Youssou N’Dour. Foto: Japan Art Association / The Sankei Shimbun

Youssou N’Dour. Foto: Japan Art Association / The Sankei Shimbun

Japanischer Nobelpreis der Künste

Prinz Hitachi hat in Tokio den Praemium Imperiale verliehen. Geehrt wurden Shirin Neshat, El Anatsui, Rafael Moneo, Youssou N’Dour und Mikhail Baryshnikov. Der Preis für junge Künstler ging an die Zoukak Theatre Company and Cultural Association.

Die fünf diesjährigen Preisträger des internationalen Kunst- und Kulturpreises Praemium Imperiale erhielten heute von der Japan Art Association ihre Auszeichnungen. Vergleichbar mit dem Nobelpreis im Bereich der Naturwissenschaften wird die Ehrung in fünf Disziplinen vergeben: Malerei, Skulptur, Architektur, Musik und Theater/Film. Die Preisträger des Praemium Imperiale 2017 sind Shirin Neshat (Malerei), El Anatsui (Skulptur), Rafael Moneo (Architektur), Youssou N'Dour (Musik) und Mikhail Baryshnikov (Theater/Film).

Die Preise wurden durch Prinz Hitachi in einer feierlichen Zeremonie in der Meiji-Gedenkhalle in Tokio verliehen. Die Gedenkhalle wurde 1920 zu Ehren des Kaisers Meiji (1852-1912) errichtet, der entscheidend zur Modernisierung Japans beitrug.Seit fast 30 Jahren ist der Praemium Imperiale die weltweit höchste Auszeichnung in den Künsten. Er beinhaltet jeweils eine Gedenkmedaille aus massivem Gold, eine Urkunde sowie ein Preisgeld von 15 Millionen Yen (derzeit rund 115.000 Euro). Die Grundidee des Praemium Imperiale ist die Überzeugung, dass Kunst sowie ein grenzüberschreitendes Bewusstsein für künstlerisches Schaffen einen bedeutenden Beitrag zum Frieden und zur Entwicklung der Menschheit leisten können. Der Preis ist den Künstlerinnen und Künstlern gewidmet, deren Arbeiten auf außergewöhnliche Weise zur Entwicklung der Kultur beitragen und deren künstlerisches Schaffen die Welt in besonderem Maße bereichert. Ausgezeichnet werden Lebenswerk, herausragendes Talent, künstlerische Kraft und internationale Bedeutung.

Der Praemium Imperiale wurde 1988 aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Japan Art Association und zum Gedenken an Seine Kaiserliche Hoheit Prinz Takamatsu in Tokio ins Leben gerufen. Prinz Takamatsu wirkte annähernd 60 Jahre als Schirmherr dieser ältesten Kunststiftung Japans und der Kunstpreis Praemium Imperiale wurde gleichermaßen zu seinem Vermächtnis. Heutiger Schirmherr der Japan Art Association ist Seine Kaiserliche Hoheit Prinz Hitachi, Bruder des amtierenden Kaisers; ihr Präsident ist Hisashi Hieda.

Zu den Preisträgern:

Shirin Neshat ist eine in New York ansässige Künstlerin aus dem Iran, die mit visuellen Medien wie Fotografie, Videoinstallation und Film arbeitet. In ihrem Werk beschäftigt sie sich vor allem mit dem Leben muslimischer Frauen in diktatorischen Regimen, evoziert deren Psyche, Gefühlswelten und politische Anschauungen.

El Anatsui aus Ghana gestaltet Werke aus Holz, Ton, Metall und Recyclingprodukten. Monumental und zugleich zart scheinen sich seine Arbeiten ein ganz eigenes Genre zwischen Malerei und Installation zu schaffen. Das Zerstören und Wiederzusammensetzen von alltäglichen Objekten stellt ebenso ein Muster seiner Arbeit dar wie der Fokus auf Materialität und Symbolik.

Der spanische Architekt Rafael Moneo ist weltweit bekannt für die Klarheit und Eleganz seiner Bauwerke. Dass sie sich harmonisch in ihre Umgebung einpassen, ist eines seiner hauptsächlichen Anliegen – die Wahl des besten Baumaterials für den jeweiligen Ort und seine Geschichte hat für ihn stets Priorität. Dank der Vielfalt seiner Ideen und Ausdrucksmöglichkeiten gilt Moneo auch als ‚Meister des Pluralismus’.

Der Sänger und Komponist Youssou N'Dour stammt aus dem Senegal. Seine Musik ist gekennzeichnet durch den unverwechselbaren Klang seiner reinen, fast schwebenden Stimme und den von ihm kreierten Sound Mbalax, einem senegalesisch geprägten Pop-Funk. Er ist international tätig und hat in seiner Heimat auch aufgrund seines sozialen und gesellschaftspolitischen Engagements Kultstatus.

Mikhail Baryshnikov, gebürtiger Lette und US-amerikanischer Staatsbürger, gilt als eine Ikone des klassischen und modernen Tanzes, der sein Publikum seit Jahrzehnten mit vollendeter Technik, Körperbeherrschung und hoher emotionaler Ausdruckskraft verblüfft und fasziniert. Erfolgreich auch als Choreograf sowie als Bühnen- und Filmschauspieler ist er weltweit bekannt und gefeiert.

Ergänzend zum Praemium Imperiale wird jährlich auch der Nachwuchspreis für junge Künstler verliehen, der mit 5 Millionen Yen (derzeit rund 38.500 Euro) dotiert ist. Preisträger 2017 ist die Zoukak Theatre Company and Cultural Association im Libanon. Das Theaterkollektiv, kurz Zoukak, hat seinen Hauptsitz in Beirut. Es befasst sich mit den Auswirkungen von Krieg, Gewalt und Migration auf die Gesellschaft, auf Gruppierungen und Minderheiten und unterstützt diese darin, mit kreativen Techniken neue Ausdrucksmöglichkeiten und Lösungen für ihre Lebensgestaltung zu finden.

Ein Kreis von sechs angesehenen Staatsmännern und Experten – die Internationalen Berater – schlägt der Japan Art Association einmal jährlich Kandidaten für die Ehrung vor. Deutschland wird in dieser Runde von Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, vertreten. Die weiteren Berater sind: Yasuhiro Nakasone, japanischer Premierminister a.D., Lamberto Dini, ehemaliger Regierungschef und Außenminister Italiens, William H. Luers, ehemaliger Präsident der United Nations Association der USA, Jean-Pierre Raffarin, Präsident des Jahresforums des Frankreich-China-Komitees und ehemaliger Premierminister Frankreichs, sowie der britische Diplomat und Kanzler der Universität Oxford, Christopher Patten.Seit Bestehen des Praemium Imperiale sind 149 Künstlerinnen und Künstler geehrt worden, darunter Gidon Kremer, Cindy Sherman, Martin Scorsese, Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Georg Baselitz, Pina Bausch, Wolfgang Laib, Alfred Brendel, Francis Ford Coppola, Christo und Jeanne-Claude, Judi Dench, Dietrich Fischer-Dieskau, Norman Foster, Frank Gehry, Philip Glass, Jean-Luc Godard, David Hockney, Rebecca Horn, Anish Kapoor, Anselm Kiefer, Willem de Kooning, Akira Kurosawa, Sophia Loren, Ken Loach, Issey Miyake, Frei Otto, Renzo Piano, Sigmar Polke, Robert Rauschenberg, Arvo Pärt und Peter Zumthor.