Kamil Piotrowicz gehört zu den aufstrebenden Musikern der polnischen Szene und spielt mit seinem Sextett in der Polish Night auf der jazzahead! 2018. Foto: Jakub Szpojda

Kamil Piotrowicz gehört zu den aufstrebenden Musikern der polnischen Szene und spielt mit seinem Sextett in der Polish Night auf der jazzahead! 2018. Foto: Jakub Szpojda

Jazz aus aller Welt

Das Showcase-Programm der jazzahead! in Bremen für 2018 steht fest: Aus den insgesamt 609 Bewerbungen aus 49 Ländern wählten die Jurys jene 40 Acts, die vom 19.-22. April im Rahmen der internationalen Jazz-Fachmesse auf der Bühne stehen werden.

Polen steht bei der jazzahead! 2018 im Mittelpunkt - auch am Eröffnungsabend der Jazz-Messe, der traditionell dem Partnerland gewidmet ist: Am 19. April repräsentieren acht polnische Formationen in der Polish Night die zeitgenössische Szene.

„Es hat sich in Polen in den letzten 60 Jahren eine sehr eigenständige Jazztradition gebildet, die sich mit starken Improvisatoren durchzieht bis in die jüngste Generation von Hoffnungsträgern“, sagt Jury-Mitglied Peter Schulze aus dem künstlerischen Leitungsteam der jazzahead!. Genregrenzen und Stile überlagern sich, werden neu definiert – eine Mischung, die sich auch in der jazzahead! Auswahl zeige: International bekannte Jazzgrößen wie das Marcin Wasilewski Trio oder Atom String Quartet stehen ebenso auf dem Programm wie Vertreter der jüngsten Generation, deren Namen dem internationalen Fachpublikum neu sein werden. Über die Teilnahme von Kamil Piotrowicz, Kuba Wiecek und High Definition Quartet freut sich Karolina Juzwa, ebenfalls Jury-Mitglied, besonders: Gerade sie seien es, die den Motor der aktuellen Szene darstellen und es besonders verdienten, international durchzustarten. „Und es gibt zwei weibliche Bandleader – Monika Borzym, die von der Jury gelobt worden ist für ihr stimmliches Charisma und ihre Professionalität, und Joanna Duda mit ihrem sehr originellen und stilistisch experimentellem Projekt, das die avantgardistische Seite der Szene zeigt.“

Ebenfalls dabei sind Power of the Horns, eine energetische Free-Jazz-Band mit bekannten polnischen Musikern. “Ich bin sicher, dass sie das Publikum wegblasen werden”, so Juzwa weiter. Das Adam Mickiewicz Institut, Hauptpartner der jazzahead! in der Umsetzung des Partnerlandschwerpunktes, bewertet die Auswahl wie folgt: „Wir freuen uns über die Wahl für die Polish Night. Die Jury wählte eine Vielzahl von Musikern aus, die den Reichtum der polnischen Jazzszene sehr gut widerspiegeln."

Der zweite Tag der jazzahead! steht ganz im Zeichen des European Jazz Meeting: 16 Bands aus elf Ländern stehen am Nachmittag und Abend des 20. April auf dem Programm. Die Jury musste allein hierfür aus 335 Einreichungen wählen, 17,5% mehr als im Vorjahr. Keine leichte Wahl, wie Peter Schulze bestätigt: „Unter den zahlreichen hochqualitativen Bewerbern fanden sich dieses Mal erstaunlich viele Großformationen, nicht nur Big Bands, sondern gleich ganze Sinfonieorchester. Die Beats & Pieces Big Band aus UK steht zudem für eine starke britische Präsenz in diesem Jahr. Stilistisch findet sich eine große Breite von elegisch-melodischem Jazz aus Island (Einar Scheving Quartet), über robuste Improvisationen aus Belgien (HERMIA/DARRIFOURCQ/CECCALDI) oder Finnland (Pauli Lyytinen Magnetia Orkesteri) bis zu treibendem Groove-Jazz etwa aus der Schweiz (Aly Keïta - Jan Galega Brönnimann - Lucas Niggli).“

German Jazz Expo, unter diesem Motto beginnt der dritte jazzahead! Showcase-Tag mit acht Bands aus Deutschland. Mit insgesamt 119 Bewerbungen brachten sich deutsche Bands in das Auswahlverfahren ein. Uli Beckerhoff aus dem künstlerischen Leitungsteam der jazzahead! und Jurymitglied: „Die Jury wählte einen beeindruckenden Mix aus internationalen Stars und experimentierfreudigen jüngeren Gruppen, die eine große stilistische Bandbreite mitbringen.“ Unter anderem vertreten die mehrfach ausgezeichnete Saxophonistin Anna-Lena Schnabel und Max Andrzejewski ́s Hütte die aufstrebende Szene.

Markus Stockhausen mit QUADRIVIUM und Paul Heller/Jasper van’t Hof Group gehören zu den Stars der internationalen Jazzszene. „Diese Auswahl wird sowohl das Fachpublikum als auch die Jazzliebhaber von der hohen internationalen Qualität des deutschen Jazz überzeugen“, sagt jazzahead! Projektleiterin Sybille Kornitschky. Auch besondere Projekte, wie das Trio von Shinya Fukumori, ein in München lebender Japaner, der japanische Sounds mit europäischer Jazzästhetik verbindet, und Quiet Fire mit Harfe im Line-Up, werden zu sehen sein.

Die Overseas Night beschließt am Abend des 21. April das jazzahead! Showcase-Festival mit acht Bands aus fünf nicht-europäischen Ländern. Mit einem starken Fokus auf Süd- sowie Nordamerika, gibt die Jury-Auswahl die Bewerbungslage wieder. „Mit Aca Seca und dem Freedoms Trio sind zwei Bands aus Südamerika gewählt, die durch ihre überschäumende Spielfreude und stupende instrumentale Fertigkeiten beeindrucken. Und Jazzmeia Horn sowie Justin Kauflin repräsentieren die amerikanische Jazztradition auf großartige Weise“, so Uli Beckerhoff. Karibische Sounds bringt das Gregory Privat Trio aus Martinique in das Programm der Overseas Night. Den weitesten Weg nach Bremen legen die Australier von Mn’ JAM experiment mit ihrer ausdrucksstarken Sängerin zurück, die ihre ganz aktuelle multimediale Performance aus Vocals, Turntables, Live-Loops und Effekten im Gepäck haben.