiches Programm mit Konzerten in der Philharmonie Essen zeigt die traditionelle Musik und ihre Ensembles, aber auch die Entwicklung in Richtung Jazz- und Orchestermusik. Querverweise und Verbindungen ergeben sich zu der neuen Konzertreihe „From East to West“, welche zugewanderte Musiker präsentiert, die mittlerweile im Kulturleben der Region fest verankert sind, deren Musik aber oft noch unbekanntes Terrain ist.  

Zwei der Konzerte des Weltmusik-Festivals sind gleichermaßen Teil der Jazz-Reihe, in der prominente Interpreten wie Dianne Reeves, Kurt Elling und die WDR Big Band, Branford Marsalis, Brad Mehldau, Manhattan Transfer und Ed Motta ebenso vertreten sind wie junge Künstler wie der Pianist Tigran Hamasyan, der Trompeter Ambrose Akinmusire, die Sängerin Lucia Cadotsch und das Trio Mammal Hands. In der Reihe „Entertainment“ darf man sich unter anderem neben der Neuen Philharmonie Westfalen und einem Programm mit Hits von Boney M. bis zu den Village People auf Charlie Chaplins Filmmeisterwerk „City Lights“ mit Live-Musik freuen.  

In Kooperation mit WDR COSMO und dem Institut für Populäre Musik der Folkwang Universität der Künste stehen erneut zwei Nächte im RWE Pavillon unter der Titel „Wild Card“ auf dem Programm. Mit angesagten Künstlern des Global Pop legte das neue Format in der Spielzeit 2018/2019 einen fulminanten Start hin. Eine spannende Entdeckungsreise in den Global Underground versprechen nun auch die dritte und vierte Auflage der „Wild Card“.