Kunststaatssekretärin Petra Olschowski und Herbert Joos. Foto: Jörg Becker

Kunststaatssekretärin Petra Olschowski und Herbert Joos. Foto: Jörg Becker

Jazzer wird vom Staat geehrt

Die Baden-Württembergische Kunststaatssekretärin Petra Olschowski hat dem Trompeter, Flügelhornisten und Komponisten Herbert Joos den Landesjazzpreis in der Kategorie „Sonderpreis für das Lebenswerk“ verliehen.

„Mit Herbert Joos ehren wir einen Meister des Schönen, des Atmosphärischen, des Erzählens, der feinen Melancholie, aber auch der menschlichen Fragilität. Seine Kompositionen zeichnen sich durch eine ganz eigene Magie und einen besonderen Klang, einen unverkennbaren, warmen, sinnlichen und vielfältigen Ton aus“, sagte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski am Freitag (20. Januar) in Stuttgart. Mit großer Kontinuität und künstlerischem Erfolg widme sich Herbert Joos seit nahezu 60 Jahren neuen Projekten und habe damit den Jazz im Land und weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus geprägt.

Den Rahmen der Verleihung bot ein Preisträgerkonzert im Theaterhaus, das neben dem Auftritt des Trios Herbert Joos, Patrick Bebelaar und Günter Lenz auch die Uraufführung der Patchwork-Komposition „Change of Beauty“ von Herbert Joos durch das 16-köpfige Orchester Herbert Joos umfasste. Die Laudatio auf den Preisträger erfolgte durch den renommierten Stuttgarter Koch und Jazzmusiker Vincent Klink.

Wie die beiden vorangegangenen Preisverleihungen an Eberhard Weber und Wolfgang Dauner wird auch diese Veranstaltung von Lotto Baden-Württemberg unterstützt. Das staatliche Glücksspielunternehmen ist seit vielen Jahren mit eigenen Mitteln in der Kultur- und Sportförderung aktiv. Das Theaterhaus Stuttgart tritt ebenfalls zum dritten Mal als Kooperationspartner und Veranstalter auf.

Herbert Joos, Jahrgang 1940, wurde in Karlsruhe geboren und studierte dort Ende der 1950er Jahre Kontrabass an der Hochschule für Musik, wo er auch Trompetenunterricht erhielt. Später widmete er sich dem Flügelhorn und dem Alphorn und spielte darüber hinaus die meisten anderen Blechblasinstrumente. Mitte der 1960er Jahre schloss er sich dem „Modern Jazz Quintett Karlsruhe“ an, bevor er dann in verschiedenen Formationen, u. a. mit Musikern wie Hans Koller, Kenny Wheeler, Jon Christensen oder den beiden anderen Ehrenpreisträgern Eberhard Weber und Wolfgang Dauner, zu hören war. Schon bald machte Joos mit Solo-Aufnahmen, wie „The Philosophy of the Flügelhorn“, „Still Life“ oder „Day-break / The dark side of Twilight“ zusammen mit dem Radio Symphonie Orchester Stuttgart international auf sich aufmerksam. Seit den 1980er Jahren spielte er nahezu drei Jahrzehnte lang im legendären „Vienna Art Orchestra“, war aber auch immer wieder mit dem Projekt „Südpool“ aus Baden-Württemberg und anderen Gruppen unterwegs. 1984 erhielt Joos den SWF-Jazzpreis. Seit Beginn der 2000er Jahre ist er immer wieder auch als Solist in diversen österreichischen Bands um Wolfgang Puschnig und Clemens Salesny zu hören. Außerdem spielt Herbert Joos bis heute vor allem im Duo mit dem Gitarristen Frank Kuruc sowie als Trio Bebelaar / Joos / Lenz.

Sein musikalisches Schaffen umfasst an die 120 Einspielungen, darunter rund 20 unter eigenem Namen.Darüber hinaus ist Herbert Joos als Zeichner bekannt und mit dem Preis "Bildder Zeit" ausgezeichnet worden. Seine Werke über Jazzmusiker schmücken die Titelseiten von Jazz-Zeitschriften und Kalendern. Zahlreiche CD-Covers wurden von ihm gestaltet.