Seiji Ozawa und die Berliner Philharmoniker. Foto: Martin Walz

Seiji Ozawa und die Berliner Philharmoniker. Foto: Martin Walz

"Jahrzehnte des gemeinsamen, beglückenden Musizierens"

Er war Assistent Karajans. Für die Berliner Philharmoniker lebt diese Ära mit Seiji Ozawa weiter. Jetzt hat das erste deutsche Orchester dem Japaner nach 50 Jahren der Zusammenarbeit eine besondere Ehre erwiesen.

„Mit Seiji Ozawa verbinden uns viele Jahrzehnte des gemeinsamen, beglückenden Musizierens. Als ehemaliger Assistent Herbert von Karajans lebt in ihm diese Ära weiter. Als erster japanischer Dirigent von internationalem Rang schlug er eine weitere Brücke zu einem Land, das den Berliner Philharmonikern eine zweite Heimat geworden ist. Und als Dirigent vieler philharmonischer Erstaufführungen hat er uns immer wieder spannende musikalische Entdeckungen ermöglicht. Wir freuen uns sehr, Seiji Ozawa nach langer Pause wieder in unserer Mitte begrüßen zu dürfen und ihn zum Ausdruck unserer tiefen Verbundenheit zum Ehrenmitglied der Berliner Philharmoniker zu ernennen.“ Das sagte Knut Weber, Cellist und Mitglied des Orchestervorstandes, bei der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der Berliner Philharmoniker an Seiji Ozawa.

Seiji Ozawa selbst antwortete hierauf: „Das ist eine große Ehre für mich. Ich habe dieses Orchester in diesem Saal zum ersten Mal 1966 dirigiert. Uns verbindet also eine 50-jährige Freundschaft. Ich freue mich aus tiefstem Herzen!“

Seit seinem gefeierten Debüt 1966 besteht zwischen Seiji Ozawa und den Berliner Philharmonikern eine nunmehr 50-jährige enge künstlerische und menschliche Verbundenheit. 1935 als Sohn japanischer Eltern in Shenyang (China) geboren, studierte der Musiker in Tokio die Fächer Dirigieren und Komposition. Der Gewinner mehrerer internationaler Wettbewerbe kam über ein Stipendium als Meisterschüler zu Herbert von Karajan nach Berlin und wurde anschließend Assistent von Leonard Bernstein beim New York Philharmonic für die Saison 1961/1962.

Es folgten Positionen als Musikdirektor des Ravinia-Festivals in Chicago (1964 – 1969) und als Chef der Symphonie-Orchester von Toronto (1965 – 1969) und San Francisco (1970 – 1976). Ebenfalls 1970 wurde er zum Künstlerischen Leiter des Tanglewood-Festivals berufen. Von 1973 an stand Seiji Ozawa fast drei Jahrzehnte an der Spitze des Boston Symphony Orchestra; in dieser ungewöhnlich langen Zeit steigerte er den internationalen Ruf des Orchesters kontinuierlich und machte es zu einem der weltweiten führenden Orchester.

Mit Beginn der Spielzeit 2002/2003 übernahm Ozawa die musikalische Leitung der Wiener Staatsoper, die er bis 2010 innehatte. Zu Ehren seines Lehrers Hideo Saito gründete Seiji Ozawa 1984 das Saito Kinen Orchestra, dessen künstlerische Entwicklung er seither ebenso intensiv fördert wie von 1992 an diejenige des Saito Kinen Festivals in Matsumoto.

Im Jahr 2004 rief der Künstler in der Schweiz die International Music Academy ins Leben mit dem Ziel, jungen Musikern eine kammermusikalische Ausbildung sowie Konzertauftritte zu ermöglichen. Zu den zahlreichen Auszeichnungen Seiji Ozawas zählen die Ernennung zum »Chevalier de la Légion d’honneur« (2001), Ehrendoktorwürden der Harvard University (2000) und der Sorbonne (2004) sowie der japanische Kulturorden (2008) und der Praemium Imperiale (2011). Am Pult der Berliner Philharmoniker stand Seiji Ozawa zuletzt Mitte Mai 2009 bei drei Konzerten mit dem Oratorium Elias von Felix Mendelssohn Bartholdy.